«Ohne die Schweiz geht nicht viel in der Raumfahrt»

Die Schweiz ist eine Raumfahrtnation: Sie ist an fast allen europäischen Missionen beteiligt. Das will die Schweizer Raumfahrtindustrie mit einer Kampagne ins Bewusstsein rufen.

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Um den Schweizer Beitrag wie auch den Nutzen der Weltraumtechnologie zu betonen, lancierte die Schweizer Raumfahrtindustrie heute in Bern die Kampagne Weltraum Schweiz.

Obwohl das Weltall die Menschen fasziniert, ist vielen Leuten nicht bewusst, dass die Schweiz bei Aktivitäten im Weltraum ganz vorne mit dabei ist. Mit der Kampagne will die Swiss Space Industries Group (SSIG) dieses Wissen verstärken und die Spitzenposition der Schweiz in der internationalen Raumfahrt verteidigen. Der Präsident der SSIG, Peter Guggenbach, sagt: «Ohne Raumfahrt geht in der Schweiz nicht viel – und ohne die Schweiz geht nicht viel in der Raumfahrt.»

Entscheidende Raumfahrttechnologie

Fast jeder europäische Satellit, der um die Erde kreist, fast jede Forschungsmission, die in den Weltraum reist, enthält Schweizer Technologie. Für Navigationssatelliten des Galileo-Systems, des künftigen europäischen Pendants zum GPS, sind Schweizer Atomuhren zentral; für die Ariane-Raketen bauten hiesige Unternehmen Nutzlastverkleidungen, Messtechnik und Triebwerksteile.

Die Schweiz ist zudem Gründungsmitglied der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), deren Präsidentschaft sie im November gemeinsam mit Luxemburg übernimmt. «Nur wer dabei ist, kann mitbestimmen, wohin die Reise geht», betonte SSIG-Präsident Guggenbach vor den Medien.

Die Schweiz beteiligt sich derzeit mit 150 Millionen Franken pro Jahr an der ESA. Das Geld stammt aus der staatlichen Förderung für Bildung, Forschung und Innovation, über deren Höhe für die Periode 2013 bis 2016 derzeit beraten wird. Diese Entscheide sind somit laut Guggenbach auch für die Raumfahrtaktivitäten sehr bedeutsam.

Schweizer erkunden das Universum

Eine kontinuierliche Finanzierung sei entscheidend, da Weltraumforschung eine langfristige Sache sei, betonte Willy Benz, Direktor des Physikalischen Instituts der Universität Bern. Bei der Kometensonde Rosetta zum Beispiel vergingen 30 Jahre von der Idee bis zu den ersten Daten, die 2014 erwartet werden.

«Das primäre Ziel der Raumfahrt ist es, Wissen zu schaffen», sagte der Astrophysiker. Ohne störende Atmosphäre können Astronomiesatelliten tief ins Universum blicken und seine Geschichte erkunden. Die Schweiz ist an fast allen solchen Satelliten Europas beteiligt, was laut Benz wichtig ist: «Man versteht Daten von Geräten, die man selbst gebaut hat, besser.»

Alltagshilfen aus dem All

Im täglichen Leben ist die Raumfahrttechnologie bereits omnipräsent: Dank ihr gibt es Handyempfang, Navigationsgeräte und Hunderte von Fernsehsendern. Auch die Wettervorhersage wurde dank immer präziserer Satellitendaten in den letzten 30 Jahren markant verbessert.

Gabriela Seiz von Meteo Schweiz schätzt, dass 80 Prozent der Wirtschaft direkt oder indirekt vom Wetter abhängen. Die Beteiligung der Schweiz an der Wettersatelliten-Infrastruktur sei deshalb ein grosser Vorteil. «Die Schweiz bezahlt drei Prozent der Kosten von Meteosat, hat aber 100 Prozent des Nutzens der Daten und Programme.»

Fortschritt und Faszination

Die Gesellschaft zieht somit einen handfesten Nutzen aus der Raumfahrt, sagte der Astrophysiker Willy Benz. Die Raumfahrt bringe neues Wissen, neue Technologien und auch Nachwuchskräfte hervor. «Von der Beteiligung an der internationalen Weltraumforschung profitiert unser Land als Forschungs- und Bildungsstandort», sagte Benz.

Die physische Präsenz der Schweiz im All markiert noch immer der bislang einzige Schweizer Astronaut, Claude Nicollier. Er zeigte die Doppelrolle des Weltraumteleskops Hubble auf, an dessen Wartung er beteiligt war. Neben seinem wissenschaftlichen Beitrag habe es mit farbigen Bildern von Galaxien und Sternennebeln viele Menschen zum Staunen gebracht. «Hubble hat punkto wissenschaftlichen Inhalts und Schönheit Grossartiges geleistet.» (rub/sda)

Erstellt: 24.05.2012, 20:10 Uhr

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