Jahrhundert-Sonnensturm verpasste Erde nur knapp

2012 warnte die Nasa vor einem Sonnensturm, der die Erde treffen könnte. Wie knapp der Sturm die Erde verfehlte und welche Folgen ein Einschlag gehabt hätte, zeigen neuste Auswertungen.

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Nichts geht mehr. Kein Licht brennt, sämtliche Kommunikationssysteme sind tot. Keine mit Strom betriebenen Verkehrsmittel und Strassensignale funktionieren – kurz: ein weltweiter Stromausfall. Ein Szenario, das im Juli 2012 beinahe eingetroffen wäre. «Wir haben unglaubliches Glück gehabt», sagt Daniel Baker von der University of Colorado laut einer Mitteilung der US-Weltraumbehörde Nasa.

Ein Sonnensturm drohte am 23. Juli 2012 die Welt in ein Chaos zu stürzen. «Wären wir von dieser Sonneneruption getroffen worden, würden wir die Schäden heute noch beseitigen», sagt Baker. Er und ein Team von weiteren Wissenschaftlern veröffentlichten im Dezember eine Studie über die bisher stärkste bekannte Sonneneruption der jüngeren Zeit.

Heftigste Sonneneruption seit mehr als 150 Jahren

Potenzielle Schäden von bis zu 2 Billionen Dollar (rund 1,8 Billionen Franken) hätte der Sturm anrichten können, berechnete die National Academy of Sciences in den USA.

«Der Handel, das Transportwesen, die Landwirtschaft, die Wasserversorgung, die nationale Sicherheit sowie die medizinische Versorgung wären auf fatalste Weise betroffen gewesen, kurz: alles Existenzielle des normalen Lebens», sagt Steve Tracton von der Nachrichten-Website CWG.

Der Sturm vor zwei Jahren war die heftigste registrierte Sonneneruption seit mehr als 150 Jahren. Am 1. September 1859 entdeckte der britische Astronom Richard Carrington ein auffällig helles Licht, einen Sonnensturm, wie sich herausstellte. Seither ist das Phänomen unter «Carrington-Ereignis» bekannt: Damals seien sogar auf Kuba und auf Hawaii Polarlichter gesichtet worden. «Der Sturm 2012 war mindestens so stark wie 1859», meint Baker.

Satellit überstand den Sturm

Warum die Nasa den Sonnensturm vom Juli 2012 so genau auswerten kann, hat einen Grund. Im Gegensatz zur Erde wurde das Raumfahrzeug Stereo-A von der Sonneneruption voll getroffen. «Es hat den Sturm nicht nur überstanden, sondern auch noch Daten hoher Qualität geliefert», berichtet die Nasa.

Die Datenauswertung bringt Beunruhigendes zutage: So sollen gleich mehrere Sonnenstürme vor dem 23. Juli 2012 durchs All gefegt sein. Diese haben dem Hauptsturm den «Weg bereitet», sodass ihn nichts mehr hätte abbremsen können, schreibt die US-Luft- und Raumfahrtbehörde.

«Ohne Stereo-Satelliten wären wir ahnungslos»

Die gesammelten Ergebnisse zeigen auch, dass Stürme dieser Stärke nicht so selten sind wie bisher angenommen. Bislang schien es, sie seien nur alle paar Jahrhunderte zu befürchten. Studien von Pete Riley vom Forschungsinstitut Predictive Science Incorporated in den USA ergeben laut der Nasa eine Wahrscheinlichkeit für einen Treffer dieser Stärke von etwas mehr als zehn Prozent im Laufe der nächsten zehn Jahre. «Eine ernüchternde Statistik», kommentiert der Forscher seinen Befund.

«Wir müssen besser vorbereitet sein», fordert Nasa-Forscher Baker. Die Schutzmassnahmen wurden bis anhin vernachlässigt. Prognosen sind noch sehr ungenau. «Ohne die Stereo-Satelliten wären wir sogar völlig ahnungslos», sagt Baker.

Erstellt: 25.07.2014, 13:47 Uhr

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