Irgendwo zwischen alarmierend und ermutigend

Der Klimawandel kann gestoppt werden – und es kostet nicht einmal viel. Zu diesem Schluss kommt der Weltklimarat in einem Abschlussbericht. Viel Zeit zum Überlegen bleibe aber nicht.

Wird der Klimawandel nicht in den nächsten 30 Jahren reduziert, könnte es teuer werden: Zwei Männer gehen an einem slowakischen Stahlwerk vorbei. (Archivbild)

Wird der Klimawandel nicht in den nächsten 30 Jahren reduziert, könnte es teuer werden: Zwei Männer gehen an einem slowakischen Stahlwerk vorbei. (Archivbild) Bild: Keystone

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Der Weltklimarat (IPCC) hat mit der Zusammenfassung seiner drei jüngsten Berichte zum schnellen Handeln im Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. Zugleich machte er Mut, dass die Erderwärmung mit weiteren Anstrengungen noch zu stoppen ist.

«Wir wissen, dass wir die Emissionen drastisch reduzieren müssen», sagte IPCC-Chef Rajendra Pachauri bei der Vorstellung des Syntheseberichtes in Kopenhagen. «Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat gesprochen, jetzt geben wir den Stab an die politischen Entscheidungsträger weiter.»

«Zeitfenster von zwei bis drei Jahrzehnten»

«Wenn wir weitermachen wie bisher, werden uns die Möglichkeiten, den Temperaturanstieg zu begrenzen, in den nächsten Jahrzehnten entgleiten», mahnte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon. Es sei ein unbelegter «Mythos», dass der Kampf gegen den Klimawandel teuer sei.

«Es gibt noch ein Zeitfenster von zwei bis drei Jahrzehnten, in dem der Klimawandel zu akzeptablen Kosten gebremst werden kann», erläuterte der IPCC-Autor Ottmar Edenhofer in einem Interview mit der Nachrichtenagentur DPA. «Beginnt man erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts, kann man nur noch wenig tun.»

Seit September 2013 hatte das Gremium seinen 5. Weltklimareport in drei Teilen veröffentlicht. Zwar hatte dieser gezeigt, dass der Klimawandel mit Macht voranschreitet und der Mensch daran einen gewaltigen Anteil hat.

Höchste Zeit

Die Forscher stellten aber auch klar, dass der Temperaturanstieg mit globalem Einsatz noch gebremst werden kann. Nach den Berechnungen des IPCC würde das globale Wachstum von den Kosten zur Reduzierung der CO2-Emissionen nicht «stark betroffen».

Selbst «ehrgeizige» Massnahmen würden demnach nur jährlich 0,06 Prozentpunkte des weltweiten Konsums im 21. Jahrhundert kosten, wobei mit einem jährlichen Wachstum zwischen 1,6 und drei Prozent gerechnet wird. Sollte dagegen nicht rasch etwas unternommen werden, würden die Kosten stark ansteigen, warnte der Weltklimarat.

Über den genauen Wortlaut wichtiger Kernaussagen des 5. Klimaberichts, den UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und IPCC-Chef Rajendra Pachauri präsentierten, hatten Wissenschaftler und Regierungsvertreter seit Montag beraten.

Vorbereitung für Paris

Die drei einzelnen Teile hatte der Rat im September 2013 sowie im März und April 2014 vorgestellt. Die Veröffentlichung des Syntheseberichts erfolgte vor einem Treffen kommenden Monat in Lima, das den Weg zu einem neuen verbindlichen Klimaabkommen beim Gipfel in Paris nächstes Jahr ebnen soll.

Nach dem Bericht sind sich die Forscher sehr sicher, dass der Mensch der dominierende Faktor für den Temperaturanstieg seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist. Diese Erkenntnis in solcher Klarheit sei neu, sagte der stellvertretende IPCC-Chef Jean-Pascal van Ypersele der Nachrichtenagentur DPA. Die Folgen des Klimawandels sind heute in allen Teilen der Welt schon spürbar.

Kerry warnt vor Leugnen der Resultate

Nach der Vorstellung des Berichts hat US-Aussenminister John Kerry davor gewarnt, die Erkenntnisse zum Klimawandel zu ignorieren. «Diejenigen, die sich entscheiden, die (Erkenntnisse der) Wissenschaft zu ignorieren oder zu bestreiten, die in diesem Bericht so klar dargelegt worden sind, tun dies unter grossem Risiko für uns und für unsere Kinder und Enkelkinder», erklärte er.

«Je länger wir in einer Debatte über Ideologie und Politik feststecken, umso mehr werden die Kosten der Tatenlosigkeit steigen und steigen.»

WWF: «Relativ mageres Konstrukt»

Der Synthesis-Report selbst sei ein «relativ mageres Konstrukt», sagte WWF-Klimaexperte Stephan Singer der Nachrichtenagentur DPA. Der komplette neue IPCC-Bericht habe aber im Vergleich zu dem von 2007 klargestellt: «Die Klimaveränderung passiert schneller und drastischer, als projiziert war – und die Natur ist weniger widerstandsfähig, als man gedacht hat.»

Neu am Report seien die Lösungen, die die Forscher aufgezeigt hätten, erklärte der deutsche Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser. «Die erneuerbaren Energien sind inzwischen technisch so ausgereift und wirtschaftlich so konkurrenzfähig, dass sie fossile Energien und Atomkraft bis zur Mitte des Jahrhunderts schrittweise ersetzen können.»

«Die Lösungen sind da, und sie sind nicht so teuer, wenn man international zusammenarbeitet», sagte van Ypersele vom IPCC. Das Papier gebe den Regierungen «eine Ausrede weniger, nicht mit mehr politischer Willenskraft zu handeln», erklärte der Belgier. «Lassen Sie uns hoffen, dass das hilft.» (kpn/sda)

Erstellt: 02.11.2014, 13:28 Uhr

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