Müllsammler oder Satellitenkiller?

Ein Objekt im All gibt Rätsel auf: Nun wird die Frage debattiert, ob sich die Russen für einen Konflikt im Weltraum rüsten.

Was haben die Russen beim Raketenstart mitgeschickt? Eine russische Rakete, die den Kommunikationssatelliten Luch ins All tragen soll. (23. September 2014)

Was haben die Russen beim Raketenstart mitgeschickt? Eine russische Rakete, die den Kommunikationssatelliten Luch ins All tragen soll. (23. September 2014) Bild: AFP

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Es tönt wie eine Fantasie aus einem James-Bond-Film: Ein russischer Satellit streift durchs Weltall und greift andere Satelliten an. Doch ein Objekt, das Hobbyweltraumbeobachter entdeckten, nährt bei einigen genau diese Angst.

Der Flugkörper Kosmos 2499 wurde zunächst als Weltraumschrott eines russischen Raketenstarts im Mai eingestuft, wie die «Financial Times» berichtet. Plötzlich fielen die vermeintlichen Trümmer jedoch durch ungewöhnliche Bewegungen auf: Sie steuerten immer wieder offenbar gezielt russische Satelliten an. Zuletzt kehrte Kosmos 2499 zurück zu der Rakete, mit der er abgeschossen wurde. Nun beobachtet gar das US-Militär das verdächtige Objekt – und auch Amateure können in Echtzeit verfolgen, wo sich das Flugobjekt gerade befindet.

Zivile oder militärische Zwecke

Was es im All macht, bleibt ein Rätsel. Verdächtig wurde Kosmos 2499 wegen seiner hohen Aktivität und der Präzision der Bewegungen im All – und wegen der russischen Verschwiegenheit zum Objekt. Einige Hobbyastronomen vermuten dahinter deshalb eine russische Waffe. Und gar Fachleute stimmen ein: Patricia Lewis, Expertin für Weltraumsicherheit, sagte der «Financial Times», Kosmos 2499 könne viele Zwecke verfolgen – zivile oder militärische. Sie nennt Möglichkeiten von Einsammeln von Weltraumschrott bis hin zu Angriffen auf andere Satelliten. «Was immer es ist, es sieht experimentell aus.»

Für die Expertin ist es naheliegend, sich für den Kampf im Weltraum zu rüsten. «Es wäre seltsam, wenn der Weltraum der einzige Ort wäre, wo sich Armeen zurückhalten», sagt Lewis. Erst kürzlich hätten chinesische Hacker schliesslich einen US-Wettersatelliten angegriffen.

Für einen Kampfsatelliten spreche auch, dass Oleg Ostapenko, heute Chef der russischen Raumfahrtbehörde, im Jahr 2010 gesagt haben soll, Russland entwickle wieder Angriffssatelliten. Offiziell wurde das Satellitenbewaffnungsprogramm «Istrebitel Sputnikow» – Satellitenkiller – nach dem Kalten Krieg eingestellt. Auf Anfrage der «Financial Times» nahm das russische Verteidigungsministerium erwartungsgemäss keine Stellung. (rar)

Erstellt: 19.11.2014, 20:07 Uhr

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