Zwei Schweizer führen im härtesten Gasballonrennen der Welt

Die beiden Thurgauer Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger nehmen am Gordon-Bennett-Race teil, dem ältesten und härtesten Wettkampf der weltbesten Gasballonfahrer. Dabei sind sie sehr gut.

Imposante Gefährte: So sieht es beim Start des Gordon-Bennett-Race aus.

Imposante Gefährte: So sieht es beim Start des Gordon-Bennett-Race aus. Bild: AFP

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Es ist Dienstagmittag, und die beiden Schweizer Ballonfahrer sind soeben gelandet. «Wir stehen in einem umgepflügten Sonnenblumenfeld, circa 200 Kilometer östlich von Bukarest, hundert Meter vom Ufer des Schwarzen Meers entfernt», sagt Kurt Frieden am Handy, und er fügt lapidar hinzu: «Es ist einfach fantastisch.»

Der Jubel ist berechtigt, denn so weit ist zu diesem Zeitpunkt noch kein anderes Team gekommen. Die schärfsten Verfolger, darunter Teams aus Deutschland, England und den USA, hängen noch über der Adria und über Italien. Viele mussten aber schon vor Marseille aufgeben, weil sie in eine Nachtflugsperre hineingerieten.

Die weltbesten Gasballonfahrer

Willkommen beim Gordon-Bennett-Race, dem ältesten und härtesten Wettkampf der weltbesten Gasballonfahrer. Er wird heuer bereits zum 54. Mal ausgetragen, zwanzig Teams aus elf Ländern sind dabei, gestartet wird im englischen Bristol. Die Regel ist einfach: Nicht wer am schnellsten fliegt, gewinnt, sondern wer die weiteste Strecke zurücklegt. Die beiden Thurgauer Kurt Frieden (42) und Co-Pilot Pascal Witprächtiger (35, rechts im Bild) müssen also noch bangen. Schon letztes Jahr wähnten sie sich als Sieger – und landeten am Ende auf dem zweiten Platz.

Auch diesmal lief alles wie am Schnürchen. 59 Stunden waren die beiden ununterbrochen in der Luft. In dieser Zeit legten sie eine Distanz von 2435 Kilometern zurück, die Höchstgeschwindigkeit betrug 92 km/h, die maximale Flughöhe 5100 Meter, die tiefste Temperatur minus 13 Grad. Über das Satellitentelefon waren sie mit einem ständigen Begleiter in Kontakt – einem befreundeten Meteorologen in Zürich, der fortlaufend Daten zu Wetter, Wind und Luftströmungen übermittelte. Die moralische Unterstützung kam von Friedens Gattin, die mit der «Verfolger-Equipe» auf dem Landweg unterwegs nach Rumänien ist.

Gigantisches Gleiten am Firmament

Eigentlich möchte Frieden am Telefon aber nicht nur über technische Daten reden. Also erzählt er, der im bürgerlichen Leben technischer Leiter einer Firma ist, die Solaranlagen baut, vom «unbeschreiblichen Gefühl, wenn man so viele Stunden in der Luft ist». Wie «gigantisch» das Gleiten am Firmament sei, «während riesige Passagierflugzeuge um einen herumfliegen». Wie freudig sie in Dubrovnik auf kroatischem Boden vom Flugkontroller begrüsst worden seien. Und wie man nachts übers Leben zu sinnieren beginne.

Weil letztlich das Innenleben eines Ballonfahrers nur nachvollziehen kann, wer selber schon mal in einem 1,3 Meter breiten Weidekorb durch die Lüfte schwebte, erzählt Frieden noch von praktischen Dingen. Die Verpflegung der Ballonfahrer bestand aus Päckchensuppe, Fleischkäse und Salametti. Die Notdurft wurde in einen Kübel verrichtet und über dünn besiedeltem Gebiet abgeworfen. Und alternierend geschlafen wurde auf einer Matratze unter der Sitzbank. Wobei sich der Schläfer nicht einrollen muss, denn dank einer Klappe an der Seitenwand des Korbs kann man die Beine strecken. Diese baumeln also quasi zwischen Himmel und Erde, was das Gefühl von Freiheit in den Träumen zusätzlich stimulieren kann.

Ein Millionen-Preisgeld?

Ob die beiden Schweizer diesmal tatsächlich gewinnen, hängt davon ab, wie viel Ballast die Verfolger noch abwerfen können, wenn sie etwelche Gebirge überwinden müssen. Winkt dem Siegerteam ein Millionen-Preisgeld? Kurt Frieden lacht: «Es gibt bloss einen Wanderpokal. Das ist immerhin mehr als ein feuchter Händedruck. Die Exklusivität des Ballonfahrens ist ohnehin nicht bezahlbar.»

Erstellt: 29.09.2010, 10:03 Uhr

Zwei Thurgauer auf grosser Fahrt: Kurt Frieden (li.) und Pascal Witrächtiger.

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