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Eine Anti-Aids-Pille, die präventiv schützt

Seit 30 Jahren suchen Forscher nach einer Lösung im Kampf gegen Aids. Nun haben Experten der US-Arzneiaufsicht erstmals die Zulassung eines Medikaments empfohlen, das vor der HIV-Infizierung schützen soll.

Jährlich infizieren sich 50'000 neu mit dem HI-Virus: Die Anti-Aids-Pille Truvada, die diese Zahl mindern soll.
Jährlich infizieren sich 50'000 neu mit dem HI-Virus: Die Anti-Aids-Pille Truvada, die diese Zahl mindern soll.
AFP

Elf Stunden lang haben die Mitglieder eines Expertenausschusses in den USA gestern über das HI-Virus diskutiert. Am Ende war sich die Mehrheit der 22 unabhängigen Spezialisten einig: Die Anti-Aids-Pille Truvada vom Pharmaunternehmen Gilead Sciences soll auch als Infektionsschutz für noch nicht infizierte Personen freigegeben werden.

Dies empfiehlt das Expertenteam der US-Arznei- und Lebensmittelaufsicht (FDA) in einem Schreiben. Dass die FDA dieser Empfehlung Folge leistet, ist wahrscheinlich. Denn in der Regel hält sich die Behörde an die Vorschläge der Kommission, auch wenn diese nicht bindend sind.

Ein Meilenstein im Kampf gegen HIV

Truvada ist zum Beispiel in der Schweiz bereits für die Behandlung von HIV-Infizierten zugelassen. Präventiv zum Einsatz kommen soll das Medikament laut der «Washington Post» vor allem in drei Fällen: Bei Männern, die mit Männern Geschlechtsverkehr haben, bei HIV-negativen Partnern von HIV-positiven Menschen und bei anderen Personen, die durch sexuelle Handlungen eine HIV-Ansteckung fürchten müssen.

Anerkennt die FDA das Medikament, könnte dies einen Meilenstein im 30-jährigen Kampf gegen das Virus bedeuten. «Ich bin überzeugt, dass sich durch das Medikament alles zum Guten wenden könnte», erklärte Anwalt und Mitglied des Expertenausschusses, Matthew W. Sharp, in der Zeitung.

Ansteckungen bis um 75 Prozent gesenkt

Dokumente, die der FDA vorgelegt wurden, belegen die Meinung von Sharp. So zeigt eine klinische Studie, dass Truvada das Infektionsrisiko bei heterosexuellen Paaren, von denen einer seropositiv war, um bis zu 75 Prozent verringerte. Wie Vertreter von Gilead gegenüber der «Washington Post» erklärten, wäre dieser Prozentsatz noch höher, hätten alle Probanden die Tabletten wie vorgeschrieben täglich eingenommen. Bluttests hätten ergeben, dass dies viele trotz regelmässiger Kontrolle nicht getan hätten.

Genau hier sehen Gegner des Medikaments das Problem. «Truvada muss jeden Tag zum exakt gleichen Zeitpunkt eingenommen werden», sagte die Krankenschwester Karen Haughey gegenüber der britischen Fernsehstation BBC. Ihre langjährige Erfahrung im Umgang mit Patienten habe ihr gezeigt, dass dies nur selten der Fall sei.

Vorschriften könnten zu wenig ernst genommen werden

Skeptiker argumentierten in der mehrstündigen Sitzung der Kommission vor allem mit der Sicherheit der Patienten. Männer könnten das Medikament als Grund sehen, keine Kondome mehr benutzen zu müssen. Zudem könnten gesunde Menschen die Einnahme des Medikaments mit all seinen Vorschriften zu wenig ernst nehmen.

«Ich hege beträchtliche Zweifel, was die Sicherheit anbelangt», sagt Lauren V. Wood vom Nationalen Krebsinstitut gegenüber der US-Zeitung. Dies vor allem aufgrund von zwei Punkten. Laut dem Komiteemitglied schadet Truvada den Nieren. Zudem seien keine Frauen an der klinischen Studie beteiligt gewesen. In Anbetracht dessen, dass in Afrika viele Frauen durch eine HIV-Infektion gefährdet seien, sei dies unakzeptabel.

In den USA infizieren sich jährlich 50'000 Menschen neu mit dem HI-Virus. Weltweit sind es laut dem Aids-Programm der UNO in der gleichen Zeitspanne 2,7 Millionen. Ob die FDA das Medikament für den Markt freigegeben wird, entscheidet sich am 15. Juni.

Angereichert mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

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