Rauchschwaden, Pannen, Verspätungen

Der Cisalpino Pendolino ist dank zahlreicher technischer Probleme zum berüchtigten Pannenzug geworden – und zu einem lästigen Kapitel für die SBB.

Kein schöner Zug: Der ETR-470-Cisalpino hält die Schweizer Bahn in Atem.

Kein schöner Zug: Der ETR-470-Cisalpino hält die Schweizer Bahn in Atem. Bild: Keystone

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«Diese Züge gehören auf den Schrottplatz in Biasca», sagt Edwin Dutler, Vorstandsmitglied und ehemaliger Präsident von Pro Bahn Schweiz, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, «das ist eine Zumutung für die Kunden.» Bei manchen Mitarbeitern der SBB dürfte sich der Ärger über diese Wortwahl in engen Grenzen halten. Zu oft schon haben Pendolino-Pannen Schlagzeilen gemacht.

Zum Beispiel Ende April 2007, als der Zug wegen der Erhitzung eines Rades und Rauchentwicklung in Kandersteg geräumt werden musste. Ende Juli 2007: Wieder Rauchentwicklung; in Como werden rund 150 Menschen aus einem Pendolino evakuiert. Februar 2008: Defekt im Lötschberg-Basistunnel; die Passagiere werden durch einen Querstollen fortgebracht. August 2008: Ein Cisalpino bleibt am Bahnhof Wassen stehen, wenige Kilometer vor dem Gotthard-Tunnel.

Vier von fünf Zügen in Italien defekt

Die Aufzählung ist keineswegs vollständig. Der Pendolino hat es zu zweifelhaftem Ruhm gebracht, eigens von einer besonderen Webseite verspottet zu werden (//cessoalpino.com) – und die Kommunikationsabteilung der SBB zu selten klaren Worten zu zwingen. «Absolut unbefriedigend» sei die Situation, sagt Sprecher Christian Ginsig gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet angesichts des jüngsten Vorfalls verärgert.

Was sollen da die Kollegen in Italien sagen? Nachdem die Wartungsarbeiten für ETR-470-Flotte zwischen der Schweiz und Italien aufgeteilt wurden, hat sich die Lage dort offenbar noch verschlechtert. Von den fünf Pendolinos, die unter italienischer Obhut stehen, ist nun nur noch einer einsatzfähig, wie Sprecher Ginsig sagt. In der Schweiz dagegen sind von den vier Zügen derzeit drei fahrbereit; ein Zug wird derzeit in Basel gewartet.

Lösung der Probleme angekündigt

Das dürfte unter anderem daran liegen, dass die SBB-Züge angesichts der jahrelangen Erfahrungen von Bordtechnikern begleitet werden, die das anfällige System genau beobachten. Und womöglich auch daran, dass die SBB bereits Ersatzzüge einsetzen, die den Pendolino-Verkehr entlasten. Gleichwohl scheint die Geduld am Ende zu sein. «In den kommenden Wochen fällt eine Entscheidung, wie es mit der Flotte weitergeht», sagt Ginsig, «Wochen, nicht Monate.»

Erstellt: 17.05.2011, 17:34 Uhr

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