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«Es gibt Fluglinien, die jeden Tag über Afghanistan fliegen»

Die Auswahl der richtigen Flugroute ist ein Abwägen zwischen Wirtschaftlichkeit und Sicherheit. Der Abschuss der Passagiermaschine der Malaysia Airlines über der Ostukraine könnte zum Umdenken führen.

Die Ukraine wird umflogen: Ein Ausschnitt aus der Webseite Flightradar24.com, auf der aktuelle Flugzeugbewegungen nachverfolgt werden können.
Die Ukraine wird umflogen: Ein Ausschnitt aus der Webseite Flightradar24.com, auf der aktuelle Flugzeugbewegungen nachverfolgt werden können.

Wieso flog die über der Ostukraine abgeschossene Passagiermaschine der Malaysia Airlines über das seit Monaten immer härter umkämpfte Krisengebiet? Diese Frage stellen sich Experten seit Bekanntwerden des Unglücks. «Ich finde es bemerkenswert, dass eine zivile Airline ihren Flug über ein solches Gebiet plant», sagt Robert Francis, ehemaliger stellvertretender Vorsitzender der US-Behörde für Transportsicherheit.

Er soll wissen, wer geschossen hat: 33 Angehörige von MH17-Opfern fordern von Russland und Wladimir Putin über 6 Millionen Euro Schmerzensgeld. Sie reichten 2016 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage ein.
Er soll wissen, wer geschossen hat: 33 Angehörige von MH17-Opfern fordern von Russland und Wladimir Putin über 6 Millionen Euro Schmerzensgeld. Sie reichten 2016 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage ein.
Aleksey Babushkin, Keystone
Von der russischen Armee: Eine Buk-Flugabwehrrakete des Typs M1 9M38 soll laut dem Hersteller Almaz-Antey den Absturz von MH17 verursacht haben. (17.8.2011)
Von der russischen Armee: Eine Buk-Flugabwehrrakete des Typs M1 9M38 soll laut dem Hersteller Almaz-Antey den Absturz von MH17 verursacht haben. (17.8.2011)
Yuri Kochetkov, Keystone
Alle 298 Menschen an Bord kamen ums Leben: Absturzort von Flug MH 17 in der Ukraine. (9. September 2014)
Alle 298 Menschen an Bord kamen ums Leben: Absturzort von Flug MH 17 in der Ukraine. (9. September 2014)
Alexander Khudoteply, AFP
Zurück kamen die Särge mit den sterblichen Überresten der Opfer von MH 17: Ehrenzeremonie am Flughafen von Kuala Lumpur. (21. August 2014)
Zurück kamen die Särge mit den sterblichen Überresten der Opfer von MH 17: Ehrenzeremonie am Flughafen von Kuala Lumpur. (21. August 2014)
Keystone
Die Unruhen zwischen Separatisten und Armee störten die Arbeit der internationalen Delegation: Ein ukrainischer Soldat schläft bei einem Checkpoint in der Nähe der Stadt Luhansk. (1. August 2014)
Die Unruhen zwischen Separatisten und Armee störten die Arbeit der internationalen Delegation: Ein ukrainischer Soldat schläft bei einem Checkpoint in der Nähe der Stadt Luhansk. (1. August 2014)
Genya Savilov, AFP
Die Umgebung ist von den Kämpfen gezeichnet: Ein ukrainischer Panzer überquert eine zerstörte Brücke in der Nähe der Stadt Donezk. (1. August 2014)
Die Umgebung ist von den Kämpfen gezeichnet: Ein ukrainischer Panzer überquert eine zerstörte Brücke in der Nähe der Stadt Donezk. (1. August 2014)
Genya Savilov, AFP
Mussten zuerst wieder umkehren: Konvoi der OSZE-Ermittler nahe Donezk. (28. Juli 2014)
Mussten zuerst wieder umkehren: Konvoi der OSZE-Ermittler nahe Donezk. (28. Juli 2014)
Ex-Press
Die Opfer werden geborgen: Alexander Hug, stellvertretender Leiter der Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), in der Ukraine.
Die Opfer werden geborgen: Alexander Hug, stellvertretender Leiter der Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), in der Ukraine.
Keystone
Verloren auf Flug MH 17 ihre 25-jährige Tochter: Jerzy Dyczynski und Angela Rudhart-Dyczynski besuchen den Absturzort. (26. Juli 2014)
Verloren auf Flug MH 17 ihre 25-jährige Tochter: Jerzy Dyczynski und Angela Rudhart-Dyczynski besuchen den Absturzort. (26. Juli 2014)
AP Photo/Nicholas Garriga
Ukrainische Katastrophenhelfer durchsuchen das Gebiet weiter nach Trümmern und Leichenteilen. (26. Juli 2014)
Ukrainische Katastrophenhelfer durchsuchen das Gebiet weiter nach Trümmern und Leichenteilen. (26. Juli 2014)
AFP
Prorussische Aufständische bei der Absturzstelle eines der abgeschossenen ukrainischen Suchoi-25-Jets. (Screenshot aus einem Video der Pressestelle der Volksrepublik Donezk, 23. Juli 2013)
Prorussische Aufständische bei der Absturzstelle eines der abgeschossenen ukrainischen Suchoi-25-Jets. (Screenshot aus einem Video der Pressestelle der Volksrepublik Donezk, 23. Juli 2013)
icorpus.ru, Keystone
Christen, Muslime, Buddhisten und Juden sprachen Gebete: Familienangehörige und Freunde von Absturzopfern bei der Trauerfeier in der St Paul's Cathedral in Melbourne. (24. Juli 2014)
Christen, Muslime, Buddhisten und Juden sprachen Gebete: Familienangehörige und Freunde von Absturzopfern bei der Trauerfeier in der St Paul's Cathedral in Melbourne. (24. Juli 2014)
Mal Fairclough, AFP
Im schwarzen Bereich sind die meisten Flugzeugteile auf die Erde gefallen: Die Absturzstelle, vom Satelliten fotografiert. (22. Juli 2014)
Im schwarzen Bereich sind die meisten Flugzeugteile auf die Erde gefallen: Die Absturzstelle, vom Satelliten fotografiert. (22. Juli 2014)
DigitalGlobe/Google
Die Kühlwaggons, in denen sich die Leichen befinden, wurden mit Schaum versiegelt: Der Zug steht inzwischen in der Stadt Charkiw, die von der ukrainischen Regierung kontrolliert wird. (22. Juli 2014)
Die Kühlwaggons, in denen sich die Leichen befinden, wurden mit Schaum versiegelt: Der Zug steht inzwischen in der Stadt Charkiw, die von der ukrainischen Regierung kontrolliert wird. (22. Juli 2014)
Keystone
Ein prorussischer Kämpfer legt eine Blackbox von Flug MH 17 auf den Tisch während der inszenierten Übergabe an Behördenvertreter Malaysias. Im blauen Jackett Alexander Borodai, der selbst ernannte Regierungschef der Volksrepublik Donezk. (22. Juli 2014)
Ein prorussischer Kämpfer legt eine Blackbox von Flug MH 17 auf den Tisch während der inszenierten Übergabe an Behördenvertreter Malaysias. Im blauen Jackett Alexander Borodai, der selbst ernannte Regierungschef der Volksrepublik Donezk. (22. Juli 2014)
Dmitry Lovetsky, Keystone
Gegenmittel: Ein Mitglied der OSZE-Mission versucht, mit einer Chemikalie den Verwesungsgeruch zu neutralisieren. (21. Juli 2014)
Gegenmittel: Ein Mitglied der OSZE-Mission versucht, mit einer Chemikalie den Verwesungsgeruch zu neutralisieren. (21. Juli 2014)
AP Photo/Vadim Ghirda, Keystone
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und der niederländische Botschafter in der Ukraine Kees Klompenhouwer (links) beim Niederlegen von Blumen bei der niederländischen Botschaft in Kiew. (21. Juli 2014)
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und der niederländische Botschafter in der Ukraine Kees Klompenhouwer (links) beim Niederlegen von Blumen bei der niederländischen Botschaft in Kiew. (21. Juli 2014)
Epa/Sergey Dolzhenko, Keystone
Der Geruch an der Absturzstelle ist so unangenehm, dass auch Rebellen ins Taumeln geraten sein sollen: Ukrainische Helfer bergen eine Leiche. (20. Juli 2014)
Der Geruch an der Absturzstelle ist so unangenehm, dass auch Rebellen ins Taumeln geraten sein sollen: Ukrainische Helfer bergen eine Leiche. (20. Juli 2014)
Igor Kovalenko, Keystone
Die Wut und Verzweiflung steigt: Blumen und Kuscheltiere am Absturzort in der Ukraine. (20. Juli 2014)
Die Wut und Verzweiflung steigt: Blumen und Kuscheltiere am Absturzort in der Ukraine. (20. Juli 2014)
Keystone
Unter Verdacht: Der selbst ernannte Gouverneur der Volksrepublik Donezk, Pawel Gubarew (Dritter von links), kontrolliert die Absturzstelle. (18. Juli 2014)
Unter Verdacht: Der selbst ernannte Gouverneur der Volksrepublik Donezk, Pawel Gubarew (Dritter von links), kontrolliert die Absturzstelle. (18. Juli 2014)
Epa/Anastasia Vlasova, Keystone
Mindestens 189 Passagiere stammten aus den Niederlanden, 44 aus Malaysia: Widi Yuwono zeigt ein Foto der Familie seiner Schwester, die an Bord von MH 17 war. (18. Juli 2014)
Mindestens 189 Passagiere stammten aus den Niederlanden, 44 aus Malaysia: Widi Yuwono zeigt ein Foto der Familie seiner Schwester, die an Bord von MH 17 war. (18. Juli 2014)
Keystone
Ukrainische Kumpel bereiten sich auf eine Suchaktion vor. (18. Juli 2014)
Ukrainische Kumpel bereiten sich auf eine Suchaktion vor. (18. Juli 2014)
AP Photo/Dmitry Lovetsky, Keystone
Die Separatisten weisen die Schuld am Absturz von sich: Alexander Borodai, der Führer der Separatisten der Region Donezk, trifft in der Nacht an der Unglücksstelle ein. (18. Juli 2014)
Die Separatisten weisen die Schuld am Absturz von sich: Alexander Borodai, der Führer der Separatisten der Region Donezk, trifft in der Nacht an der Unglücksstelle ein. (18. Juli 2014)
AFP
Ein Land in Trauer: Die niederländische Flagge weht auf halbmast über dem Parlament in Den Haag. (18. Juli 2014)
Ein Land in Trauer: Die niederländische Flagge weht auf halbmast über dem Parlament in Den Haag. (18. Juli 2014)
Martijn Beekman, AFP
154 Niederländer waren an Bord der Maschine, die von Amsterdam nach Kuala Lumpur hätte fliegen sollen: Ein Verwandter eines Passagiers von Flug MH 17 ringt in einem Bus am Flughafen in Amsterdam um Fassung. (17. Juli 2014)
154 Niederländer waren an Bord der Maschine, die von Amsterdam nach Kuala Lumpur hätte fliegen sollen: Ein Verwandter eines Passagiers von Flug MH 17 ringt in einem Bus am Flughafen in Amsterdam um Fassung. (17. Juli 2014)
Phil Nijhuis, Keystone
Trauer auch in Malaysia: Eine Frau weint am Flughafen von Kuala Lumpur, wo die Boeing 777 für den frühen Morgen des 18. Juli erwartet worden war. (17. Juli 2014)
Trauer auch in Malaysia: Eine Frau weint am Flughafen von Kuala Lumpur, wo die Boeing 777 für den frühen Morgen des 18. Juli erwartet worden war. (17. Juli 2014)
Joshua Paul, Keystone
Rettungskräfte treffen bei der Absturzstelle in Grabowo ein.  (17. Juli 2014)
Rettungskräfte treffen bei der Absturzstelle in Grabowo ein. (17. Juli 2014)
Dmitry Lovetsky, Keystone
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Die Gründe sind rein wirtschaftlicher Natur: Die Route ist kürzer und damit kostensparender als andere. Malaysia Airlines argumentiert zudem, die Route sei von der Internationalen Organisation für zivile Luftfahrt als sicher bezeichnet worden.

Doch das Unglück, bei dem fast 300 Menschen ums Leben kamen, könnte internationale Airlines zum Umdenken zwingen. Wenn aber Flugrouten über Krisengebiete künftig gemieden werden, werden die Flüge teurer oder teilweise ganz eingestellt, weil sie sich für die Unternehmen nicht mehr rentieren. Die Airlines müssten mehr Treibstoff einplanen und benötigten mehr Piloten, wenn Flüge länger würden, erklärt Greg Raiff, Luftfahrtberater in New Hampshire.

Auf dem Weg nach Kiew umgedreht

Die Fluggesellschaften reagierten schnell auf den tragischen Abschuss. Bilder der Flugsicherung zeigten am Freitag sehr wenige Flugzeuge über der Ukraine, dafür aber dichten Luftverkehr auf anderen Routen.

Die Lufthansa änderte nach der Katastrophe alle Flugrouten, die normalerweise die Ostukraine passieren würden. Air India und die indische Jet Airways leiteten ihre Flüge ebenfalls um. Emirates teilte mit, ein Flug nach Kiew sei umgekehrt und nach Dubai zurückgeflogen, alle Flüge nach Kiew seien auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Sämtliche Flüge in die USA und nach Europa flögen nicht über das Gebiet, wo die Malaysia-Airlines-Maschine abgestürzt sei.

Auch die chinesische Behörde für zivile Luftfahrt erklärte am Freitag, man habe die dortigen Fluglinien angewiesen, nicht mehr über die Ukraine zu fliegen. Die zuständige Behörde in Hongkong betonte ebenfalls, die örtlichen Fluglinien nutzten den Luftraum über der Ukraine nicht.

Letztlich entscheiden die Airlines

Einige andere Fluggesellschaften hatten allerdings schon vor Monaten entschieden, das Kampfgebiet im Osten der Ukraine nicht mehr zu überfliegen. Die Gesellschaft Asiana lässt nach Angaben einer Sprecherin schon seit März ihre wöchentliche Cargo-Maschine nicht mehr queren. Auch die Korean Air Line meidet die Route nach Angaben eines Sprechers seit der Krimkrise vom März. Die australische Quantas fliegt ebenfalls seit Monaten nicht mehr über das Gebiet, wie eine Sprecherin sagte.

Emirates meidet überdies seit längerem Teile Syriens, andere Airlines nutzen den Luftraum über dem Irak nur noch beschränkt. Die US-Behörden warnen vor den Lufträumen über dem Iran, Jemen, der Halbinsel Sinai und Nordkorea.

Solche Warnungen spielen für Fluggesellschaften eine wichtige Rolle bei der Einschätzung der Lage. Es wäre ungewöhnlich, würden sie entsprechende Hinweise ignorieren, sagt Thomas Routh, ein auf den Luftverkehr spezialisierter Anwalt in Chicago. Letztlich sei es aber die Entscheidung der Airlines, ob geflogen wird oder nicht. «Es gibt Fluglinien, die jeden Tag über Afghanistan fliegen», sagt Routh.

(SDA)

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