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Im Super-TGV in zwei Tagen von London nach Peking

Die chinesische Regierung will offenbar das ehrgeizigste Verkehrsprojekt des Jahrhunderts starten: eine Kontinente querende Zugsverbindung. Zeitungen berichten erstaunt von neuen Horizonten.

Ehrgeiziges Projekt: Hochmoderne Schnellzüge werden zunächst zwischen Guangzhou and Wuhan verkehren.
Ehrgeiziges Projekt: Hochmoderne Schnellzüge werden zunächst zwischen Guangzhou and Wuhan verkehren.
Bombardier

Die Weltreise soll im Herzen des britischen Königreichs beginnen: Vom Bahnhof Kings Cross durch Grossbritannien, dann unter dem Kanal hindurch und schliesslich bis ins Reich der Mitte – in einem Hochgeschwindigkeitszug, der bis zu 380 Stundenkilometer auf die Schiene bringt. Laut Berichten in der britischen Presse könnten Passagiere die Strecke London-Peking innerhalb von Tagen bereisen. Und auf Wunsch auch weiterfahren bis nach Singapur.

Glaubt man Wang Mengshu, Berater für Bahnprojekte in China, dann soll das gewaltige Bahnprojekt in einem ersten Teil auch Indien und Pakistan mit einschliessen. Der zweite Abschnitt des Projekts soll Strecken im Norden umfassen, wie die britische Zeitung «Telegraph» auf ihrer Webseite berichtet – durch Russland bis nach Deutschland und das europäische Schienennetz hinein. Und ein dritter Teil würde sich nach Süden hin erstrecken, um China mit Vietnam, Thailand und Burma zu verbinden.

Mutige Ansage: «Innerhalb von zehn Jahren»

Ingenieur Wang versprüht laut dem Zeitungsbericht wahrhaftig Optimismus. «Das beste Szenario wäre», so sagte er laut dem «Telegraph», «dass die drei Strecken innerhalb von zehn Jahren fertig gestellt werden.» Um den Weg frei zu machen, steht Peking nach Wangs Angaben bereits in Verhandlungen mit 17 Nationen. «Es war nicht China, das diese Idee aufgebracht hat», wird er zitiert. Stattdessen seien andere Länder auf Peking zugegangen, um vom Knowhow und der Erfahrung zu profitieren. Tatsächlich baut China derzeit sein Zugsystem im Inland massiv aus. Innerhalb von fünf Jahren sollen laut Presseberichten 19'000 Meilen an neuen Strecken entstehen – die Basis für neue Schnellzüge, die alle grossen Städte mineinander verbinden sollen.

Gegen Ende des vergangenen Jahres wurde in China bereits der schnellste Zug der Welt vorgestellt. Der «Harmony-Express» soll fast 400 Stundenkilometer schnell fahren. Im vergangenen Mai begann die Serienproduktion des Zugs, der zunächst die Städte Guangzhou and Wuhan verbinden soll – und im Jahr 2011 Peking und Shanhai auf einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke.

Allzu viele Probleme noch zu lösen

In zehn Jahren oder überhaupt jemals: Ob die chinesischen Visionen, Europa und Asien mit solch rasanten Zügen zu verbinden, dereinst wahr werden, dürfte stark vom Erfolg der Bemühungen abhängen, die Infrastruktur im eigenen Land zu modernisieren. Wang behauptete gegenüber dem «Telegraph» allerdings, die Arbeiten für die südliche Linie hätten bereits begonnen – in der Provinz Yunnan. Und Burma sei bereits im Begriff, mit den Arbeiten für sein Anschlussnetz zu beginnen.

Auch in Europa laufen laut dem Bahnfunktionär angeblich bereits Gespräche über die neue Linie. Doch ein Stolperstein dürfte allein schon die geplante Spurweite des Schnellzugs sein. Vietnam beispielsweise war laut Wang bereit, den eigenen Standard für das neue System zu ändern – doch ob die Länder, die der Zug auf dem London durchqueren müsste, zu solchen Schritten bereit wären, dürfte äusserst fraglich sein.

So werden britische Zugliebhaber für eine Reise nach China wohl noch viele Jahre lang mehr Zeit einkalkulieren müssen als die zwei Tage, von denen Wang und seine Kollegen träumen. Nämlich mindestens acht Tage, wie auf der Webseite der Deutschen Bahn zu erfahren ist: Abfahrt am 13. Juni um 16:04 Uhr in Londons St. Pancras-Station, Ankunft am 21. Juni um 14:04 Uhr in Peking. Drei Mal umsteigen, bitte.

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