Zwischenstation zum Mars

Nicht nur Kometen, auch Asteroiden faszinieren die Forscher. Ihre ­Erforschung polarisiert in der Welt der Wissenschaft.

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Forscher wollen auch ­Asteroiden besser erkunden. Sie suchen zudem ­Mittel, um einen anfliegenden ­Himmelskörper abzuwehren. Das Projekt steht in der Kritik.

Sie kommen nicht ganz so weit her und sind öfters in der Nähe der Erde anzutreffen. Aber sie sind genauso interessant für die Forschung wie Kometen: die Asteroiden. Beide Arten kleiner Himmelkörper gibt es in vielen Varianten, und bisweilen ist nicht ganz klar, zu welcher Sorte ein Objekt gehört. Asteroiden sind besser erforscht, da sie leichter erreichbar sind. Mehrmals sind Sonden an ihnen vorbeigeflogen, es wurden auch schon Geschosse auf sie abgeworfen, um die Kraterbildung zu beobachten.

Die japanische Sonde Hayabusa hat sogar schon von einem Asteroiden ein paar Körner Material auf die Erde geholt. Ende November soll Hayabusa-2 starten und einen japanischen Rover­ ­sowie ein deutsch-französisches Landemodul auf dem Asteroiden 1999 JU3 ­absetzen. Nach der Planung der japanischen Raumfahrtbehörde Jaxa soll Hayabusa-2 im Jahr 2018 auf dem Asteroiden eintreffen und Ende 2020 mit Bodenproben zur Erde zurückkehren.

Ebenfalls 2020 soll die amerikanische Sonde New Horizons neue Horizonte erreichen. Die Sonde, die seit 2006 unterwegs ist, wird 2015 den Zwergp­laneten Pluto und seine Monde besuchen. Danach soll sie zum Kuipergürtel weitergeschickt werden, einer Zone, in der sich viele Asteroiden bewegen, von denen immer wieder einige ins Sonnensystem eindringen. New Hori­zons soll einen oder mehrere Asteroiden an ihrem Ursprungsort erkunden.

In einen Sack packen

Ein besonders spektakuläres Projekt hegt die Nasa für die kommenden 20er-Jahre: Mit der Asteroid Redirect Mission (ARM) soll ein Asteroid im All eingefangen werden. Unbemannte Raumschiffe würden den Himmelskörper aufsuchen, entweder in eine Art Sack einpacken oder abschleppen und in die Nähe der Erde befördern. Dort, so stellen es sich die ARM-Experten vor, könnten dann von der Erde aus gestartete Astronauten den Fang in aller Ruhe untersuchen. ­Asteroiden könnten laut den Plänen der Nasa bei den geplanten bemannten Marsflügen als Zwischenstationen dienen. Zudem wird nach Mitteln gesucht, einen anfliegenden Asteroiden, der die Erde bedroht, abzuwehren – beliebte ­Katastrophenfilme wie «Armageddon» widmen sich dem Szenario. ARM soll die Grundlage für diese Arbeiten liefern.

Das Projekt ARM wird stark kritisiert. Richard P. Binzel vom Massachusetts ­Institute of Technology hat Ende Oktober in der Zeitschrift «Nature» der Nasa vorgeworfen, ARM würde Milliarden verschlingen, ohne auf dem Weg zum Mars eine Hilfe zu sein. Es sei ein Spektakel, das Astronauten beschäftige, aber von den wichtigen Vorbereitungen des Marsflugs ablenken würde. Seiner Meinung nach brauche es viel mehr Mittel, um die zahlreichen Asteroiden in Erdnähe zu beobachten, wobei man bedrohliche, aber auch für spätere Besuche geeignete finden könnte. Für das Ablenken gefährlich nahender grösserer Asteroiden sollten in einem Konkurrenzverfahren unbemannte Raumschiffe entwickelt werden. Schliesslich sollten Roboter geplant werden, die in fernerer Zukunft Wasser und Rohstoffe aus Asteroiden gewinnen könnten.

Asteroiden sind nicht selten, jedes Jahr kommen Tausende davon im Format eines Seecontainers der Erde näher als der Mond, schreibt Binzel. Manche fliegen sehr nahe vorbei, wie Asteroid 2014 RC, der im September in nur einem Zehntel der Distanz zum Mond an der Erde vorbeiraste und mit 20 Meter Durchmesser so gross war wie sein Artgenosse, der 2013 in der russischen Stadt Tscheljabinsk grössere Schäden anrichtete. Kleinere Objekte prasseln Tag für Tag auf die Erde nieder, harmlos und unauffällig. Walter Jäggi

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.11.2014, 18:54 Uhr

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