Die Ironie von Solar Impulse 2

Das Solarflugzeug ist erfolgreich zur Weltumrundung gestartet. Die Symbolik des Schweizer Abenteuers hat nach dem Abstimmungswochenende eine besondere Note erhalten.

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Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa hätte es nicht besser gemacht. Es war eine Dramaturgie wie vor einem Shuttle-Start - weltweit per Internet für ein Millionenpublikum live übertragen: Solar Impulse auf der Startbahn in Abu Dhabi, Einspielung des Cockpits mit dem Piloten André Borschberg, dann die Ingenieure im Kontrollzentrum in Monaco. Die letzten Checks werden gemacht, schliesslich lockert der Small Talk von Fürst Albert von Monaco mit Borschberg die etwas angespannte Stimmung auf. Fünf Minuten später gibt das Kontrollzentrum den Start frei. Solar Impulse II steigt um 7.12 Uhr Lokalzeit in Abu Dhabi in den dunstigen Morgenhimmel. Das Abenteuer – die erste Erdumrundung mit einem viermotorigen Flugzeug, das mit solarem Treibstoff fliegt – hat begonnen.

Das Unternehmen Solar Impulse verkauft Symbole. Bertrand Piccard und André Borschberg fliegen aus Lust auf Abenteuer die nächsten fünf Monate um die Welt, gleichzeitig sind sie auch Werbeträger für eine Welt ohne fossile Energie. Zufällig erhält die Startinszenierung eine ironische Note: Die zwei Schweizer brechen just einen Tag nach dem historischen Abstimmungs-Nein der Schweizer Bevölkerung für eine Energiesteuer auf. Das kommt für die bürgerlichen Parteien einer Absage der Energiewende des Bundesrats gleich.

Auftritt an Klimakonferenz

Normalerweise werden solche Abstimmungsresultate im Ausland kaum zur Kenntnis genommen. Doch nun fliegen zwei Schweizer mit einem Solarflieger um die Welt, mit der Botschaft: «Die Zukunft ist sauber.» Sie präsentieren intelligente umweltfreundliche Technik, deren Entwicklung eine der Stärken der Schweizer Wirtschaft ist. Sie lancieren die Initiative «Future is clean» (www.futureisclean.org), weil sie überzeugt sind, dass die Energiewende hin zu effizienter, sauberer Energie nicht nur dem Klimaschutz hilft, sondern auch Hunderttausende neue Jobs kreiert.

Millionen Menschen sollen mithilfe der Kampagne motiviert werden, sich für diese nachhaltige Welt zu be­kennen. Die gesammelten Stimmen wollen Piccard und Borschberg im kommenden Dezember an der nächsten Weltklimakonferenz in Paris offiziell den Staaten der Klimarahmenkonvention präsentieren. Und Piccard wird dies wie üblich nicht ohne grossen Auftritt tun.

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Die Symbolik der Petition erhält in Paris zusätzliche Kraft – nicht nur für die Welt, sondern auch für die Schweiz. Unterstützung erhalten die Initianten offiziell von der Schweizer Umwelt- und Energieministerin Bundesrätin Doris Leuthard.

Vor diesem Hintergrund müssen sich Piccard und Borschberg darauf gefasst machen, dass auch Fragen gestellt werden: Zum Beispiel, warum sich die Schweiz politisch noch schwertut, die Förderung neuer erneuerbarer Energien wie Sonnen- und Windkraft zu beschleunigen, obwohl die Nachfrage nach Solaranlagen in den letzten Jahren gestiegen und der Preis dafür gesunken ist. Warum die Verteuerung der Energie in verschiedenen Wirtschaftskreisen nicht opportun ist. Warum eine Lenkungs­abgabe auf Treibstoff keine politischen Mehrheiten findet.

Werden diese Fragen in den nächsten Monaten während der Weltumrundung nicht nur in der Politik und in der Wirtschaft, sondern auch in der Öffentlichkeit und in den Schulen diskutiert, so haben die beiden Abenteurer schon viel erreicht.

Erstellt: 09.03.2015, 23:59 Uhr

Verspätung bei Flugplan

André Borschberg musste Scherwinden ausweichen

Verspätungen gehören offensichtlich zum Abenteuer Solar Impulse. Nach tagelangen Startverzögerungen wegen ­ungünstiger Windverhältnisse ist der Flieger Solar Impulse 2 gestern mit einer Verspätung von 42 Minuten auf den Marschplan um 7.12 Uhr in Abu Dhabi gestartet. Der Grund war diesmal nicht die Witterung, sondern ein Fehler in der Stromversorgung im Cockpit. Wäre die Störung während des Flugs aufgetreten, hätte der Pilot André Borschberg kalte Füsse bekommen. Denn seine Schuhe werden elektrisch gewärmt, weil der Flieger im unbeheizten Cockpit bis auf eine Höhe von 8500 Metern aufsteigt.

Scherwinde über dem Golf von Oman haben den Flug zudem verlängert. Der frühere Militärpilot Borschberg musste in Schlaufen in ruhigere Zonen aufsteigen. So landete die Solar Impulse 2 etwa eine Stunde später als erwartet im Sultanat Oman. Um 20.14 Lokalzeit schwebte der Motorflieger nach 13 Stunden und 2 Minuten Flugzeit in der Dunkelheit langsam auf die Landepiste in Muscat. Morgen wird Bertrand Piccard das Steuer übernehmen und weiter nach Ahmadebad (Indien) fliegen. Die Distanz beträgt 1465 Kilometer, die berechnete Flugzeit 20 Stunden.

Die Solar Impulse wird in den nächsten fünf Monaten an 25 Flugtagen 35'000 Kilometer zurücklegen. Die grösste Herausforderung wird die Überquerung des Pazifischen und Atlantischen Ozeans sein, an je fünf aufeinanderfolgenden Tagen und Nächten.

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