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«Die Bohranlage drohte in die Luft zu gehen»

Im Gebiet des Geothermie-Projekts in St. Gallen waren laut den Verantwortlichen «Menschenleben in Gefahr». Deshalb pressten sie die Wassermassen ins Bohrloch – trotz Vorbeben.

Das Projekt wurde nach dem Erdbeben unterbrochen: Geothermieanlage im Sittertobel in St. Gallen. (24. Juli 2013)
Das Projekt wurde nach dem Erdbeben unterbrochen: Geothermieanlage im Sittertobel in St. Gallen. (24. Juli 2013)
Ennio Leanza, Keystone
Die Arbeiten am Tag danach: Das Gas im Bohrloch wurde kontrolliert abgefackelt ... (21. Juli 2013)
Die Arbeiten am Tag danach: Das Gas im Bohrloch wurde kontrolliert abgefackelt ... (21. Juli 2013)
Stadt St. Gallen
Die Steuerung im Bohrturm.
Die Steuerung im Bohrturm.
Gian Ehrenzeller, Keystone
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Die Situation am Bohrloch des Geothermie-Projekts in St. Gallen war gemäss neusten Erkenntnissen äusserst dramatisch: «Die Bohranlage drohte in die Luft zu gehen», bestätigt Ivo Schillig, Chef der St. Galler Stadtwerke, gegenüber der «SonntagsZeitung».

Auf der Bohranlage waren laut Schillig «Menschenleben in Gefahr», weshalb die Verantwortlichen Wasser ins Bohrloch einpressten. Dies, obwohl es schon am Freitag zu einem ersten Beben gekommen war. «Hier hätte man laut Studie aufhören müssen, Wasser einzupressen», sagt der Chef des Schweizer Erdbebendienstes, Stefan Wiemer. Wegen des Gasaustritts sei dies aber nicht möglich gewesen.

Statt abzubrechen, sah man sich gezwungen, insgesamt 650 Kubikmeter Wasser und schwere Bohrspülung ins Loch zu pressen, was gestern früh das zweite Beben der Stärke 3,6 auslöste – einiges stärker noch als die Erdstösse in Basel. Dort bedeutete 2009 ein Beben von 3,4 das Aus fürs Geothermie-Projekt.

Politiker wollen Fördergelder streichen

Ein Szenario, das nun auch für St.Gallen im Raum steht. So fordert der grüne Nationalrat Bastien Girod ein Umdenken: «Das Bundesamt für Energie muss entscheiden, dass es die 130 Millionen Franken geplante Fördergelder für die Geothermie nun in grosse Projekte in der Wasser-, Wind- und Solarenergie steckt», sagt der grüne Vizepräsident zur «Ostschweiz am Sonntag». Gleicher Meinung ist der freisinnige Nationalrat Christian Wasserfallen: «Die Forschung in der Geothermie zwecks Stromerzeugung steckt heute noch in den Kinderschuhen. Unter diesen Voraussetzungen ist es unsinnig, dass wir hohe Geldbeträge in konkrete Projekte stecken.»

Der zuständige Stadtrat Fredy Brunner spricht in Bezug auf die Lage in St. Gallen von einem «Super-GAU». Ob das Geothermie-Projekt abgebrochen wird, wollen die Verantwortlichen nach mehrere Tage dauernden Analysearbeiten entscheiden.

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