Mysteriöse Trümmerteile am Riesen-Spionagesatellit

Der private Satellit WorldView-2 liefert den USA Aufklärungsbilder aus dem All. Nun wurden Trümmerteile entdeckt, der Betreiber versucht zu beruhigen.

In der letzten Woche schwebte «WorldView-2» noch in 770 Kilometern Höhe über der westschottischen Stadt Troon. (Foto: DigitalGlobe/Getty Images)

In der letzten Woche schwebte «WorldView-2» noch in 770 Kilometern Höhe über der westschottischen Stadt Troon. (Foto: DigitalGlobe/Getty Images)

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DigitalGlobe gehört zu den Firmen, die zwar Weltmarktführer sind, aber dennoch eher im Verborgenen arbeiten. Der börsennotierte US-Konzern mit gut 700 Millionen Dollar Umsatz (2015) verkauft Fotos seiner riesigen Aufklärungssatelliten aus dem All. Jetzt haben Weltraumüberwachungsspezialisten der US-Luftwaffe eine rätselhafte Nachricht verbreitet: Demnach bewegen sich insgesamt acht Trümmerteile um den Satelliten WorldView-2. Die Grösse der Trümmerstücke wird nicht näher beschrieben.

Kaum war die Trümmernachricht von der Weltraumbehörde (JSpOC) verkündet, schickte der Konzern Beruhigungsbotschaften. Der Satellit funktioniere nach wie vor, fotografiere und sei zu steuern. Also alles normal – aber woher stammen dann die unbekannten Teile? Der Branchendienst Spaceflight101.com spekuliert, dass sich womöglich Isolationsmaterial am Satelliten gelöst habe.

US-Ministerien sind am Funktionieren des Satelliten interessiert

Als Beleg für das Funktionieren des 2008 ins All geschickten Satelliten veröffentlichte DigitalGlobe eigens eine Aufnahme der kalifornischen Stadt Oakland von oben – aufgenommen nach dem rätselhaften Vorfall.

Gleich mehrere US-Ministerien sind stark am Funktionieren des 463 Millionen Dollar teuren Satelliten interessiert. Schliesslich sendet dieser Aufnahmen, auf denen sich noch 46 Zentimeter grosse Gegenstände erkennen lassen, obwohl das 2,8 Tonnen schwere Modell die Erde in 770 Kilometer Höhe umkreist. Nach den bisherigen Planungen soll der Satellit erst 2022 in Rente gehen.

Auch Uber setzt auf Satellitenbilder

Die DigitalGlobe-Flotte umfasst aktuell vier Satelliten. Bis Jahresende soll noch WorldView-4 hinzukommen, der dann selbst 30 Zentimeter grosse Gegenstände aus dem All erkennen kann. Im vergangenen Jahr entfielen fast zwei Drittel des Umsatzes auf Geschäfte mit staatlichen US-Stellen – Tendenz weiter steigend. Dabei peilt der Konzern mit fast 1200 Beschäftigten auch neue kommerzielle Geschäftsfelder an. So gab jetzt der Taxidienste-Vermittler Uber eine Zusammenarbeit mit DigitalGlobe bekannt. Uber will so seinen Service verbessern.

Die US-Ministerien und -Geheimdienste verfolgen bei ihrer Aufklärung aus dem All eine Doppelstrategie. Neben dem Einkauf bei kommerziellen Anbietern von Weltraumfotos wie DigitalGlobe betreiben sie auch eine eigene Flotte von Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten.

Doch auch dabei läuft nicht alles glatt. So ist der am 24. Juni gestartete militärische Kommunikationssatellit Muos 5 im All gestrandet und hat bislang nicht seine vorgesehene Position erreicht. In diesem Fall wird über ein Versagen des Satellitenantriebs des mehrere Hundert Millionen Dollar teuren Satelliten gerätselt. Trümmerteile wurden in diesem Fall nicht gemeldet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.07.2016, 21:00 Uhr

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