Flughafen Zürich baut Drohnenschutz aus

Drohnen legten den Betrieb zweier Londoner Flughäfen mehrfach lahm: Nun wird in Zürich in bessere Abwehrmassnahmen investiert.

Auch Adler können als Abwehrmassnahme gegen Drohnen zum Einsatz kommen. Foto: Reuters

Auch Adler können als Abwehrmassnahme gegen Drohnen zum Einsatz kommen. Foto: Reuters

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Ein grosses Loch klaffte im Flügel des Flugzeugs. Dort hinein war die Drohne verschwunden, der Flügel hatte sie nach dem Zusammenprall fast vollkommen verschluckt. Beschädigt waren deshalb nicht nur die Hülle des Flugzeugs, sondern wichtige Teile im Innern. Forscher der US-Universität Dayton zeigten vor einigen Monaten mit einem Experiment, welche verheerenden Folgen ein Zusammenstoss zwischen Drohnen und Verkehrsflugzeugen haben kann. Dabei war die Drohne im Experiment nur knapp ein Kilogramm schwer. Doch die Flugobjekte können wegen ihrer harten Schale schlimmere Schäden verursachen als Vögel. Und Verkehrsflugzeuge können keine raschen Ausweichmanöver fliegen.

Für Aufregung sorgten vor Weihnachten und Anfang Januar deshalb verschiedene Drohnensichtungen an den Londoner Flughäfen Gatwick und Heathrow. Der Flughafen Gatwick stellte seinen Betrieb während mehrerer Tage ein. Auch in der Schweiz kam es im letzten Jahr im Verzascatal zu einem Zusammenstoss zwischen einer Drohne und einem Helikopter.


Video: Adler gegen Drohne

In den Niederlanden prüfte die Polizei den Einsatz von Adlern zur Drohnenabwehr. Video: Nerderlands Politie (Reuters)


Die Verantwortlichen am Flughafen Zürich haben deshalb gestern beschlossen, ihre Schutzmassnahmen auszubauen. In den letzten Wochen haben die Kantonspolizei, die Flughafen AG, Skyguide und die Swiss gemeinsam eine Risikoanalyse vorgenommen. «Wir wollen im Lauf des Jahres verschiedene Massnahmen zur Drohnendetektion und Gefahrenabwehr prüfen», sagt Stefan Oberlin, Sprecher der Kantonspolizei Zürich. Die Kantonspolizei ist für die Sicherheit in Kloten verantwortlich. Auch am Flughafen Zürich gab es schon Vorfälle mit Drohnen.

Die Polizei des Kantons Genf schaffte sich Adler an, welche die Drohnenjagd lernen sollen.

Für Flughäfen ist es nicht leicht, sich gegen die Mini-Flugobjekte zu schützen. Die Drohnen sind meist zu klein, als dass man sie auf dem Radarschirm sehen könnte. Auf welche Massnahmen man in Kloten setzen wird, verrät die Kantonspolizei aus taktischen Gründen nicht. Um die Flughäfen in der Schweiz gilt in einem Radius von fünf Kilometern ein Flugverbot für Drohnen über 500 Gramm Gewicht. Flüge sind in diesem Gebiet nur mit einer Spezialbewilligung der Kontrollbehörden wie Skyguide möglich. Wer seine Drohne trotzdem in die Verbotszone steuert, dem drohen Bussen oder sogar Gefängnisstrafen.

Clevere Methoden, um Drohnen zu verwirren

Es gibt verschiedene Verfahren, wie sich eine Drohne aus dem Himmel holen lässt. Auch das Militär treibt Forschungen in diesem Bereich voran. Es ist, wie häufig bei derartigen Fragen, ein technischer Wettlauf zwischen Angreifern und Verteidigern. «Fast jede Massnahme lässt sich mit dem entsprechenden Können und Equipment umgehen», sagt Davide Scaramuzza, Drohnen-Experte und Professor für Robotik an der Universität Zürich. Scaramuzza entwickelt mit seinem Team Drohnen, die sich autonom mithilfe einer Kamera fortbewegen können.

Eine der Anti-Drohnentechniken zielt auf das GPS-Signal ab, mithilfe dessen Drohnen navigieren. Diese Technik eignet sich vor allem für Drohnen, die autonom unterwegs sind. Das sogenannte GPS-Spoofing verwirrt den GPS-Empfänger der Drohne, die man stoppen möchte. Die Drohne berechnet daraufhin ihre aktuelle Position falsch, zudem meint sie, dass der Sender des Spoof-Signals sie ab sofort steuert. Das ermöglicht diesem, die Kontrolle über die Drohne zu übernehmen, sie aus der Gefahrenzone zu manövrieren und zu landen. Das US-Start-up Sky Safe entwickelt beispielsweise eine derartige Lösung. Das Spoofing-Gerät ist ein quadratischer Kasten mit mehreren Antennen, von dem aus die Betreiber das verwirrende Signal senden. Das kommt jedoch nur an, wenn die Verbindung in einer geraden Linie möglich ist.

Drohnen, die ein Pilot mit einer Fernsteuerung kontrolliert, lassen sich mithilfe von Radio Jamming zu Boden zwingen. Ein Jammer stört die Kommunikation zwischen Drohne und Fernsteuerung mit einem stärkeren Signal. Die Drohne verliert den Kontakt zum Boden, der Jammer übernimmt die Kontrolle. Der Jammer schickt ein starkes Signal, beispielsweise 178 Watt, auf der gleichen Frequenz, auf der die Fernsteuerung ihre Befehle übermittelt. Derartige Störsignale können bis zu 10 Kilometer weit reisen. Britische Medien spekulierten nach den Vorfällen, dass der Flughafen Gatwick nun auf eine israelische Lösung setze. Die Drone-Dome-Technologie arbeitet unter anderem mit Radio Jamming.

Drohnen mit eingebautem Sicherheitssystem

Viele Drohnen, die es in der Schweiz zu kaufen gibt, haben bereits gewisse Sicherheitsmassnahmen eingebaut. Mithilfe von Geofencing ist die Drohne so programmiert, dass sie in Flugverbotszonen nicht funktioniert. Allerdings ist es möglich, dieses Geofencing zu hacken und trotzdem zu fliegen. Nicht nur Störsignale, auch Tiere kommen im Kampf gegen die Drohnen zum Einsatz. Greifvögel wie Adler sind sehr erfolgreich darin, fliegende Objekte aus dem Himmel zu holen. Die holländische Polizei testete vor zwei Jahren den Einsatz von Adlern, gab das Projekt aber wieder auf, weil die Adler zu eigenwillig waren und die Dressur zu viel Zeit gebraucht hätte. Die Polizei des Kantons Genf schaffte sich vor knapp einem Jahr zwei junge Adler an, die lernen sollen, wie man Drohnen jagt. Das Projekt läuft noch. Auf Anfrage will die Genfer Polizei nicht verraten, wie weit die Dressur der Adler inzwischen fortgeschritten ist.

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Auch Scharfschützen können Drohnen vom Himmel schiessen, allerdings ist das wegen der Gefahr von Querschlägern eine riskante Übung. Verschiedene Anbieter haben Waffen entwickelt, die Netze schiessen, um die Drohnen einzufangen. Das gelingt jedoch höchstens in einer Entfernung von 100 Metern, was in Gatwick beispielsweise nicht geholfen hätte. Bis heute konnte die Londoner Polizei die Täter nicht identifizieren. Jedes Mal wenn sie sich der Drohne näherte, verschwand sie.

In anderen Ländern wie den USA müssen Drohnenbesitzer ihre Flugobjekte schon ab einem niedrigen Gewicht bei den Behörden registrieren. In der Schweiz gilt das erst für kommerzielle Flüge und Geräte über 30 Kilogramm Gewicht. «Auch bei uns wäre es sinnvoll, eine Registrierungspflicht für alle Drohnen ab einem Gewicht von 250 oder 500 Gramm einzuführen», sagt Christian Schubert vom Bundesamt für Zivilluftfahrt. Ab nächstem Jahr wird dies vermutlich sowieso zwingend. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) plant ein neues Gesetz, das eine Registrierung verlangt. Im Bereich der Flugsicherheit übernimmt die Schweiz automatisch die Easa-Regeln.

Um den Schweizer Luftraum in Zukunft besser regulieren zu können, startet die Flugsicherung Skyguide im Juni zudem ein Pionierprojekt in Europa. Es nennt sich U-Space. Drohnenpiloten sollen in Zukunft ihre Flüge anmelden, damit alle in dem vollen Schweizer Luftraum besser aneinander vorbeikommen. «Am Anfang geschieht das noch auf freiwilliger Basis», sagt Vladi Barrosa von der Flugsicherung Skyguide. Wer eine Drohne besitzt, kann sich mit einer Ausweisnummer, der Handynummer und der Drohnen-Seriennummer im System eintragen. Zu U-Space gehört die App Airmap. Möchte jemand von A nach B fliegen, meldet er den Flug über die App an. Gleichzeitig bekommt er über das System auch Warnungen, wenn etwa ein Rega-Helikopter unterwegs ist und die Drohne die vorgesehene Route sofort verlassen muss.

Erstellt: 19.01.2019, 08:58 Uhr

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