Recyclingforschung zahlt sich aus – in vielen Bereichen

Sind Stoffkreisläufe nicht geschlossen, wachsen die Abfallberge. Zum Beispiel aus Asphalt.

Erfolgreiches Crowdfunding: Pellets aus Abfall ersetzen Asphalt. (Video: Tamedia/Vizzr)

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Ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen ist ein grosses Thema unserer Zeit. Viel Kunststoff landet in der Umwelt oder wird verbrannt statt recycelt. Die für unsere technisierte Gesellschaft so wichtigen Seltenerdmetalle wie Tantal und Indium besitzen Recyclingraten von weniger als einem Prozent. Nur in Pilotprojekten wird der für die Landwirtschaft wichtige Phosphor aus dem Klärschlamm zurückgeholt.

Überraschend gut klappt das Recycling hingegen an einem Ort, wo man es vielleicht gar nicht vermutet: beim Asphalt. Auch hier kommen endliche Ressourcen zum Einsatz: das aus Erdöl gewonnene Bitumen und Gesteinskörnungen in hoher Qualität. Etwa 1,5 Millionen Tonnen alter Asphalt werden pro Jahr in der Schweiz von den Strassen gefräst. Ein Teil davon mischen die Hersteller dem neuen Strassenbelag bei. Ein weiterer Teil des Ausbauasphalts kommt als unterste Schicht eines neuen Strassenbelags zum Einsatz.

Ausbauasphalt wäre als neuer Asphalt tauglich

Seit einigen Jahren zeigt sich jedoch eine unerfreuliche Tendenz: In vielen Recyclingbetrieben werden die Berge mit altem Asphalt immer grösser. Zum Beispiel lagerten in den Recyclingbetrieben Graubündens vor zehn Jahren rund 70'000 Tonnen Asphalt. 2016 waren es rund 130'000 Tonnen.

Wie die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), die ETH Zürich und Industriepartner in einer Studie zeigen, liesse sich Ausbauasphalt ohne Qualitätseinbussen zu 100 Prozent als neuer Asphalt verwenden, wenn auch vorerst nur für weniger stark befahrene Strassen. Sicher braucht es noch Praxistests, bis Recycling-Asphalt grossflächig auf Schweizer Strassen ausgebracht werden kann. Aber das Beispiel zeigt exemplarisch, wie wichtig Recyclingforschung für eine nachhaltigere Zukunft ist. Das gilt übrigens nicht nur für Asphalt, sondern ebenso für die Wiedergewinnung von Kunststoffen, Metallen, Düngemitteln und anderen Stoffen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.08.2018, 18:11 Uhr

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