Leben wie auf dem Mond – in Zermatt

Kann man auf dem Mond dauerhaft bleiben? Das wollen Studenten in einer Gletscherhöhle auf dem Klein Matterhorn herausfinden.

Ein Iglu auf dem Mond: Studenten bauen ein Versuchshabitat auf dem Klein Matterhorn. Bild: Epfl

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Zwanzig Studententeams aus ganz Europa beteiligen sich am Projekt Igluna, um eine Unterkunft für Menschen auf dem Mond zu entwickeln. Die Idee ist ein Habitat im Eis unter der Mondoberfläche, in der Menschen in der lebensfeindlichen Umgebung leben und wohnen können.

Nachdem die Teams ihre Konzepte an einer Halbzeitveranstaltung im Januar am Cern noch einmal auf Herz und Nieren geprüft haben, geht es nun an den Bau der Prototypen, wie das «Swiss Space Center» der ETH Lausanne (EPFL) mitteilte. Bis Juni sollen die Module in einer Gletschergrotte auf dem Klein Matterhorn in Zermatt eintreffen, und alle sollen dort zusammenkommen, um sich ausführlichen Tests zu unterziehen. Parallel soll eine Ausstellung im Dorfzentrum von Zermatt über das Studierendenprojekt informieren.

Transport per Gondel und Lift

Beim Bau der Prototypen müssen die Teams unter anderem bedenken, dass die Einzelteile in die Gondel und in einen Lift passen müssen, um zur Eishöhle zu gelangen, hiess es in der Mitteilung. Die Höhle liegt 15 Meter unter der Gletscheroberfläche. Darin herrscht eine Temperatur von minus 4 Grad Celsius.

Die Einzelprojekte umfassen beispielsweise einen autonomen Roboter der ETH Zürich, der Eisblöcke aussägen und daraus Wände bauen kann, sowie ein optimiertes und geschlossenes Anbausystem auf Basis menschlicher Abfallstoffe als Dünger von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Ein Team der Hochschule Luzern steuert einen Algen-Bioreaktor bei, der Sauerstoff produziert.

Spezial Eissäge und VR-Modell

Von der ETH Lausanne sind gleich mehrere Teams beteiligt. Sie entwickeln ein System, um den Zusammenhang zwischen der Gestaltung des Habitats und dem sozialen Verhalten der Bewohner zu analysieren, eine automatisierte Struktur für das hydroponische Anbausystem der ZHAW, eine erweiterte Bogenstruktur aus Holz und XPS-Sandwichplatten für die Architektur des Habitats, eine Spezial-Eissäge sowie Virtual Reality 3D-Modell.

Auch aus anderen Ländern sind Studierendenteams beteiligt – aus Estland, Italien, Deutschland, Rumänien, Polen, Griechenland, Grossbritannien und den Niederlanden. Das Projekt Igluna wird vom Swiss Space Center koordiniert und durch die europäische Weltraumagentur ESA, sowie das Swiss Space Office des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SPFI) unterstützt.

Zusammengenommen sollen die Prototypen den Weg ebnen für technologische Bausteine eines Mondhabitats, «in dem es sich zu leben lohnt», heisst es auf der Igluna-Projektwebsite.

Bergbau, Forschungsstationen, Gemüseanbau auf dem Mond: Weshalb sollte jemand auf dem unwirtlichen Himmelskörper leben wollen? Video: Raumzeit/Youtube

(oli/sda)

Erstellt: 04.04.2019, 11:21 Uhr

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