Neu entwickelte Glasflasche könnte PET verdrängen

Bucher Industries und Vetropack haben eine Methode entwickelt, wie aus Sicherheitsglas Flaschen geformt werden können. Diese sind leicht und bruchsicher.

Abhängigkeit von Erdöl als grosser Nachteil: Eine PET-Sammelstelle in Zürich.

Abhängigkeit von Erdöl als grosser Nachteil: Eine PET-Sammelstelle in Zürich. Bild: Keystone

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Die PET-Flasche hat heute auf dem Verpackungsmarkt aufgrund ihres Gewichts und der Bruchsicherheit die klare Vormachtstellung. Dies wollen die beiden Zürcher Unterländer Firmen Vetropack aus Bülach und Bucher Industries aus Niederweningen aber bald ändern. So hat eine Tochterfirma von Bucher Industries in ihrem amerikanischen Forschungszentrum eine Methode zur Herstellung einer «revolutionären» Glasflasche entwickelt. Den Forschern gelang es kürzlich erstmals, aus Sicherheitsglas eine Flasche zu formen. Die neuen Flaschen aus Sicherheitsglas werden bei 700 Grad Celsius gehärtet und anschliessend schockartig und gleichmässig abgekühlt. Bis anhin gelang es nicht, aus Sicherheitsglas dreidimensionale Körper zu formen.

«Diese Flasche kann der PET-Flasche wieder Konkurrenz machen, da sie wie der Plastikbehälter enorm leicht und bruchsicher ist», sagt Philip Mosimann, Konzernchef von Bucher Industries. Nun arbeiten Bucher Industries und Vetropack gemeinsam an einer Maschine, mit welcher die Wunderflaschen industriell und in hoher Stückzahl produziert werden können.

PET wird aus Erdöl hergestellt

PET-Flaschen verfügen zwar laut verschiedenen Studien über die bessere Energiebilanz als ihre gläsernen Gegenstücke. Allerdings werden sie aus Erdöl hergestellt, und diese Vorräte neigen sich bekanntlich in absehbarer Zeit dem Ende zu. Glas hat zudem laut der deutschen Bürgerinitiative «Vermeiden statt Verbrennen» zahlreiche Vorteile gegenüber dem PET. So wird es hauptsächlich aus Quarzsand hergestellt, welcher fast unbegrenzt verfügbar ist.

Ausserdem enthält Glas im Gegensatz zu PET keine chemischen Weichmacher und sonstigen Zusätze (siehe Box «Korrigendum»). PET-Flaschen werden laut einer Studie der Universität Heidelberg ausserdem verdächtigt, dass sie toxisches Schwermetall an den Flascheninhalt abgeben. Glas hingegen gibt keinerlei seiner Bestandteile an den Flascheninhalt ab.

Teure Produktionsanlagen

Wann und wie die Maschine zur Produktion der neuen Flasche auf den Markt kommt, steht noch nicht fest. «Wir befinden uns noch in der Pilotphase», sagt Claude Cornaz, CEO von Vetropack. Auch einen massiven Umsatzanstieg erwarten die Betriebe vorderhand nicht.

Mosimann rechnet mit einem Markteinführungsprozess, der mehrere Jahre dauern wird, da die neuen Produktionsanlagen für die Flaschen extrem kostspielig seien. Auf die Unterländer Standorte hat die Innovation kaum Auswirkungen. Vetropack hat keine Produktion in Bülach, und Bucher Industries wird nicht in Niederweningen, sondern bei der Tochter Emhart Glass in Schweden aktiv.

Erstellt: 06.12.2011, 18:02 Uhr

Korrigendum

Im Artikel über eine neue Glasflasche steht tatsachenwidrig, dass PET-
Getränkeflaschen «Weichmacher», «toxische Schwermetalle» und «sonstige Zusätze» enthalten. Unterschwellig wird damit behauptet, dass PET- Getränkeflaschen gesundheitsschädigend seien.

Diese Vorwürfe sind von Schweizer Institutionen wie dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) bereits mehrfach in umfassenden Studien widerlegt worden. Getränke aus PET-Flaschen können ohne Bedenken konsumiert werden.

Durch den Fortschritt in der analytischen Chemie lassen sich Stoffe in immer tieferen Konzentrationen nachweisen. Die Nachweisbarkeit einer Substanz sagt nichts über deren Gesundheitsrisiko aus.

Winzige Spuren beispielsweise von Metall – weit unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten – lassen sich in Glas-, PET- und anderen Behältnissen nachweisen.

René Herzog, Geschäftsführer PET-Recycling Schweiz

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