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Schweizer Kamera unterwegs zur Raumstation ISS

Ein Raumfrachter fliegt mit 20 Tonnen Essens- und Technologienachschub zur Raumstation ISS. Mit an Bord: Eine von Ruag Space gebaute Kamera, die das Verglühen des Raumfrachters festhalten soll.

Auf dem Weg ins All: Der letzte europäische Raumtransporter beim Start in Französisch-Guayana. (29. Juli 2014)
Auf dem Weg ins All: Der letzte europäische Raumtransporter beim Start in Französisch-Guayana. (29. Juli 2014)

Der letzte europäische Raumtransporter ist auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS. Er startete in der Nacht an Bord einer Ariane-5-Rakete ins All. An Bord trägt er auch eine in der Schweiz gebaute Kamera, die das Verglühen des Raumfrachters filmen soll.

Wenn alles nach Plan läuft, wird der Raumfrachter am 12. August am Aussenposten der Menschheit in rund 400 Kilometern Höhe über der Erde andocken. Sie bringt dem Astronauten-Team Wasser und Lebensmittel – darunter Käsespätzle, Orangen-Mango-Saft und 50 Kilogramm Kaffee – sowie neue Forschungsausrüstung.

So viel Nutzlast wie nie zuvor

Die vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana gestartete Ariane-5-Rakete brachte mit einem Gesamtgewicht von mehr als 20,2 Tonnen so viel Nutzlast in den Orbit wie nie zuvor. Der Transport liefert der ISS-Besatzung die Rekordmenge von 6,6 Tonnen Nachschub.

Zum wissenschaftlichen Teil der Ladung des letzten ATV (Automated Transfer Vehicle) gehört eine Kamera, die vom Unternehmen Ruag Space in Zürich gebaut wurde. Sie soll die letzten Momente des Raumfrachters filmen, wenn dieser nach vollbrachtem Einsatz in die Erdatmosphäre eintritt und verglüht, wie die Firma mitteilte.

Kehrichtverbrennung im All

Ein halbes Jahr lang bleibt «Georges Lemaître» an der ISS angedockt. Mit seinen Triebwerken hilft er mit, die langsam absinkende Raumstation wieder auf eine höhere Umlaufbahn zu bringen. Am Ende seiner Lebensdauer laden dann die Astronauten ihre Abfälle ins ATV, bevor es abdockt und beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht.

Die Schweizer Infrarotkamera soll dokumentieren, wie sich die innere Struktur des ATVs erhitzt, bevor es aufgrund der Reibungshitze und des Luftwiderstands auseinanderbricht und verglüht. Die Kamera übermittelt ihre Aufnahmen an eine Kommunikationseinheit, die von einer kugelförmigen Ummantelung aus Keramik vor der grossen Hitze geschützt wird.

Bevor die Keramikkugel ins Meer fällt, sendet sie die Videoaufnahmen über Kommunikationssatelliten zur Erde. Die Auswertung übernimmt die Ruag Space in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich.

Die Videoaufnahmen sollen Aufschluss darüber geben, was beim Auseinanderbrechen eines grossen Raumfahrzeugs genau geschieht. Dieses Wissen wird dabei helfen, auch grosse Satelliten und Raumfahrzeuge so zu bauen, dass sie am Ende ihrer Lebensdauer beim Wiedereintritt in die Atmosphäre vollständig verglühen.

Schweizer Bauteile

Die Ruag hat ausserdem auch die zentrale Grundstruktur des ATVs gebaut, die besonders leicht sein musste. Von der Firmal APCO in Aigle VD stammen Schutzplatten gegen Einschläge von Mikrometeoriten und Weltraumschrott. Die Firma Syderal in Gals BE steuert elektronische Komponenten zur Temperaturregelung bei, die Basler Firma Clemessy weitere Elektronikbauteile.

Der letzte europäische Raumfrachter wird ausserdem den neuen Laser-Infrarotbildsensor «Liris» testen. Er soll es künftigen Raumfahrzeugen ermöglichen, an Raumkapseln oder sogenannten «nicht-kooperativen Zielen» wie Weltraummüll oder Asteroiden anzudocken.

Unter anderem wegen der knappen Kassen in Mitgliedsländern der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) wird der Raumfrachter künftig nicht weiter produziert werden. Die ISS wird in Zukunft vor allem von US-amerikanischen und russischen Transportern versorgt. Die ATV-Transporter sollen jedoch als einzelne Module in das zukünftige «Orion»-Programm der US-Raumfahrtbehörde Nasa für bemannte Flüge einfliessen.

SDA/fko

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