Nasa-Satellit gibt Einstein recht

Vom Satelliten Gravity Probe B gesammelte Daten untermauern zwei von Einsteins Relativitätstheorien. Der Aufwand des Projektes war enorm. Die Forscher bezeichnen die Ergebnisse als historisch.

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Ein Nasa-Satellit hat zwei Vorhersagen von Albert Einsteins Relativitätstheorie mit bislang unerreichter Genauigkeit bestätigt. Die Erde verbiegt demnach die Raumzeit um sie herum. Gemäss der Allgemeinen Relativitätstheorie machen grosse Massen Dellen in die Raumzeit - etwa wie wenn ein sitzender Mensch in das Sprungtuch eines Trampolins sinkt. Ausserdem zieht die Erde, während sie sich um sich selbst dreht, die Raumzeit mit sich - so wie ein sich drehender Löffel in einem Glas Sirup.

«Stellen Sie sich vor, die Erde wäre in Honig getunkt», erläuterte der Chefwissenschaftler der Nasa-Satellitenmission GravityProbeB, Francis Everitt von der Universität Stanford. «Während der Planet sich dreht, würde der Honig um sie herum mitwirbeln - und mit Raum und Zeit ist es dasselbe.»

Vier perfekte Kugeln

Diese Effekte sind winzig, aber messbar. Dafür war allerdings enormer Aufwand nötig. An der Mission GravityProbeB wurde seit 1963 gearbeitet. Unter anderem wurden für sie die genauesten Kugeln hergestellt, die der Mensch je geschaffen hat. Vier solche Quarz- Silizium-Bälle sind das Herzstück der Mission.

Sie haben einen Durchmesser von knapp vier Zentimetern und weichen nirgends mehr als 40 Atomlagen von der perfekten Kugelform ab. Die Kugeln dienten als Kreisel, deren Drehachse exakt auf den Stern IM Pegasi im Sternbild Pegasus ausgerichtet wurde, nachdem der Satellit 2004 in den Erdorbit geschossen worden war.

Ohne die Effekte der Relativitätstheorie würden die Drehachsen unverändert exakt auf den angepeilten Stern zeigen. Während der Satellit die Erde über die Pole umkreiste, wanderte die Drehachse jedoch leicht - exakt so, wie die Theorie voraussagt. Einstein hatte also wieder einmal recht.

Neuartige Messtechnik

Nach einem Jahr Flugzeit wichen die Kreiselachsen um rund ein Neunzigtausendstel Grad von der ursprünglichen Richtung ab. Um diese winzige Abweichung zu messen, ohne die Kugeln zu berühren, musste eine ganz neue Technik entwickelt werden. Mit ihr liesse sich die Dicke eines Blatts Papier noch aus mehr als 150 Kilometern Entfernung messen, schreibt die Nasa.

Rund ein Jahr dauerte die Messzeit von GravityProbeB, fast fünf Jahre die Datenauswertung. Sie bestätigen die Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie triumphal. Zwar wurden beide Effekte - der sogenannte geodätische (die Delle in der Raumzeit) und der Lense-Thirring-Effekt (die mitwirbelnde Raumzeit) - bereits früher beobachtet, unter anderem bei Schwarzen Löchern.

Nasa spricht von «historischem Ereignis»

Aber die Resultate von GravityProbeB, die im Fachblatt «Physical Review Letters» erscheinen sollen, spiegeln die theoretischen Vorhersagen so genau wider, dass sie nach Meinung der Nasa Eingang in die Lehrbücher finden werden. Die Nasa sprach denn auch von einem «historischen Ergebnis».

«Die Ergebnisse dieser Mission werden Langzeitfolgen für die Arbeit theoretischer Physiker haben», betonte der Astrophysiker Bill Danchi aus der Nasa-Zentrale. «Jeder künftige Zweifel an Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie muss präzisere Messungen anstreben als die bemerkenswerte Leistung, die GravityProbeB erreicht hat.» (kpn/sda)

Erstellt: 07.05.2011, 20:56 Uhr

Sammelte ein Jahr lang Daten: Die Gravity Probe B, hier während der Konstruktionsphase auf der Vandenburg Air Force Base, Kalifornien. (Bild: Keystone )

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