Eine Uhr für Albert Einstein

Die weltberühmte Berner Uhr am Zytgloggeturm wird saniert.

Er hat an der Uhr gedreht: Ein Spezialist bei der Sanierung des Berner Wahrzeichens. Foto: Anthony Anex (Keystone)

Er hat an der Uhr gedreht: Ein Spezialist bei der Sanierung des Berner Wahrzeichens. Foto: Anthony Anex (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie ist über 600 Jahre alt, 613, um genau zu sein, und wer von der Zytglogge schreibt, der weltberühmten Turmuhr in der Berner Altstadt, sollte möglichst genau sein, denn das ist sie auch.

Am Montag wurde das Figurenspiel der Uhr abmontiert, denn sie muss umfassend saniert werden. Das dauert bis Anfang Juni und kostet fast 300'000 Franken – kein hoher Preis für eine Sehenswürdigkeit, deren Einfluss so gross ist wie das Weltall. Das lässt sich zwar nicht beweisen. Aber auch nicht ausschliessen. Denn an der Kramgasse 49, also ganz in der Nähe, wohnte Albert Einstein mit seiner Frau Mileva, einer Mathematikerin, die er während des Studiums an der ETH kennen gelernt hatte.

Zeit und Raum sind relative Grössen

Und da er die Studie zu seiner Relativitätstheorie in seiner Wohnung verfasste, wäre es nicht undenkbar, dass die Berner Uhr ihn zur Erkenntnis inspirierte, wonach Zeit und Raum relative Grössen sind. Die Uhren jener Zeit waren erst wenige Jahre zuvor landesweit synchronisiert worden, und dieser Vorgang, vermutet der Wissenschaftshistoriker Peter Galison, könnte Albert Einstein auf seine kühnen Gedanken gebracht haben.

Vielleicht war es die Arbeit beim Patentamt, die ihn im Denken schulte. Sein Vorgesetzter hatte ihm eingeschärft, er müsse bei jeder Erfindung davon ausgehen, dass sich ihr Erfinder täusche. Einstein praktizierte also von Berufs wegen die Falsifizierung einer Hypothese; das ist klassische angewandte Wissenschaftstheorie.

Wahrscheinlich haben weder die Uhr noch das Amt Albert Einstein auf seine Theorie gebracht, sondern eine Kombination von Charakterzügen, die man nicht spontan mit Bern verbindet: Misstrauen gegen jegliche Autorität; Unkonventionalität im Denken; ein hoch entwickelter Individualismus – und die Bereitschaft, mit der Tradition zu brechen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2018, 18:18 Uhr

Artikel zum Thema

Schweizer Astronom schlägt revolutionäre Theorie vor

Seit Jahrzehnten rätseln Forscher, wie Dunkle Materie und Dunkle Energie beschaffen sind. Der Genfer Astronom André Maeder sieht eine radikale Lösung: Sie existieren gar nicht. Mehr...

Wie Einstein zum Zürcher wurde

Fünf skurrile Trouvaillen der Zürcher Alltagsgeschichte, die ein Projekt des Staatsarchivs zutage bringt. Mehr...

Kommentare

Blogs

Nachspielzeit Brustmuskeln statt Hirnmuskeln
Never Mind the Markets Was ist jetzt los am Arbeitsmarkt?
Sweet Home Wunderbare Wandregale

Die Welt in Bildern

Fierce: Ein Teilnehmer bei der New York City Pride Parade. (24. Juni 2018)
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...