Der «Rockstar der Astronomie» wird alt

Das Weltraumteleskop Hubble hat eine dicke Krankenakte. Aktuell ist der Gleichgewichtssinn gestört.

Hubble hat in den bisherigen 28 Jahren seiner Betriebszeit spektakuläre Bilder vom All geliefert. Foto: Keystone

Hubble hat in den bisherigen 28 Jahren seiner Betriebszeit spektakuläre Bilder vom All geliefert. Foto: Keystone

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Mit dem Alter kommen die Wehwehchen. Kreuzschmerzen, steife Gelenke, unschöne Falten. Ganz ähnlich ergeht es auch Hubble. Nicht dem US-amerikanischen Astronomen Edwin Hubble. Der ist 1953 gestorben. Aber dem nach ihm benannten Weltraumteleskop. Schon sehr früh in dessen spektakulärer Laufbahn machten sich diverse Zipperlein bemerkbar. Und auch jetzt, mit 28 Jahren auf dem Buckel, hat der «Rockstar der Astronomie», wie der «Spiegel» einst titelte, wieder gesundheitliche Probleme.

Diesmal ist es das Gleichgewicht: Eines seiner zur Lageregelung nötigen Gyroskope ist ausgefallen. Alle wissenschaftlichen Beobachtungen sind vorerst sistiert, vermeldete die US-Weltraumbehörde Nasa. Hubble braucht jetzt erst mal Ruhe – und die Fachleute Zeit für eine Diagnose und für eine Therapie, um das Gyroskop vielleicht doch wieder in Gang zu bringen. Die Gyroskope sind nötig, um das Teleskop exakt in die gewünschte Himmelsrichtung zu drehen.

Die Krankenakte von Hubble ist dick. Das erste grosse Leiden war eine Fehlsichtigkeit. Am 24. April 1990 beförderte ein Spaceshuttle das Teleskop auf seine rund 600 Kilometer hohe Umlaufbahn. Dann kam der Schock: Die ersten Bilder, die das Teleskop lieferte, waren unscharf. Der 2,4 Meter grosse Hauptspiegel war zwar mit unglaublicher Präzision geschliffen worden. Aber nach einer fehlerhaften Formel. Erst nachdem Astronauten, darunter der Schweizer Claude Nicollier, dem Teleskop eine Art Brille aufgesetzt hatten, lieferte es wunderbare Bilder: von der Kinderstube der Galaxien, von planetaren Nebeln oder von Planeten ausserhalb des Sonnensystems. Erst kürzlich haben Astronomen mit Hubble vermutlich den ersten Mond entdeckt, der um einen Exoplaneten kreist.

Hubbles beste Weltraum-Bilder

Zur Fehlsichtigkeit kamen bald andere Gebrechen hinzu. Zunächst eine Art Herzschwäche – die Batterien liessen sich nicht mehr korrekt laden. Dann machten sich die ersten Schwindelgefühle bemerkbar. Bei einer der folgenden Servicemissionen wurden 1999 die Ladekontrollgeräte ausgewechselt und alle sechs Gyroskope ersetzt. Beim letzten Service bauten Astronauten 2009 erneut sechs neue Gyroskope ein.

Der Schwindel ist ein Leiden, das Hubble offenbar verfolgt. Zwei Gyroskope sind aktuell defekt. Ein drittes, das seit rund einem Jahr Ausfallerscheinungen zeigte, hat den Dienst nun vollends quittiert. Von den drei verbleibenden laufen zwei tadellos. Das Dritte, das als Ersatz einspringen sollte, liefert nicht die nötige Präzision. Es soll nun reanimiert werden.

Auch mit nur zwei Gyroskopen lässt sich Hubble wie gewünscht ausrichten, notfalls sogar mit nur einem. Allerdings würde das die Beobachtungen etwas einschränken: Pro Zeitspanne liesse sich nur ein kleinerer Ausschnitt des Weltalls abscannen. Aber grundsätzlich, versichert die Nasa, würde der Ausfall des Gyroskops die wissenschaftliche Leistung von Hubble nicht schmälern.

Dennoch neigt sich die beachtliche Laufbahn des Teleskops dem Ende entgegen: Es sinkt langsam in Richtung Erde. Voraussichtlich 2024 wird Hubble in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 09.10.2018, 19:20 Uhr

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