Nur nicht im Sturm stecken bleiben

Friederike hat in Deutschland den Fernverkehr lahmgelegt. Wie anfällig Bahnen auf Wetterphänomene sind.

Gefährliche Windböen: Sturmtief Friederike forderte in Deutschland mehrere Tote und sorgte für Chaos auf Schienen und Strassen. (Video: Tamedia/Storyful/AFP)

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Bei jedem Wetter pünktlich und sicher – das ist eines der Werbeargumente der Bahn. Doch es gibt Wetterphänomene, die auch ihr zu schaffen machen. Schnee, Eisregen oder Wind können, wenn sie zu heftig sind, den Betrieb lahmlegen. Es gibt dann einen Zeitpunkt, an dem auf das Argument Pünktlichkeit verzichtet werden muss, damit die Sicherheit möglichst gewährleistet ist. Die Seilbahnbetriebe haben reichlich Erfahrungen – nicht immer gute – mit widrigem Wetter. Sie sind es gewohnt, Wetterprognosen genau zu studieren und haben einen Plan für den Störungsfall.

Bei einem grossen Bahnnetz wie in Deutschland, Frankreich oder England geht es aber nicht nur um ein lokales Ereignis. Schnell sind Hunderttausende von Reisenden betroffen. Das Management wird schwierig, die Bahn trägt jedoch die Verantwortung für ihre Kundinnen und Kunden.

Das Szenario, das unbedingt vermieden werden muss, sind volle Züge, die irgendwo in der Landschaft stehen und nicht mehr weiterkommen, während die Nacht einbricht. Es muss nicht einmal ein wochenlanger Schneesturm sein wie im berühmten Krimi «Mord im Orient Express». Schon wenn ein Zug einmal wegen einer harmlosen Panne ein paar Minuten im Tunnel stehen bleibt, wird es manchen Fahrgästen mulmig.

Licht und Heizung, aber auch die Lautsprecheranlage lassen sich nur während einer bestimmten Zeit aufrechterhalten, wenn die Fahrleitung defekt ist. Fährt der Zug auf ein Hindernis auf, kann er entgleisen, im Zweifelsfall wird der Lokomotivführer auf Sicht fahren, notfalls im Schritttempo, Fahrplan hin oder her.

Wenn die Hochspannungsleitung ausfällt

Da an einen Normalbetrieb bei schweren Unwettern nicht zu denken ist, macht die Bahn eben das, was die Seilbahn öfters tut: Der Betrieb wird eingestellt, noch ehe die Passagiere Gefahr laufen, unterwegs stecken zu bleiben. Je nach Wetterlage sind grössere oder kleiner Regionen betroffen, da Eisenbahnstrecken wortwörtlich vernetzt sind, gehen die Auswirkungen aber weit über die direkt betroffenen Strecken hinaus.

Ein Ausfall einer Hochspannungsleitung etwa kann den Bahnbetrieb komplett lahmlegen, was in der Schweiz auch schon passiert ist. Die Stromversorgung der Haushalte ist hierzulande bei Sturm weniger gefährdet, da die Leitungen viel häufiger unterirdisch verlaufen als in anderen Ländern, etwa in den USA.

Als Vorbeugungsmassnahme gegen Sturmschäden eignet sich das Beseitigen von grossen Bäumen in der Nähe von Bahnlinien oder Autobahnen. Es ist allerdings kaum möglich, so breite Schneisen in die Wälder zu schlagen, dass garantiert auch der höchste Baumwipfel die Fahrbahn nicht erreichen kann. Auf Gebirgsstrecken kommt dazu, dass Bäume oder Felsen auch gefährlich sein können, wenn sie hoch über der Fahrbahn tronen. Es kommt immer wieder vor, dass scheinbar harmlose Hänge eben doch ein Risiko darstellen.

Erstellt: 18.01.2018, 18:59 Uhr

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Friederike legt Bahnbetrieb lahm

Sturmtief Friederike brachte den Bahn-Fernverkehr in Deutschland landesweit zum Erliegen. Auch in den Niederlanden brach der Bahnverkehr zeitweilig zusammen. Züge würden aus Sicherheitsgründen nicht mehr losfahren, sagte ein Bahnsprecher gegenüber Nachrichtenagenturen in Berlin. Züge, die noch unterwegs seien, sollten aber soweit möglich bis zum Zielbahnhof fahren. Der Stopp werde voraussichtlich den gesamten restlichen Tag andauern, meldete die Nachrichtenagentur AFP.

Es handle sich um eine Sicherheitsmassnahme, weil etwa umgestürzte Bäume oder andere Gegenstände auf den Gleisen liegen könnten. Auch in den Niederlanden war der Zugverkehr zuvor zeitweilig eingestellt worden.

Auf den Bahnverkehr in der Schweiz hatte die Einstellung des Fernverkehrs in Deutschland keine Auswirkungen, wie ein SBB-Sprecher bekanntgab. Einzig Zugfahrende, die nach Deutschland fahren wollten oder von Deutschland herkommend in die Schweiz reisten, waren betroffen. (sda)

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