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Die Wettersatelliten bleiben auf der Erde

Schwierige Zeiten für die Wetter- und Umweltbeobachtung aus dem Weltraum: Ein Satellit ging verloren, und mehrere warten auf den Start. Zudem steht ein ganzes Satellitensystem finanziell auf der Kippe.

Auf der Wartebank: Der Satellit Metop-B wird in Baikonur auf den Einsatz vorbereitet.
Auf der Wartebank: Der Satellit Metop-B wird in Baikonur auf den Einsatz vorbereitet.
PD / ESA
Der Metop-B wird nach einmonatigen Tests aus dem Weltraumsimulator gehoben.
Der Metop-B wird nach einmonatigen Tests aus dem Weltraumsimulator gehoben.
PD / ESA
Ein Satellit im All.
Ein Satellit im All.
PD / ESA
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Wer wissen will, wie das Wetter wird, muss erst einmal feststellen, wie das Wetter jetzt gerade ist, und zwar möglichst exakt und in Echtzeit. Beobachtungssatelliten sind dafür nicht das einzige, aber das beste Mittel. Sie erfassen mit ihren Messinstrumenten grosse ­Gebiete, auch über den Meeren oder in den Polarregionen, den eigentlichen Wetterküchen der Welt. Die Daten können automatisch ausgewertet werden und verschaffen den Meteorologen ­nahezu ein Livebild der Wetterlage rund um den Globus.

Obschon ihre Nützlichkeit kaum ­bestritten wird, erleben die Wetter- und Umweltbeobachtungssatelliten momentan schwere Zeiten. Wetterdienste und Klimaforscher bekommen heute zu spüren, dass die Staaten in Geldnot sind und deshalb egoistischer rechnen. So ist der Ausbau der Satellitensysteme aus ­finanziellen, aber auch aus technischen Gründen ins Stocken geraten. Die Pechsträhne begann im April dieses Jahres, als der riesige europäische Satellit Envisat ausfiel und nach erfolglosen Kontaktversuchen durch die europäische Raumfahrtorganisation ESA schliesslich aufgegeben werden musste.

Ohne Geld kein Start

Envisat hatte während zehn Jahren zwar nicht für die Wettervorhersage, aber für die Klimaforschung wichtige Messungen vorgenommen. Die dabei angelegten Messreihen sind nun abgebrochen, was für die Klimaforscher ein Verlust ist, da sie sich stark auf vergleichbare Daten möglichst langer Zeitabschnitte stützen. «Nur ein Teil dieser Daten kann dank der Kooperation mit anderen Raumfahrtorganisationen aufgefangen werden», bedauert Marco Gaia, der als Direktor der Regional­zentrale Süd von Meteo?Schweiz in ­Locarno für die Auswertung von Satellitendaten verantwortlich ist. Er fügt bei: «Leider wird der erste europäische Nachfolgesatellit, Sentinel-1, frühestens 2013 starten.»

Ob die verschiedenen Satelliten der Sentinel-Reihe pünktlich im All sein werden, ist aber derzeit unsicher. Die Europäische Union hat zwar die Entwicklung dieser neuen Beobachtungssatelliten mitfinanziert, will aber an den Betrieb ab 2014 nichts mehr zahlen. ESA-Chef Jean-Jacques Dordain liess daraufhin die EU wissen: Wenn der Betrieb nicht gesichert sei, werde die ESA die Sentinel-­Satelliten gar nicht erst starten. Seither wird in den Kulissen der europäischen Politik darum gerungen, wie die nötigen fast 6 Milliarden Euro beschafft werden könnten. Möglicherweise werden sich die Staaten verpflichten, einen Extrakredit ausserhalb des EU-Budgets zu ­bewilligen.

Der Nachrichtensatellit muss nachgebessert werden

An dem Erdbeobachtungssystem, zu dem die geplanten Sentinels gehören, sind die Staaten nämlich sehr interessiert. Ausser meteorologischen und ­klimatologischen Daten sollen die Satelliten auch Informationen in Krisen­situationen liefern. Dass bei den jüngsten Erdbeben in Italien kein Satellit ­exakte und grossräumige Daten über die Bodenbewegungen erfasste, wurde von Krisenstäben und Forschern stark bedauert.

Nicht nach Programm läuft es gegenwärtig auch bei den Meteosat-Satelliten. Diese dienen nicht primär der ­Klimaforschung, sondern vor allem dem Wetterdienst. Ein Satellit dieses Systems, MSG-3, sollte eigentlich bereits im Weltall sein, wartet aber im Weltraumbahnhof von Kourou nach wie vor auf den Start. Verursacher der Verzögerung ist der Nachrichtensatellit Echo-Star XVII, der mit dem Meteosat zusammen die gleiche Ariane-5-Rakete benützen soll, aber erst noch nach­gebessert werden muss.

Satelliten auf der Wartebank

Das Warten auf MSG-3 ist vorderhand nicht dramatisch für die Meteorologen, denn seine Vorgänger, MSG-1 und MSG-2 sind noch in Betrieb. Doch wie das ­Beispiel Envisat zeigt, kann ein alternder Satellit unvermittelt ausfallen. MSG-3 gehört dabei zur gleichen Generation wie seine beiden Vorgänger. Eine Qualitätsverbesserung der Daten bringt er deshalb noch nicht. Dies wird erst eine ganz neue Generation ermöglichen, die allerdings erst in einigen Jahren zu erwarten ist.

Ebenfalls auf der Wartebank sitzt ­Metop-B, ein Satellit, der Daten über den Polarregionen sammeln soll. Im Gegensatz zu den Meteosat-Satelliten, die von einer fixen Position aus die ­Erdoberfläche beobachten, gehört ­Metop zu den umlaufenden Satelliten, deren Bahn über die beiden Pole führt. Für die Meteorologen sind sie wichtig, weil die vorhandenen Meteosat-Satelliten, die über dem Äquator stehen, die Polar­regionen nur schlecht erfassen können.

Das Problem von Metop-B liegt beim Startgelände in Baikonur in Kasachstan. Starsem, das Unternehmen, das dort die Sojus-Raketen startet, konnte noch nicht sicherstellen, dass für die Teile der Träger­rakete, die abgeworfen werden, sichere Zonen frei gehalten werden können. ­Solange Metop-A noch funktioniere, habe das Fehlen von Metop-B keine schwerwiegenden Folgen, sagt Marco Gaia, aber mit sechs Betriebsjahren werde Metop-A nun alt.

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