Sommerferien auf dem Mars

Nächtliche Spaziergänge und Frühstück um 15 Uhr: Weil David Oh als Flugdirektor die Curiosity-Mission betreut, lebt seine Familie nach Mars-Zeit.

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Die fünf Mitglieder der Familie Oh haben ihren Tagesrhythmus dem roten Planeten angepasst. Vater David Oh betreut als Flugdirektor die Mission des Mars-Rovers Curiosity und musste seinen Arbeitsalltag im kalifornischen Labor der US-Raumfahrtbehörde Nasa von Berufs wegen auf die Mars-Zeit umstellen. Seine Frau Bryn und die Kinder Braden, Ashlyn und Devyn machten einfach mit.

«Wir sind etwas müde, man fühlt sich den ganzen Tag, als hätte man einen Jetlag, aber allen geht es gut», sagt Bryn Oh nach zwei Wochen des Experiments. Die Tage auf dem Mars dauern etwas länger als auf der Erde. Während sich unser Planet innerhalb von 24 Stunden einmal um die eigene Achse dreht, dauert dies beim Mars 39 Minuten und 35 Sekunden länger. Der Unterschied mag zunächst nicht sonderlich lang erscheinen, aber die Differenz zwischen Erd-Zeit und Mars-Zeit wächst von Tag zu Tag.

Täglich etwas später schlafen gehen

Wenige Tage vor der Landung des Curiosity am 5. August gingen die Kinder um 23.30 Uhr zu Bett und schliefen bis 10 Uhr – für die Sommerferien nichts Ungewöhnliches. Mit jedem Tag gingen sie dann aber etwas später schlafen und wachten dann erst am Nachmittag oder am Abend auf. In der vergangenen Woche beispielsweise gab es bei der Familie Oh um 15 Uhr Frühstück, um 20 Uhr Mittagessen, um 2.30 Uhr Abendessen und um 5 Uhr Nachtisch, bevor es ins Bett ging. An der Haustür warnte ein Schild: «Eingestellt auf Mars-Zeit: Flugdirektor schläft. Kommen Sie später wieder.»

Um das Haus tagsüber zu verdunkeln, beklebten die Ohs ihre Fensterscheiben mit Alufolie. Im Flur hilft ein handgemachter Kalender dabei, die Übersicht über die Tage zu behalten. Und im Schlafzimmer der Eltern ist eine Digitaluhr auf Mars-Zeit eingestellt.

«Du bist verrückt»

David Oh hat Kollegen und Freunden erzählt, dass seine Familie ihn auf die virtuelle Reise zum Mars begleitet. «Einige denken, dass es richtig toll ist, dass ich die Kinder dabei habe», sagt der Flugdirektor. «Einige, die schon auf anderen Mars-Missionen waren, sagen: ‹Du bist verrückt.›»

Das Leben als Nachteulen hat aber auch Vorteile. Braden, Ashlyn und Devyn haben ihre erste Sternschnuppe gesehen. Die Familie unternahm nächtliche Spaziergänge durch die Nachbarschaft. Sie gingen spät abends in Hollywood essen und besuchten eine Mitternachtsvorstellung im Kino. Der achtjährige Devyn übte nachts auf einem leeren Parkplatz das Fahrradfahren und wagte seine ersten Meter ohne Stützräder.

Die zehnjährige Ashlyn hat am meisten mit der Zeitumstellung zu kämpfen. «Es ist toll – aber es macht müde», sagt das Mädchen. Der 13-jährige Braden geniesst hingegen das lange Aufbleiben und das nächtliche Naschen von Frozen Yogurt. In einem Blog im Internet schreibt er über die Erfahrungen der Familie mit dem Experiment.

Kürzlich haben die Ohs einen Meilenstein auf ihrer imaginären Mars-Mission erreicht: Sie gingen erst bei Sonnenaufgang zu Bett und schliefen den ganzen Tag. Doch gerade wenn sich die Kinder an die Mars-Zeit gewöhnt haben, müssen sie ihre innere Uhr wieder auf Erd-Zeit umstellen: Ende des Monats geht nämlich die Schule wieder los. (kle/dapd)

Erstellt: 22.08.2012, 08:33 Uhr

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