Schweizer Teleskop Cheops im Orbit angekommen

Die Abkopplung von der Raketenoberstufe ist gelungen. Der nächste Schritt sind Funktionstests in den nächsten Wochen bis Monaten.

Der Start der Sojus-Fregat-Rakete mit dem Schweizer Weltraumteleskop Cheops. Video: CNES/Youtube

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Das Schweizer Weltraumteleskop Cheops ist im Orbit angekommen. Die Abkopplung von der Raketenoberstufe ist gelungen. Kurz vor 13 Uhr fing das Kontrollzentrum dann auch ein Signal von Cheops auf - der Satellit sendet.

Somit ist offiziell bestätigt, dass das Weltraumteleskop erfolgreich im Orbit platziert wurde, wie eine Reporterin von Keystone-SDA am Mittwoch aus Kourou, Französisch-Guyana, berichtete. Der nächste Schritt sind Funktionstests in den nächsten Wochen bis Monaten. Zunächst heisst es fürs Cheops-Team aber aufatmen und feiern. Die Sojus-Fregat-Rakete mit dem Schweizer Weltraumteleskop an Bord war am Mittwochmorgen um 5.54 Uhr Ortszeit abgehoben. Unter tosendem Lärm und mit gleissend hellem Schweif in der Dunkelheit machte sich die Sojus-Trägerrakete vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou auf den Weg in den Orbit. Im Flug erleuchtete die Rakete die Wolken.

Cheops sendet Signal

Als erstes wurde die Hauptlast, ein Erdbeobachtungssatellit namens Cosmo-Skymed, in der Erdumlaufbahn abgeladen. Nach zwei Stunden und 23 Minuten war Cheops an der Reihe. Als die erfolgreiche Abkopplung bekannt gegeben wurde, brachen die Anwesenden im Raumfahrtzentrum in Applaus aus. Wenig später, um 12.43 Uhr Schweizer Zeit, wurde auch ein Signal aufgefangen und damit der Erfolg der Mission offiziell bestätigt.

Im Laufe von 3,5 Jahren oder länger wollen die Forschenden Cheops auf mehrere hundert helle Sterne mit Planeten richten. Foto: Keystone

Der Start von Cheops scheine wirklich perfekt funktioniert zu haben, sagte Willy Benz, Cheops-Hauptverantwortlicher von der Uni Bern, im Gespräch mit Keystone-SDA. Im Moment sehe es sogar so aus, dass es keine Korrekturmanöver brauche, um den Orbit von Cheops anzupassen. Das Weltraumteleskop surft nun exakt auf der Tag-Nacht-Grenze, dem sogenannten «Terminator», um die Erde.

Im Vorfeld scherzte Benz, es handle sich um eine sehr Schweizerische Mission: Zum einen gehe es stark um Präzision, sowohl beim Start als auch bei der mit dem Teleskop geplanten Forschung. Zum anderen sei man innerhalb des Budgets und des Zeitplans geblieben.

Zweiter Anlauf

Gänzlich problemlos lief das Ganze dann aber doch nicht: Der Start war zunächst auf Dienstagmorgen angesetzt und musste aufgrund einer fehlerhaften Komponente im Bereich der Raketen-Oberstufe verschoben werden. Das defekte Teil, das nicht näher definiert wurde, sei ausgetauscht worden, hiess es von Arianespace, dem Unternehmen, das den Start verantwortet. Es gab grünes Licht für den zweiten Anlauf am Mittwochmorgen. Die Startprozedur mitsamt aller Checks lief diesmal reibungslos. Nun, da der Start geglückt sei, gehe es ihm viel besser, sagte Benz zu Keystone-SDA. Die Anspannung nach dem abgebrochenen ersten Startversuch war gross.

Applaus in Bern Auch an seiner Heimat-Universität Bern brandete bei einem Public Viewing Applaus auf, als aus Kourou die Nachricht vom Erfolg der Mission kam. Anschliessend wurde angestossen auf die geglückte Platzierung von Cheops im Orbit. Auch Didier Queloz von der Universität Genf, der in Kourou dem Start der Mission beiwohnte, zeigte sich überglücklich. Für die ESA sei dies der Anfang einer Reihe fantastischer Missionen, die Exoplaneten erforschen sollen. Bisherige Exoplaneten-Missionen standen unter Leitung der französischen und amerikanischen Raumfahrtagenturen CNES und Nasa. Nun sei die ESA mit von der Partie. Erst vor wenigen Tagen hatte Queloz zusammen mit Michel Mayor von der Uni Genf den Physik-Nobelpreis für die Entdeckung des ersten Exoplaneten im Jahr 1995 entgegen genommen.

Für die Schweiz als Weltraumnation sei die Cheops-Mission ein bedeutender nächster Schritt, sagte Renato Krpoun vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) im Gespräch mit Keystone-SDA. «Wir haben über 50 Jahre Erfahrung im Weltraum und haben gezeigt, dass wir komplexe kleine Instrumente bauen können.» Jetzt habe die Schweiz die Verantwortung übernommen für eine ganze Mission. «Das ist ein unglaubliches Gefühl», so Krpoun.

Erste Mission unter Schweizer Leitung Cheops (für Characterising Exoplanets Satellite) ist die erste ESA-Mission unter Schweizer Leitung und das erste Schweizer Weltraumteleskop. Entwickelt und gebaut wurde es von einem internationalen Konsortium unter der Leitung von Willy Benz von der Universität Bern. Die ursprüngliche Idee für die Mission stammt von Didier Queloz, der sich damit 2008 an Benz wandte.

Cheops soll bereits bekannte Exoplaneten genauer studieren: Das Schweizer Weltraumteleskop soll die genaue Grösse und Beschaffenheit von Planeten bei Sternen in unserer kosmischen Nachbarschaft bestimmen, also ob es sich um Gas- oder Gesteinsplaneten handelt, oder auch solche, die von tiefen Ozeanen bedeckt sind. Damit liefert Cheops auch vielversprechende Kandidaten für noch genauere Untersuchungen durch zukünftige Missionen. Dahinter steht die Frage, unter welchen Bedingungen sich Sonnensysteme wie unseres bilden können - mit lebensfreundlichen Planeten.

Im Laufe von 3,5 Jahren oder länger wollen die Forschenden Cheops auf mehrere hundert helle Sterne mit Planeten richten. Bevor es losgeht muss das Weltraumteleskop allerdings erst eine Reihe von Tests durchlaufen, um herauszufinden, ob alle Systeme funktionieren und den Erwartungen entsprechen. Das soll etwa drei Monate dauern.

(step/sda)

Erstellt: 17.12.2019, 22:11 Uhr

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