Wie Ermittler eine Blackbox analysieren

Vom verschollenen malaysischen Flugzeug im Indischen Ozean fehlt nach wie vor jede Spur. Entscheidend ist nun, die Blackbox ausfindig zu machen. Welche Informationen und Daten der Flugschreiber liefern kann.

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Immer wieder hat es in den vergangenen Wochen neue Hoffnung gegeben, dass die Blackbox aus dem verschollenen malaysischen Flugzeug im Indischen Ozean entdeckt wird. Immer wieder wurde diese Hoffnung enttäuscht.

Falls die Suche doch erfolgreich sein sollte, kann die Blackbox Informationen liefern, mit deren Hilfe das Geheimnis um das Verschwinden der Maschine aufgeklärt werden könnte. Auch wenn die Blackbox noch für längere Zeit unter Wasser bleiben sollte, können die Daten Experten zufolge später wieder hergestellt werden.

Die Blackbox und die Daten

Im Folgenden einige Informationen über die Blackbox und darüber, was ihre Daten aussagen:

- Die Blackbox ist nicht schwarz, sondern orange. So ist sie besser zu sehen. Sie besteht aus einem rechteckigen Gehäuse, in dem die Elektronik untergebracht ist. In der Box sind der Flugschreiber und ein Stimmenrekorder. Das Speichermodul ist extra gehärtet, damit es auch einen Unfall unbeschadet übersteht. Verbunden mit ihm ist ein Sensor, der Signale aussendet, durch die die Blackbox geortet werden kann.

- Während die Batterie des Sensors nach rund einem Monat - also im Fall MH 370 in diesen Tagen - ihren Geist aufgibt, gibt es für die Daten selbst kein Verfallsdatum. Die Blackbox eines Air France-Flugzeugs, das 2009 in den Atlantik stürzte, wurde zwei Jahre später in einer Tiefe von mehr als 3000 Metern entdeckt. Die Techniker konnten die meisten Daten wiederherstellen.

- Eine Blackbox, die im Meer lag, wird von den Technikern zunächst in frisches Wasser gelegt, um das zersetzende Salz abzuwaschen. Falls Wasser in die Box durchgesickert sein sollte, muss sie vorsichtig stunden- oder sogar tagelang in einem Ofen mit Unterdruck getrocknet werden. Damit soll verhindert werden, dass der Speicherchip zerbricht. Die Elektronik und der Datenspeicher werden untersucht und - falls nötig - repariert. Die Chips werden ganz genau unter einem Mikroskop geprüft. Ihre Daten können aber sogar gerettet werden, wenn ein Chip zerbrochen ist: Dann werden die Daten einfach auf einen anderen Chip übertragen. Danach werden sie von den Chips auf einen Computer heruntergeladen.

Tonsammlung deutet Umgebungsgeräusche

- Der Flugschreiber zeichnet die Daten der letzten 25 Stunden eines Flugs auf, darunter sind dann auch Informationen früherer Flüge innerhalb dieser Zeitspanne. Das kann manchmal Hinweise über den Grund eines mechanischen Fehlers bei einem folgenden Flug geben. Auf dem Stimmenrekorder sind Tonaufnahmen mit einer Länge von zwei Stunden aufgezeichnet. Sie stammen vom Piloten und Co-Piloten. Darüber hinaus zeichnet ein weiteres Mikrofon die Geräusche im Cockpit auf.

- Die Daten vom Flugschreiber, ein enormer Strom eines binärer Codes, werden in eine anwendbare Form umgewandelt. Sie beinhalten Hunderte Parameter wie Höhe, Geschwindigkeit, Steigung und Triebwerkschub der Maschine. Eine erste Bewertung der Daten wird den Ermittlern innerhalb von 24 Stunden zur Verfügung gestellt. Allerdings dauern die Untersuchungen dann noch wochenlang.

- Eine erste Bewertung der Daten des Stimmenrekorders wird den Ermittlern telefonisch gegeben. Eine Gruppe von sechs bis acht Experten transkribiert die Aufnahmen dann sorgfältig. Auch das kann Wochen dauern. Aus privaten und rechtlichen Gründen müssen die Aufnahmen in der Prüfstelle bleiben. Allerdings dürfen Teile der Transkription veröffentlicht werden, wenn die Ermittlungen weit genug fortgeschritten sind und es Ergebnisse gibt.

- Die Techniker nutzen eine Tonsammlung, um die Umgebungsgeräusche auf den Aufnahmen besser deuten zu können. Vielleicht hatte sich eine Tür geöffnet oder hatten sich Sitze bewegt. Vielleicht gab es eine Explosion oder einen Schuss. Der Klang des Motors oder Getriebes kann den Technikern bei ihrer Analyse ebenfalls helfen.

Erstellt: 11.04.2014, 15:40 Uhr

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