«Die Chinesen haben Grosses geleistet»

Ein Interview zur Mondlandung mit ESA-Generaldirektor Jan Wörner.

Jan Wörner, Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA. (Bild: ESA)

Jan Wörner, Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA. (Bild: ESA)

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Ist die aktuelle Landung auf dem Mond eine Sensation? Es ist generell schwierig, auf einem anderen Himmelskörper zu landen. Denn dies läuft automatisch ab und kann nicht von der Erde aus mit einem Joystick gesteuert werden. Auf der Rückseite des Mondes ist es nochmals komplizierter, da es im Gegensatz zur Vorderseite keine direkte Funkverbindung mehr gibt und die Kommunikation über eine Relaisstation auf einem Satelliten erfolgen muss. Mit einem Rover dort zu sein, ist etwas Neues. Für die Zukunft ist die Rückseite auch interessant, weil man ungestört von irdischer Strahlung tiefer ins All blicken kann. Die Chinesen haben also Grosses geleistet. Respekt. Anerkennung. Gratulation.

Warum wird der Mond nun wieder neu entdeckt? Der Mond ist relativ nah. In ein paar Tagen ist man dort. Er birgt aber auch noch viele wissenschaftliche Geheimnisse und ist für uns so etwas wie ein Archiv, weil er vermutlich durch die Kollision eines Himmelskörpers mit der Erde entstanden ist. Da an seinen Polen Wasser gefunden wurde, ist er zudem ein technologisches Sprungbrett für zukünftige Marsmissionen. So lässt sich aus Wasser Wasserstoff und Sauerstoff gewinnen, nutzbar als Treibstoff etwa für einen Rückflug zur Erde. Denn auf dem Mond sollen die Ressourcen direkt vor Ort genutzt werden. Zum Beispiel auch das Material Regolith für Schutzbauten gegen kosmische Strahlung oder für Radioteleskope. Denn wir müssen nachhaltiger werden und können in Zukunft nicht mehr alles mitnehmen.

Gibt es erneut einen Wettlauf? Die Zeiten des «Race to Space» sind vorbei. Mit den Chinesen haben wir zwar nicht an der jetzigen «Chang’e»-Mission gearbeitet, aber an denen davor und danach. Mit den Amerikanern bauen wir die SLS-Rakete und ein Lunar-Gateway, von dem aus Menschen oder Roboter den Mond erkunden können. Und mit den Russen entwickeln wir das Landegerät «Lunar-Lander».

Also kein nationales Prestigedenken mehr? Es stellt nicht mehr jeder wie früher seine Flagge auf. Die Chinesen haben uns über ihr Vorhaben immer informiert. Es gab keine Geheimnistuerei. Vielleicht kann die Raumfahrt auch Vorbild für das Zusammenleben auf der Erde sein. Denn im All haben wir etwas erreicht, was wir bei uns noch nicht geschafft haben.

Erstellt: 03.01.2019, 22:28 Uhr

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