«Ich glaube fest, dass dieses Projekt ein grosser Erfolg wird»

Der Abenteurer Bertrand Piccard wartet mit seiner Solar Impulse 2 auf den Start zur Weltumrundung. Astronaut Claude Nicollier ist für die Sicherheit während des Fluges mitverantwortlich.

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Sie waren einige Tage in Abu Dhabi. Wie laufen die Vorbereitungen?
Am Donnerstag hat unser Testpilot ­Markus Scherdel den ersten Testflug seit der Ankunft der Solar Impulse durchgeführt. Später unternahm André Borschberg einen Trainingsflug. Aber die Windverhältnisse sind nicht einfach. Tagsüber liegen die Windgeschwindigkeiten über 8 Knoten und damit über dem Limit, das für Starts und Landungen der Solar Impulse vorgesehen ist. Geflogen werden kann damit nur früh am Morgen oder spät am Abend oder dann den ganzen Tag mit frühem Start und später Landung.

Nächste Woche soll die Solar Impulse zur Weltumrundung abheben. ­Ist das realistisch?
Es stehen weitere Test- und Trainingsflüge an. Wir werden sehen, ob wir das Datum einhalten können. Wie erwähnt ist die Windstärke auch ein wichtiger Faktor. Von Sonntag bis Dienstag sollten aber akzeptable Wetterverhältnisse herrschen.

Wenn die Winde ein Problem sind, warum ging man überhaupt nach Abu Dhabi?
Grundsätzlich ist der Wind der grösste Freund und zugleich grösste Feind der Solar Impulse. Bei den Starts und Landungen braucht sie möglichst sanfte, beim Überfliegen des Pazifiks und des Atlantiks aber möglichst starke Winde, damit sie vorwärtskommt. Doch konkret zu Ihrer Frage: Abu Dhabi wählte man aus zwei Gründen. In Abu Dhabi steht in dieser Jahreszeit die Sonne bereits hoch am Himmel, was für das mit Solarstrom betriebene Flugzeug wichtig ist. Und die Stadt liegt bereits weiter östlich als die Schweiz. Das ist entscheidend, um ­Indien südlich des Himalaja-Gebirges vor dem Beginn der Regenzeit zu über­fliegen.

Während der Weltumrundung ­ sind Sie Sicherheitschef. Was ist Ihre Rolle?
Nach der Überquerung des Pazifiks, die im April vorgesehen ist, werde ich das sogenannte Safety Review Board leiten, in dem nebst mir Chefingenieur Peter Frei, Testpilot Markus Scherdel, Elektroingenieur Sebastien Demont und Nasa-Testpilot Rogers Smith sitzen. Wir analysieren jeden Etappenplan und geben punkto Sicherheit Empfehlungen ab.

Haben Sie ein Vetorecht?
Das nicht. Aber wir können je nach Sicherheitsrisiko die Ampel auf Grün, Orange oder Rot stellen, und Hinweise vorschlagen, um Risiken zu mindern.

Was denken Sie eigentlich über das Solar-Impulse-Projekt als solches?
Es ist ein cooles, faszinierendes Projekt und ein wunderbares Symbol.

Kritiker monieren, der ­Symbolgehalt und die Werbung für Cleantech seien gut und recht, aber das Projekt habe einen solch grossen ökologischen Fussabdruck, der dies alles wieder relativiert.
Dazu will ich mich nicht äussern. Für mich steht die technische Entwicklung im Zentrum, und die ist aussergewöhnlich. Die Welt ohne ein Gramm Treibstoff zu umrunden und dabei bei Tag und Nacht unterwegs zu sein, ist ein unglaubliches Symbol und technisch eine enorm grosse Leistung. Das muss die Botschaft sein.

Sie sind selbst Pilot. Würden Sie nicht am liebsten selbst abheben?
Liebend gern. Das wird aber wahrscheinlich nicht stattfinden, da jeder Flug viel Logistik und Arbeitsstunden vieler Leute braucht, und ein Nicollier-Rundflug in der Solar Impulse würde jetzt nicht helfen, die Missionsziele zu erreichen.

Wie ist Ihre Prognose: Schaffen André Borschberg und Bertrand Piccard die Weltumrundung?
Ich kann keine Garantie abgeben, aber ich glaube, André und Bertrand und das ganze Team schaffen das. Ich denke positiv und glaube fest, dass dieses Projekt ein grosser Erfolg sein wird.

Erstellt: 27.02.2015, 22:27 Uhr

Der ehemalige Hunter-Pilot Claude Nicollier ist der einzige Schweizer, der als Astronaut eine Weltraummission unternehmen konnte. Heute lehrt er als Professor an der ETH Lausanne (EPFL).

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