«Ohne Mond wären wir nicht hier»

Wie lange dauert ein Tag auf dem Mond? Und welchen Einfluss hat er wirklich auf uns? Ein Gespräch mit dem Astrophysiker Ben Moore.

US-Astronaut Buzz Aldrin bei seinem ersten Spaziergang auf dem Mond am 21. Juli 1969: In seinem Helm spiegelt sich sein Kollege Neil Armstrong. Foto: Nasa

US-Astronaut Buzz Aldrin bei seinem ersten Spaziergang auf dem Mond am 21. Juli 1969: In seinem Helm spiegelt sich sein Kollege Neil Armstrong. Foto: Nasa

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Herr Moore, können Sie sich an die erste Mondlandung erinnern?
Nicht an die erste von 1969, aber an die letzte im Winter 1972. Ich war sechs Jahre alt. Mein Vater nahm mich eines Abends mit nach draussen, deutete auf den Mond und sagte, dort oben seien gerade jetzt Astronauten und liefen auf der Mondoberfläche herum. Das hat mich tief beeindruckt.

Warum flogen die Amerikaner zum Mond?
Das war rein politisch motiviert, es herrschte der Kalte Krieg. Amerikaner und Russen standen im Wettstreit – auch um die Vormacht im Weltraum. Wer weiss: Wenn die Sowjets damals als Erste auf dem Mond gelandet wären, wäre heute vielleicht Russland die führende Nation. Die Motivation, all die Spin-offs, die aus der Mondlandung hervorgingen, halfen den USA, ihre wirtschaftliche Vormachtstellung zu festigen.

Es gab also kein wissenschaftliches Interesse an den Mondflügen?
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse waren am Ende nur eine nette Zugabe. Für uns Forscher aber sind sie natürlich das Zentrale.

Im Grunde genommen verdanken die Amerikaner ihre Erfolge den Nazis.
Genau. Deutsche Raketenforscher entwickelten im Zweiten Weltkrieg die V2-Rakete, um Bomben an weit entfernte Ziele zu bringen. Russen und Amerikaner profitierten von diesem Wissen. Die Sowjets nahmen nach dem Krieg 170 deutsche Raketenspezialisten gefangen, und die Amerikaner schnappten sich den Chefingenieur, Wernher von Braun, und über hundert seiner Mitarbeiter.

Die machten aber kaum die ganze Arbeit?
Sie brachten das Wissen mit. Im amerikanischen Apollo-Programm, so hiess das Mond-Projekt, waren dann rund 400'000 Leute beschäftigt. Die Saturn-V-Rakete, mit 110 Metern Höhe grösser als der Turm des Berner Münsters, bestand aus mehr als fünf Millionen verschiedenen Teilen.

«Dank der Analyse von Mondproben wissen wir heute, dass Mond und Erde Bruder und Schwester sind.»

Warum war die Mondrakete so riesig?
Um das Gravitationsfeld der Erde verlassen zu können, muss ein Körper eine Geschwindigkeit von rund 40'000 Kilometern pro Stunde erreichen. Dazu braucht es sehr viel Treibstoff. Die Rakete bestand hauptsächlich aus Treibstoff, ganz oben an der Spitze waren die zwei winzigen Kapseln für die Astronauten.

Und was haben die Astronauten vom Mond mitgebracht?
Die Besatzung von Apollo 11, der ersten der sechs bemannten Mondmissionen, brachte 22 Kilo Steine und Mondstaub auf die Erde zurück.

Ist das nicht ein bisschen wenig?
Wissenschaftlich gesehen ist das Material enorm wertvoll. Und offenbar auch für Sammler. Letztes Jahr wurden 0,2 Gramm Mondstaub für 855'000 US-Dollar versteigert. Dank der Analyse von Mondproben wissen wir heute, dass Mond und Erde Bruder und Schwester sind. Sie bestehen zu 99,9 Prozent aus demselben Material.

Wie ist das möglich: Stammen sie vom gleichen Himmelskörper ab?
Die heute gängige, wenn auch nicht bewiesene Theorie geht dahin, dass vor rund viereinhalb Milliarden Jahren ein kleinerer Planet mit der Erde zusammenprallte und sich aus den Trümmern der Mond bildete. Allerdings geht bei dieser Theorie die Vermischung nicht ganz auf. Ich glaube eher, dass zwei Planeten gleicher Grösse miteinander kollidierten. Zusammen mit meinem Doktoranden bin ich daran, am Computer 10'000 Simulationen von kollidierenden Planeten durchzuführen, um zu sehen, ob wir so Erde und Mond reproduzieren können.

«Schauen Sie mal einen Tag lang in eine volle Badewanne. Bewegt sich da was?»

Erde und Mond sind nicht nur verwandt, sie beeinflussen sich auch gegenseitig.
Genau. Ebbe und Flut sind das bekannteste Beispiel. Durch seine Anziehung sorgt der Mond dafür, dass die ihm jeweils zugewandte Seite der Erde um etwa einen halben Meter ausbeult, was das Wasser der Ozeane in Bewegung bringt. Das ist aber eine stark vereinfachte Erklärung eines tatsächlich viel komplizierteren Vorgangs.

Viele Menschen glauben, weil wir ja zu 80 Prozent aus Wasser bestehen, könne der Mond auch uns beeinflussen. Was sagt die Wissenschaft dazu?
Der Mond zieht nicht nur das Wasser an, sondern er beeinflusst die Erde als Ganzes und die Ozeane, die über die Oberfläche verteilt sind. Schauen Sie mal einen Tag lang in eine volle Badewanne. Bewegt sich da was? Nein. Ich habe es mal ausgerechnet: Eine vorbeifliegende Stubenfliege bewirkt eine stärkere Gezeitenkraft in Ihrem Körper als Mond, Sonne und alle Sterne im Universum zusammen.

Also hat auch der Vollmond keinen Einfluss auf uns?
Da ist viel Folklore dabei. Forscher haben Polizeiakten und Mondzyklen der Jahre 1998 und 2003 miteinander verglichen und keinen Zusammenhang zwischen Suiziden, Morden oder Gewalttaten und den Mondphasen finden können.

«Ein Tag dauert auf dem Mond etwa 15 Erdtage, dann folgt eine ebenso lange Nacht.»

Aber in der Tierwelt spielt der Vollmond doch eine wichtige Rolle.
Tatsächlich richten viele Meereslebewesen, vor allem solche, die in Küstennähe leben und von Ebbe und Flut betroffen sind, ihr Leben nach den Mondphasen. Der Palolowurm im Südpazifik paart sich zum Beispiel zweimal im Jahr bei Neumond. Pfeilschwanzkrebse legen ihre Eier bei Vollmond am Strand ab.

Sie schreiben in Ihrem Buch, der Mond habe durch seine stabilisierende Wirkung einen grossen Einfluss auf die Erde. Gäbe es ohne Mond kein Leben?
Doch. Aber die Evolution des Lebens wäre vermutlich anders verlaufen. Seine Anwesenheit, seine Gravitation, stabilisiert die Art und Weise, wie unsere Erde im Raum rotiert. Ohne Mond würde die Erde stark taumeln, wie ein Kreisel, der kurz vor dem Umfallen ist. Mit der Folge, dass sich die Jahreszeiten dramatisch ändern, das Klima extrem schwanken würde – mit viel grösseren Eiszeiten, als es sie je gab. Wir können dem Mond dankbar sein: Ohne ihn wären wir nicht hier.

Alle Astronauten waren von diesem Blick auf den Blauen Planeten tief ergriffen: Die Erde vom Mond aus gesehen. Foto: Keystone

Wenn Erde und Mond Geschwister sind, wieso gibt es dann kein Leben auf dem Mond?
Dort oben herrschen sehr lebensfeindliche Bedingungen. Es gibt keine Atmosphäre, keine Luft. Die Gravitation, also die Anziehung, ist auf dem Mond nur ein Sechstel so gross wie auf der Erde. Da könnten Sie locker einen neuen Weltrekord im Hochsprung aufstellen. Eine geringere Gravitation bedeutet aber auch, dass eine Atmosphäre durch den Sonnenwind vom Mond weggeblasen würde. Da der Mond kein Magnetfeld hat wie die Erde, ist der Sonnenwind dort sehr heftig.

«Es gibt vermutlich keinen Ort auf dem Mond, der nicht schon durch einen Einschlag in Mitleidenschaft gezogen wurde.»

Es regnet also nie auf dem Mond?
Das ist so. Wasser gibt es zwar, aber das liegt gefroren in den Kratern der Pole, geschützt vor direkter Sonnenstrahlung. Ein Tag dauert auf dem Mond etwa 15 Erdtage, dann folgt eine ebenso lange Nacht. Die Temperaturen sind extrem. Tagsüber ist es im Schnitt 106 Grad heiss, und nachts sinkt die durchschnittliche Temperatur auf minus 183 Grad Celsius. Ein Mensch kann also nur in einem ausgeklügelten Schutzanzug überleben, so wie ihn die Astronauten trugen.

Das tönt nach einem sehr unwirtlichen Ort.
Zu den Temperaturextremen kommt die Gefahr, von einem Meteoriten getroffen zu werden. Es gibt vermutlich keinen Ort auf dem Mond, der nicht schon durch einen Einschlag in Mitleidenschaft gezogen wurde. Weil der Mond keine schützende Atmosphäre hat, treffen Gesteinsbrocken aus dem Weltraum mit einer Geschwindigkeit von 20 bis 70 Kilometern pro Sekunde auf die Oberfläche.

Das wirkt wie eine Bombe.
Ein Gesteinsbrocken von 5 Kilo verursacht auf dem Mond einen Einschlagskrater von 10 Metern Durchmesser und wirbelt dabei über 70 Tonnen Mondstaub in alle Richtungen auf. Die gesamte Oberfläche des Mondes ist von Staub bedeckt.

Zeugen von unzähligen Meteoriten: Die Krater auf der Mondoberfläche. Foto: Keystone

Daher erscheint der Mond silberweiss.
In Wirklichkeit ist er grau. Nur im Kontrast zum dunklen Nachthimmel meinen wir, er sei weiss.

Und dieser graue Staub soll gefährlich sein?
Ja. Die Staubkörner sind wie feine Glasscherben, mit scharfen Kanten. Wenn Astronauten aus Versehen den Staub einatmen, kann das ihre Lungen, ihr Gehirn schädigen.

Es scheint nicht sehr verlockend zu sein, auf den Mond zu reisen.
Oh doch. Nebst den wissenschaftlichen Erkenntnissen muss die Aussicht wunderbar sein. Kein Flimmern durch eine störende Luftschicht – die Milchstrasse schön und klar. Und erst der Anblick der Erde! Eine blaue Kugel, viermal so gross, wie von hier aus der Mond erscheint, die Kontinente gut sichtbar. Alle Astronauten waren ergriffen von diesem Bild und mussten zum Teil sogar weinen.

«Bereits in der Steinzeit fiel den Menschen auf, dass der Mond einen Zyklus von etwa 29 Tagen hat.»

Und wie sieht es auf der Rückseite des Mondes aus?
Bis die erste Raumsonde Fotos von der Rückseite schoss, hatte man keine Ahnung. Zur grossen Überraschung ist die Rückseite des Mondes heller und hat mehr Krater. Es fehlen die dunklen Felder, wie wir sie von der Vorderseite her kennen. Diese sogenannten Maria bestehen aus erstarrter Lava aus längst vergangenen Zeiten. In diesen hellen und dunklen Flecken erkannten frühere Kulturen ein Gesicht, den Mann im Mond.

Seit je übt der Mond eine Faszination auf die Menschen aus. Bei uns ist er männlich, bei den Franzosen weiblich. Weshalb?
Das unterschiedliche Geschlecht des Mondes in verschiedenen Sprachen rührt von frühen Mythen und Legenden her. In den romanischen Sprachen und im Griechischen ist der Mond weiblich. In der griechischen Mythologie gab es Selene, die schöne Göttin des Mondes, die sich mit ihrer silbernen Mondkutsche über den Himmel bewegte, gezogen von geflügelten Pferden. Im Gegensatz dazu betrachteten die teutonischen Stämme die Sonne als weiblich, und der Mond war eine männliche Gottheit. Sie waren der merkwürdigen Ansicht, dass, wenn sie den Mond als Göttin anbeteten, ihre Frauen die Herrschaft übernehmen würden.

Was wusste man sonst über den Mond?
Bereits in der Steinzeit fiel den Menschen auf, dass der Mond einen Zyklus von etwa 29 Tagen hat. Das belegen Knochen mit eingeritzten Strichen. Die regelmässigen Zyklen wurden daher von vielen Kulturen für die Zeitmessung verwendet. Der Monat wurde von den Sumerern und Babyloniern in Sieben-Tage-Wochen eingeteilt, und die Tage trugen die Namen der sieben damals bekannten Himmelskörper.

Die Babylonier konnten bereits Mondfinsternisse vorhersagen.
Die Priester, die den Nachthimmel studierten und daher astronomische Ereignisse vorhersagen konnten, müssen dem Rest der Bevölkerung wie Magier erschienen sein, und sie genossen viel Macht und Respekt.

«Der Mond dient als ideale Basis für Flüge zu anderen Planeten, zum Beispiel zum Mars.»

War das der Beginn der Astronomie als Wissenschaft?
So richtig in Fahrt kam sie erst mit den Griechen. Die griechischen Philosophen versuchten natürliche Phänomene nicht mehr als etwas zu erklären, das durch die Götter verursacht wurde. Geschehnisse am Himmel waren keine Omen, sondern konnten durch Logik und Wissenschaft erklärt werden, durch Ursache und Wirkung. Thales, Pythagoras, Parmenides, Anaxagoras, Anaximander und Anaximenes entdeckten den Grund für die Finsternisse, dass der Mond einen Teil des Sonnenlichts reflektiert und dass die Erde eine Kugel ist.

Nach den alten Griechen gab es über tausend Jahre lang keine neuen Erkenntnisse zum Kosmos. Die von den Römern verbreitete Astrologie war ein wissenschaftlicher Rückschritt.
Der grosse Durchbruch kam mit dem Teleskop. Meiner Meinung nach gehört es zu den wichtigsten Erfindungen überhaupt. Mit seinem Fernrohr entdeckte Galileo Galilei, dass der Mond kein perfekt kugelförmiges Objekt war, sondern uneben, holprig und voller Löcher. Der Gelehrte entdeckte, dass auch der Jupiter nicht nur einen, sondern gleich mehrere Monde hat.

Auch Tiere reagieren auf den Mond: Graugänse vor dem leuchtenden Himmelsgestirn. Foto: Mauritius Images

Heute wissen wir sehr viel über den Mond. Sie finden, man müsse trotzdem nochmals hinfliegen. Weshalb?
Wir wissen noch längst nicht alles. Gesteinsproben von weiteren Stellen würden vielleicht helfen, den Ursprung des Mondes besser zu verstehen. Zudem dient der Mond als ideale Basis für Flüge zu anderen Planeten, zum Beispiel zum Mars.

Wer soll das bezahlen? Das Apollo-Programm kostete auf heute umgerechnet mehr als 100 Milliarden Dollar.
Das ist viel Geld, doch noch viel mehr wird für Rüstung ausgegeben. Allein die Entwicklung des neuesten amerikanischen F-35-Bombers hat bisher 400 Milliarden gekostet. Vielleicht liesse sich das Unternehmen auch durch Weltraumtouristen finanzieren. Bis heute wurden von Privatleuten schon acht Tickets zur Internationalen Raumstation (ISS) gekauft, die in 400 Kilometern Höhe um die Erde kreist – für 20 Millionen US-Dollar pro Person.

Bücher zu 50 Jahre Mondlandung
Im Buch «Ein grosser Sprung für die Menschheit» ziehen 14 Autoren Bilanz – 50 Jahre nach der ersten Mondlandung. Weltbild Verlag, 37.90 Franken.

Das Buch «Das Apollo-Projekt» von Thorsten Dambeck beleuchtet die ganze Geschichte der Mondlandung, mit Originalfotos der Nasa. Kosmos Verlag, 27.90 Franken.

Erstellt: 04.07.2019, 19:55 Uhr

Wissenschaftler und Autor


Der gebürtige Engländer Ben Moore ist 53 Jahre alt und Professor für Astrophysik an der Universität Zürich. Neben seiner Forschungstätigkeit schreibt er populärwissenschaftliche Bücher. Sein neuestes Werk: «Mond – Eine Biografie». Moore ist Vater zweier Kinder und verheiratet mit der Autorin und Übersetzerin Katharina Blansjaar.

Wissenswertes über den Mond

Zentralgestirn

Seit jeher hat der Anblick des Mondes den Menschen in seinen Bann gezogen. Dichter, Filmemacher und Maler machten ihn zum Zentralgestirn ihrer Kunst. «Guter Mond, du goldne Zwiebel, ach ich seh dich äusserst gern. Doch auch du bist gar nicht übel, hochgeehrter Abendstern», dichtete der österreichische Dramatiker Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862).

Pflanzenanbau

Demeter-Bauern planen ihr Gartenjahr mit Hilfe eines Kalenders, der sich nach den Mondphasen richtet. Von der Bodenvorbereitung und Aussaat über das Ziehen der Pflanzen bis zur Ernte halten sie sich an das Buch «Aussaattage Maria Thun». Die deutsche Anthroposophin Maria Thun (1922– 2012) war die Pionierin des biologisch-dynamischen Pflanzenanbaus. Seit 1963 erscheint jährlich ihr Aussaatkalender, der mittlerweile in 21 Sprachen übersetzt wird.

Staub

Alle amerikanischen Apollo-Astronauten taten es: Sie schnüffelten am Mondstaub. Nach jedem Mondspaziergang schleppten sie ein wenig vom klebrigen Mondstaub in die Landekapsel hinein. «Es ist wahrlich ein strenger Geruch», funkte Apollo-16-Pilot Charles Duke. «Für mich hat es diesen Geruch von Schiesspulver.» In der nächsten Mission, Apollo 17, merkte Eugene Cernan an, es rieche, als hätte jemand gerade eine Kugel mit einem Karabiner abgefeuert.

Werwolf

Im 12. Jahrhundert warnte der englische Autor und Rechtsgelehrte Gervasius von Tilbury in seinen «Kaiserlichen Mussestunden»: Man könne in England Männer sehen, die sich in hellen Mondnächten in Wölfe verwandelten. Die Filmindustrie in Hollywood liess die Werwölfe dann nur noch bei Vollmond ihr Unwesen treiben. Der vermutlich erste Werwolf-Film wurde 1913 in den USA gedreht. Regie: Henry MacRae, Titel: «The Werewolf».

Bier

«Der Mond hat einen grossen Einfluss auf uns Menschen», sagt Braumeister Max Bürki, 64. In Vollmondnächten braut er in der Appenzeller Brauerei Locher das sogenannte Vollmondbier. «Es schmeckt würzig und hat das gewisse Etwas – das verdankt unser Bier dem Vollmond», ist Max Bürki überzeugt.

Soll dank Mond würzig schmecken: Das Vollmond Bier. Foto: Biosphoto

Ebbe und Flut

Volle 384'400 Kilometer ist der Mond von der Erde entfernt. Obwohl er im Grunde genommen nur ein riesiger Steinklumpen ist, werden durch seine Anziehungskraft gigantische Wassermengen auf der Erde bewegt. Je nachdem, wo der Trabant gerade steht, zieht er die Wassermassen der Ozeane zu sich heran. So entsteht die Flut auf der dem Mond zugewandten Seite. Ebbe und Flut wechseln sich alle sechs Stunden ab.

Bräuche

Manche Mütter in Afrika halten noch heute ihre Babys dem Neumond entgegen, damit sie wachsen und gedeihen. Bei Eskimofrauen in Grönland herrschte der Glaube: Wer im Mondlicht schläft, begünstigt damit Mutterfreuden. Während schottische Bäuerinnen einem alten Brauch folgend den Vollmond mit einem ehrerbietigen Knicks begrüssten.

Finsternis

Über die Mondfinsternis existieren viele Legenden. Die Mesopotamier etwa glaubten, dass der Mond bei einer Mondfinsternis von Dämonen heimgesucht werde. Sie betrachteten dies auch als einen Angriff auf ihren König und setzten für die Dauer der Finsternis einen Ersatzkönig ein, der das Ziel des Attentats sein sollte. «Sobald die Mondfinsternis vorüber war, galt der Ersatzkönig als überflüssig und verschwand meist auf geheimnisvolle Weise», schreiben Hannah Pang und Thomas Hegbrook in ihrem Buch «Der Mond – Mystische Geheimnisse und wissenschaftliche Fakten».

Der dunklere Teil des Mondes liegt im Schatten der Erde: Partielle Finsternis. Foto: Keystone

Schwangerschaft

Viele Hebammen wissen noch heute: Eine Schwangerschaft dauert volle zehn Mondmonate. Wie auch ein weiblicher Zyklus durchschnittlich eine Mondphase dauert – also 29 Tage. Dass eine Schwangerschaft neun Kalendermonate benötigt – diese Berechnung führten die Ärzte in den ersten Entbindungsstationen im 18. Jahrhundert ein. Bis dahin war das Gebären eine Sache unter Frauen – jedes Kind kam bei einer Hausgeburt auf die Welt.

Verhalten

Dem Mond werden geheimnisvolle Kräfte zugeschrieben, welche den Menschen zu anormalem Verhalten veranlassen können. So bezeichnet man Schlafwandler als «mondsüchtig», weil sie ihre nächtlichen Wanderungen oft bei Vollmond antreten. Das englische Wort «lunatic» – vom lateinischen «luna» für Mond – heisst auf Deutsch übersetzt nicht etwa mondsüchtig, sondern verrückt. Das deutsche Wort «Laune» für die Gemütsstimmung und das Adjektiv «launisch» stammen ebenfalls vom lateinischen «luna».

Schlafqualität

Die Forscher um den Basler Chronobiologen Christian Cajochen konnten 2013 in einer Studie belegen, was viele Menschen aus eigener Erfahrung kennen: Der Vollmond kann für eine als unruhig empfundene Nacht sorgen. Der Schlaf der zwei beobachteten Gruppen – 17 junge und 16 ältere Freiwillige – verzögerte sich in der gemessenen Vollmondnacht um 5 Minuten. Auch wachten die Teilnehmenden im Schnitt 20 Minuten früher auf. Zudem war ihr Schlaf – ihre mit dem EEG gemessenen Deltawellen im Gehirn – um 30 Prozent weniger tief. Die Versuchspersonen klagten dann auch anderntags über eine verminderte Schlafqualität und hatten weniger Melatonin ausgeschüttet.

Astrologie

In der Astrologie steht der Mond für die Gefühle. Er ist der Herrscher des Tierkreiszeichens Krebs. Eine ähnliche Symbolik kommt ihm bei den Tarotkarten zu. Die Mondkarte ist die Karte der Intuition, der Träume und des Unbewussten. Auf vielen Mondkarten ist ein Krebs zu sehen – er symbolisiert die Person, welche die Zukunft befragt.

Steht für Gefühle, Intuition oder Träume: Eine Mondkarte. Foto: akg-images


Filme

1929 schickte der deutsche Filmregisseur Fritz Lang (1890–1976) die erste Frau auf den Mond. An der Seite von vier Männern und einem elfjährigen blinden Passagier liess er die Astronomiestudentin Friede Velten auf den Trabanten reisen. Langs Science-Fiction-Stummfilm «Frau im Mond» war in Deutschland ein Kassenschlager. Erstmals unternahm ein Regisseur den Versuch, den Flug zum Mond nach dem damaligen wissenschaftlichen Kenntnisstand so glaubwürdig wie möglich darzustellen.

Zeitmessung

Die Uhr Orloj im tschechischen Prag wurde 1410 an der Südmauer des Altstädter Rathauses installiert. Sie ist die älteste astronomische Uhr der Welt, die noch in Betrieb ist. An einem ihrer drei Zeiger ist eine Mondkugel angebracht, die die jeweilige Position des Trabanten bei seiner Erdumrundung anzeigt. Die Mondkugel verändert ihre Form im gleichen Rhythmus wie die echten Mondphasen.

Älteste astronomische Uhr der Welt, die noch in Betrieb ist: Die Orloj in Prag. Foto: iStock


Haarpracht

Manche Coiffeure achten beim Haareschneiden auf den Stand des Mondes. Wer eine Kurzhaarfrisur trägt und nicht alle paar Wochen zum Nachschneiden gehen möchte, sollte bei abnehmendem Mond zum Friseur gehen. Denn in dieser Mondphase soll das Haarwachstum verlangsamt sein. Wer seine Haarpracht hingegen wachsen lassen möchte, sollte während der Zunahme des Mondes zum Haareschneiden gehen. Die Mondphase lässt das Haar angeblich schneller und voller nachwachsen.

Holzqualität

«Der beste Zeitpunkt, Holz zu schlagen, ist an den kürzesten Tagen im Winter, dann hat der Baum weniger Saft», sagt der Innerschweizer Schreinermeister Roger Lindauer, 51. Zudem sollte der Mond abnehmend sein und möglichst nahe am Neumond – das entzieht dem Holz noch mehr Säfte. «Erst dann bekommt man das sogenannte Mondholz», sagt Roger Lindauer. Mondholz müsse man nicht chemisch behandeln. Weil es trocken sei, gehe der Wurm nicht rein. Viele alte Bauernhäuser in der Schweiz sind aus Mondholz gebaut.

Nicole Tabanyi

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