Mit dem Eisring gegen die strahlenden Wassermassen

Tepco kämpft in Fukushima an mehreren Fronten gegen das verseuchte Wasser. Täglich werden es 400 Tonnen mehr. Jetzt soll ein unterirdischer Eisschutzwall alle Zu- und Abflüsse verhindern.

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Wasser ist mittlerweile das grösste Problem für Tepco, den Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima. Wasser dringt permanent in die Ruine ein. Und kontaminiertes Wasser muss gelagert werden, damit es nicht ins Grundwasser oder ins Meer gelangt. Dadurch werden zum einen die Aufräumarbeiten im beschädigten AKW stark erschwert.

Zum anderen stellen die Wassermassen Tepco vor eine längerfristig immer grösser werdende Herausforderung: Das radioaktive Grundwasser wird zusammen mit dem Wasser, das Tepco zur Kühlung der Reaktorkerne von oben in die Anlage pumpt, in rasch gebauten Tanks gelagert. Denn täglich entstehen in der Atomruine 1000 Tonnen verseuchtes Wasser, wie Experten gemäss «Spiegel online» schätzen. Zwar wird ein grosser Teil davon wieder zur Kühlung verwendet, aber dennoch resultiert ein täglicher Überschuss von rund 400 Tonnen.

1000 Wasserbehälter existieren bereits

Etwa 1000 Wasserbehälter gibt es bereits auf dem Reaktorgelände. Sie beinhalten rund 350'000 Tonnen Wasser. Doch bereits schlagen die ersten Tanks leck – und verseuchen auch das Grundwasser ausserhalb der AKW-Ruine. Weil das verstrahlte Wasser auch ins Meer zu gelangen droht, musste Tepco eine rasche Lösung finden.

Die Betreiberfirma setzt ihre Hoffnungen nun in einen unterirdischen Eisring um die Reaktoren 1 und 4. Dabei werden Kühlrohre in den Boden eingeführt. Darin befindet sich eine Salzwasser-Kühlflüssigkeit mit einer Temperatur von minus 35 Grad. Dadurch wird auch der Boden rund um die Rohre so stark abgekühlt, dass das Grundwasser im Boden gefriert. Der auf diese Weise gebildete Eisring sorgt dafür, dass Wasser innerhalb dieser natürlichen Abschrankung nicht mehr nach draussen dringen kann – und dass auch kein Grundwasser mehr einfliesst.

Im Bergbau verwendet

Einst wurde das Verfahren im Bergbau des 19. Jahrhunderts angewandt. Heute werden nicht nur Arbeiten an Schächten und Tunneln, sondern auch andere unterirdische Bauarbeiten mit der Bodenvereisung durchgeführt. Dennoch: Das Abdichten verseuchter Böden ist die Ausnahme. Und ein derart grosses Projekt ist gemäss «Spiegel online» noch nie mit dieser Methode realisiert worden.

Tepco ist indes auf ein rasches Funktionieren des Eisrings dringend angewiesen, denn neben den Lecks der Tanks ist auch der Platz ein vordringliches Problem: Die Anlage ist zwar gross, verfügt aber über einen begrenzten Platz für die grossflächigen Tanks. Und was dereinst aus dem darin gelagerten verseuchten Wasser werden soll, ist eine weitere offene Frage, die dringend beantwortet werden muss. Fest steht jedoch: Tepco wird sich noch über Jahrzehnte mit der Situation beschäftigen müssen. (rbi)

Erstellt: 04.09.2013, 11:34 Uhr

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