Piccards einsamer Flug

Die Solar Impulse überquert den Atlantik, Schlagzeilen machen andere Nachrichten aus der Energiebranche.

71 Stunden und 8 Minuten brauchte Pilot Bertrand Piccard für seinen Nonstop-Flug mit der «Solar Impulse 2». Video: Reuters

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Die tollkühne Reise über den Pazifik hielt die Welt noch in Atem. Die Überquerung des Atlantiks und die Bilderbuchlandung im spanischen Sevilla war nur noch wenige Zeilen wert. Das Schweizer Projekt Solar Impulse 2 hat die weltweite Öffentlichkeit verloren. Die Leistung der beiden Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg ist immer noch bewundernswert, die Logistik des Unternehmens beeindruckend.

Doch nach der langen Zwangspause durch einen Batterieschaden im letzten Sommer hat die Weltumrundung keine Magie mehr. Geblieben sind die täglichen anspornenden Twitter-Meldungen Piccards, der sauberen Solar- und Windenergie endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Das ist ehrenwert.

Wie weit sind wir denn noch weg vom Durchbruch? Das ist eine Frage der Perspektive. Der Trend für den globalen Ausbau der Sonnen- und Windkraft steigt steil nach oben. Es wurde noch nie so viel zugebaut wie im letzten Jahr, obwohl der Preis für fossile Energie dramatisch sank. Der Solarmarkt ist heute zehnmal grösser als in den letzten zehn Jahren zusammen. Weltweit arbeiten gut 8 Millionen Menschen in der Industrie für erneuerbare Energie. In China soll schon bald Solarstrom billiger sein als Energie aus Kohlenkraftwerken. Auch in Europa braucht Sonnenenergie in manchen Staaten schon bald keine Subventionen mehr. In der Schweiz steigt die Nachfrage nach eigenen Solaranlagen auf dem Hausdach. Über 35'000 Fotovoltaikprojekte warten auf staatliche Unterstützung.

Der Durchbruch bleibt aus

Allerdings: Nur gerade 1 Prozent des weltweiten Strombedarfs wird heute durch Sonne gedeckt; in der Schweiz sind es rund 2,5 Prozent. Und die Stromversorgung ist noch keineswegs so ausgelegt, um den unregelmässig produzierten Solar- und Windstrom effizient und kostengünstig zu verteilen.

Der Durchbruch bleibt insofern noch aus. Und wenn Solar Impulse 2 in wenigen Wochen Abu Dhabi erreicht und Bertrand Piccard aufgewühlt über die erste Weltumrundung eines bemannten Solarflugzeuges erzählt, ist letztlich nicht der Rekord massgebend. Sondern die Gewissheit, dass mit Sonnenenergie viel erreicht werden kann.

Erstellt: 24.06.2016, 18:53 Uhr

André Borschberg (l.) empfängt Bertrand Piccard nach der Landung in Sevilla. Foto: José Manuel Vidal (Keystone)

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