Glencore fördert Nickel mit neuem E-Bagger

Weniger Lärm, weniger Vibrationen: Um Erzmineralien zu fördern, setzt der Zuger Rohstoffhändler auf einen emissionsfreien Schaufellader. So funktioniert er.

Nickelhaltige und andere Erze braucht es für Batterien, Windräder und Stromleitungen: Arbeiter in der Onaping-Mine. Foto: Twitter / Jo Henley

Nickelhaltige und andere Erze braucht es für Batterien, Windräder und Stromleitungen: Arbeiter in der Onaping-Mine. Foto: Twitter / Jo Henley

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Nickel, Kobalt, Kupfer – mit der Verfügbarkeit dieser und weiterer Erzmineralien steht und fällt die Energiewende. Denn sie stecken in Batterien, Windrädern und Stromleitungen. Doch diese Rohstoffe werden teils rar und teils schwieriger zu fördern. «Die Lebensdauer unserer aktuellen Minen im kanadischen Sudbury reicht noch bis 2020 respektive 2022», sagt Scott Yarrow, Vizepräsident für den Bereich nachhaltige Entwicklung der Nickelabteilung bei Glencore. Mit Recycling allein sei der Bedarf bei weitem nicht zu decken.

Um weitere Erzlagerstätten zu erschliessen, geht der in letzter Zeit wegen Korruptionsvorwürfen und umweltbelastender Emissionen häufig kritisierte Schweizer Rohstoffgigant nun neue Wege: In Sudbury möchte er tiefer gelegene Nickelvorkommen mithilfe elektrischer und somit emissionsfreier Schaufellader erschliessen. So liessen sich gemäss Berechnungen von Glencore gegenüber einer herkömmlich betriebenen Mine 40 bis 50 Prozent Energie einsparen. «Der Einsatz fortschrittlicher Technologien wie Elektrofahrzeuge hat den Abbau dieser Ressourcen erst möglich gemacht», sagt Scott Yarrow.

Mine muss weniger belüftet werden

Die Rohstoffvorkommen in Sudbury gehen auf ein besonderes Ereignis zurück: Das circa 120 Kilometer lange und 60 Kilometer breite Sudbury-Becken ist vor Millionen von Jahren durch den Niedergang eines Meteoriten entstanden. Abgebaut wird heute in den Rändern des Einschlagkraters. Bislang reichen die Minen in Kanadas Südosten bis in eine Tiefe von rund 1,8 Kilometern. Bei der Onaping-Mine im Nordwesten des Sudbury-Beckens sind bereits seit den 1990er-Jahren Nickelvorkommen in rund 2,5 Kilometer Tiefe bekannt. «Wir wissen genau, wo diese Vorkommen sind, kennen die Zusammensetzung und Konzentration», sagt Yarrow. «Darauf wollen wir uns im Rahmen des Projekts Onaping Depth nun konzentrieren. Es ist aber eine grosse technologische Herausforderung, die Erze in dieser Tiefe abzubauen.» Das liegt daran, dass der Meteorit die Standfestigkeit des Bodens stark geschwächt. Die Zugangsstollen müssen besonders sorgfältig stabilisiert werden. «Schon in den vorhandenen Minen in 1,8 Kilometer Tiefe ist das eine grosse Herausforderung», sagt Yarrow. «In 2,5 Kilometer Tiefe wirken noch viel grössere Kräfte. Das ist der Punkt, wo das batterieelektrische Konzept wichtig wird.»

Die Fahrzeuge könnten die Schicht mit einer höheren Batterieladung
beenden, als sie zu Beginn hatten.

Anders als üblich soll der Abbau der Lagerstätte von oben her beginnen. Die leer rund 38 Tonnen schweren Elektroschaufellader werden mit circa 14 Tonnen Erz beladen und fahren dann zum tiefer gelegenen Eingang des Förderschachts. Dabei wird die Batterie aufgeladen. Mit leerer Schaufel geht es wieder hinauf zum Abbaugebiet. Gemäss den Berechnungen von Glen­core könnten die Fahrzeuge ihre Schicht mit einer höheren Batterieladung beenden, als sie zu Beginn der Schicht hatten.

Entscheidend ist, dass der Einsatz batteriebetriebener Schaufellader eine andere Konstruktion der Mine erlaubt. Da Elektrofahrzeuge keine lokalen Emissionen verursachen und kaum Wärme generieren, muss die Mine im Vergleich zum Einsatz von Dieselfahrzeugen weniger belüftet werden. Denn die Menge an Frischluft, welche man in die Mine bringen muss, ist direkt proportional zur Menge der von Dieselfahrzeugen erzeugten Abgase. Weniger Luftzufuhr bedeutet also, dass Schächte mit kleinerem Durchmesser genügen: Anstelle von 6,5 Metern genügen 5 Meter. «Die geplante Reduktion der Schachtdurchmesser um 23 Prozent reduziert die Baukosten deutlich», sagt Yarrow. Kleinere Schächte lassen sich auch leichter stabilisieren als grosse. Insgesamt sollte die Einsparung an Energie und Baukosten die 30 bis 40 Prozent höheren Anschaffungskosten für die Elektroflotte mehr als wettmachen.

Eine Hürde bleibt

«Die Elektrofahrzeuge in der Mine machen die Umgebung für die Arbeiter angenehmer», sagt Yarrow. «Weniger Lärm, weniger Abgase, weniger Vibrationen, weniger Hitze.» Peter Affolter vom Institut für Energie- und Mobilitätsforschung der Berner Fachhochschule, findet das Projekt sehr spannend. «In dieser Tiefe herrschen Temperaturen um 50 Grad Celsius. Da ist der Einsatz von Elektroschaufelladern sinnvoll, da diese keine zusätzlich Wärme freisetzen und ein Elektroantrieb weder Frischluft für den Verbrennungsprozess benötigt noch giftige Abgase entstehen.»

Mindestens eine Hürde muss das Projekt noch nehmen. Aktutell gibt es nur Modelle, deren Schaufel sieben Tonnen Gestein aufnehmen kann. Betreiben liesse sich Onaping Depth aber nur, wenn eine Schaufel 14 Tonnen fasst. «Wir gehen ein gewisses Risiko ein, indem wir davon ausgehen, dass die grössere Version verfügbar ist, wenn wir die Mine in Betrieb nehmen», sagt Yarrow. Das soll 2022 der Fall sein. «Wir arbeiten eng mit den Herstellern zusammen, um sicherzustellen, dass die Geräte mit den erforderlichen Kapazitäten rechtzeitig entwickelt werden.»

Die treibende Kraft hinter dem Projekt sei der Zugang zu neuen Ressourcen, betont Yarrow – und nicht etwa die Absicht, ein Gegengewicht zu negativen Schlagzeilen zu setzen. «Wenn wir keine Möglichkeiten finden, neue Lagerstätten zu erschliessen, dann wird die Versorgung mit Metallen, die für den Übergang zu umweltfreundlicherer Energien erforderlich sind, ernsthaft infrage gestellt.»


Konfrontation: NGO gegen Glencore

Anfang Januar hat Bundesrat Ignazio Cassis die umstrittene Kupfermine Mopani in Sambia besucht, die mehrheitlich Glencore gehört. Nachweislich litt die Bevölkerung rund um das Schmelzwerk und um die dazugehörende Säurefabrik unter Schwefeldämpfen. Mittlerweile ist eine Filteranlage installiert, die laut Glencore über 95 Prozent der Emissionen zurückhält. Nur wenn die Anlagen etwa nach einem Stromausfall hochgefahren werden, könnten die Grenzwerte gemäss Glencore noch kurzzeitig überschritten werden.

Nichtregierungsorganisationen werfen Mopani trotzdem vor, die Gesundheit der Anwohner aufs Spiel zu setzen, nicht nur wegen der immer noch wöchentlich auftretenden Schwefelemissionen durch der Überlastung des Schmelzwerks. So macht die Stiftung «Solidaritätsfonds für soziale Befreiungskämpfe in der Dritten Welt – Solifonds» Mopani auch für die schlechte Wasserqualität verantwortlich. Aurora García von Solifonds verweist auf Messprotokolle des Umweltministeriums von Sambia aus dem Ort Mufulira, wo die Kupferminen liegen. Demnach weisen Wasserproben vom 9. Januar 2018 Werte von Cadmium, Blei und Chlor auf, die weder den Standards für Trinkwasser von Sambia, noch jenen der Weltgesundheitsorganisation WHO genügen. Eine Probe vom 28. Dezember 2017 war mit Viren oder Bakterien belastet.

Nicht aufbereitetes Wasser

Auf diesen Missstand angesprochen, weist Glencore darauf hin, dass die Mulonga Water and Sewerage Company (MWSC) als einzige Institution im Auftrag der Regierung befugt sei, Rohwasser zu beschaffen, es nach anerkannten Standards aufzubereiten und die Gemeinden von Mufulira mit Trinkwasser zu versorgen. Als Dienstleistung liefere Mopani der Firma MWSC zwar kostenlos überschüssiges Grundwasser, damit es behandelt und den Gemeinden zur Verfügung gestellt werden könne. «Mopani ist aber nicht für die Aufbereitung oder Lieferung von Wasser für die Bevölkerung verantwortlich», heisst es in der Stellungnahme. Mopani bezahle zudem für das Trinkwasser, das es von MWSC beziehe.

Solifonds sieht weniger den Wasseraufbereiter Mulonga, als vielmehr Mopani in der Verantwortung. «Mulonga ist eine marode und bankrotte Firma, die gar nicht in der Lage ist, das Wasser sauber aufzubereiten», sagt García. «Mopani ist der wesentlich stärkere Akteur, der eine Aufbereitung des Wassers durchaus leisten könnte. Für uns ist es ethisch unhaltbar, einer Firma nicht aufbereitetes Wasser weiterzuleiten, die dessen Aufbereitung gar nicht leisten kann.»

Joachim Laukenmann

Erstellt: 23.01.2019, 21:40 Uhr

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