Rockstar der Astronomie

Das Weltraumteleskop Hubble wird 25 – es ist eines der erfolgreichsten Forschungsinstrumente der letzten Jahrzehnte.

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Die Kinderstube von Galaxien, fantastische planetare Nebel und die Atmos­phäre extrasolarer Planeten – Hubble hat spektakuläre Bilder aus den Tiefen des Alls geliefert. Am 24. April 1990 beförderte ein Spaceshuttle das Teleskop auf seine rund 600 Kilometer hohe Umlaufbahn um die Erde. Morgen wird der «Rockstar der Astronomie», wie der «Spiegel» das nach dem renommierten US-Astronomen Edwin Hubble benannte Teleskop einst nannte, 25 Jahre alt.

«Dank Hubble hat unser Verständnis des Universums einen Quantensprung gemacht», sagt Marcella Carollo, Professorin für extragalaktische Astrophysik an der ETH Zürich. Von der Bedeutung her sei Hubble vergleichbar mit den grössten Teleskopen am Boden, etwa mit dem Very Large Telescope (VLT) in Chile.

Die Geschichte von Hubble begann mit einem Albtraum: Die ersten Bilder, die das Gemeinschaftsprojekt von Nasa und Esa lieferte, waren unscharf. Der 2,4 Meter grosse Hauptspiegel hatte einen Fehlschliff. 1993 erhielt das ­Teleskop schliesslich eine Art Brille, um die Fehlsichtigkeit zu korrigieren.

Die vielseitigen Detektoren – fünf an der Zahl – sind ein wichtiger Teil von Hubbles Erfolg. Mit ihnen macht das Teleskop Aufnahmen vom infraroten Licht über das sichtbare Spektrum bis zum ­ultravioletten Licht. Entsprechend variantenreich sind die kosmischen Phänomene, die das Teleskop untersuchen kann. Da Hubble im Weltraum stationiert ist, werden seine Bilder nicht von der Erdatmosphäre getrübt.

Über eine Million Aufnahmen

Hubble offenbarte zum Beispiel, dass selbst die entferntesten Regionen des Universums mit Galaxien bevölkert sind und sich das Universum heute beschleunigt ausdehnt. Mehr als eine Million Aufnahmen astronomischer Objekte hat Hubble abgeliefert, und mehr als 12'800 wissenschaftliche Publikationen basieren auf Hubble-Resultaten.

Ein Team um Carollo publizierte etwa letzte Woche eine Arbeit in «Science». Die Astrophysiker untersuchten die Vorläufer von gigantische Galaxien, die in der aktuellen Epoche des Universums rund 50 Prozent aller Sterne beher­bergen. Seltsamerweise bilden diese Riesengalaxien heute keine neuen Sterne mehr – sie sind gewissermassen tot. «Wie diese Galaxien erloschen sind, ist eine fundamentale Frage der Astrophysik», erklärt Carollo. «Mithilfe von Hubble und dem VLT haben wir entdeckt, dass diese Galaxien zuerst im Zentrum keine neuen Sterne mehr bilden und sich der Tod dann nach aussen hin ausbreitet.» Mögliche Erklärung: Supermassive Schwarze Löcher im Zentrum dieser Galaxien fegen das Gas weg, aus dem ansonsten neue Sterne entstehen könnten.

Voraussichtlich bleibt Hubble bis 2020 in Betrieb. Zwar soll 2018 das ­James Webb Space Telescope (JWST) mit seinem 6,5 Meter grossen Hauptspiegel in den Orbit starten. Doch das JWST sieht nur im Infrarotbereich. «Insbesondere für Aufnahmen im blauen und ­ultravioletten Licht bleibt Hubble von enormer Bedeutung», sagt Carollo.

Buchtipp: «Owen Edwards, Zoltan Levay: Expanding Universe. Photographs from the Hubble Space Telescope.» Taschen-Verlag, 260 Seiten, 64.90 Franken.

Erstellt: 22.04.2015, 23:28 Uhr

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