Hier tanken die Autos von morgen

Damit sich Elektromobilität durchsetzt, braucht die Schweiz eine innovative Ladeinfrastruktur. Die Basler Energiefirma EBL investiert genau dort: mit einer Tankstelle für 280 E-Autos.

So soll sie aussehen, «Europas grösste Ladestation für E-Autos», wie EBL sie nennt. Visualisierung: PD

So soll sie aussehen, «Europas grösste Ladestation für E-Autos», wie EBL sie nennt. Visualisierung: PD

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Sie ist nicht das grösste, aber eines der innovativsten Energieunternehmen der Schweiz. Die Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) hat das mit dem Bau des solarthermischen Kraftwerks in Spanien vor fünf Jahren gezeigt. Nun will die EBL gross in die Elektromobilität einsteigen. Sie stellte gestern ein Projekt vor, das es zwar erst auf dem Papier gibt, aber über die Landesgrenzen hinaus ausstrahlen dürfte, falls alles planmässig läuft.

Wenige Minuten von der Autobahnausfahrt Pratteln, auf dem Industriegelände Salina Raurica, soll die «grösste Elektroladestation Europas» mit 280 Ladesäulen entstehen. Davon werden 60 sogenannte Supercharger sein, die eine Batterie innerhalb einer halben Stunde aufladen können. «Wohin es in der Elektromobilität geht, ist für viele noch eine Glaubensfrage, wir sind aber überzeugt von ihr», sagt Urs Steiner, Chef der EBL. Über 130 000 Fahrzeuge fahren täglich auf der A 2 durch Pratteln, die Autobahn ist Teil der internationalen Nord-Süd-Achse. Für die EBL ist der Standort «optimal», um ein grosses Ladeangebot für Fahrzeuge anzubieten, die von weit her kommen. Die Unternehmensleitung ist davon überzeugt, dass es in Zukunft in der Schweiz solche Ladezentren braucht, um die Ausbreitung von Elektrofahrzeugen zu fördern. Und der «Swiss E-Mobility Hub» soll das Leuchtturmprojekt sein.

Die EBL hat einen guten Zeitpunkt gewählt, um dafür Werbung zu machen. So haben Bund, Kantone und Städte im Mai vereinbart, eine Roadmap zu erarbeiten. Das ehrgeizige Ziel: Der Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen soll bis 2022 auf 15 Prozent anwachsen. Ende des letzten Jahres betrug der Anteil 2,7 Prozent. Die Entwicklung steckt immer noch in der «Pionierphase», wie das Beratungs- und Planungsunternehmen Ernst Basler und Partner in der aktuellen Studie zu den «Szenarien der Elektromobilität in der Schweiz» schreibt.

«Kinderleichte» Bezahlung

«Im Moment fehlt noch eine breite Modellpalette bei den Elektroautos, und der Anschaffungspreis muss sinken», sagt Roberto Bianchetti, Mitautor der Studie. Ein weiteres Hindernis sei in den nächsten Jahren die Ladeinfrastruktur, die in der Schweiz noch nicht flächendeckend vorhanden ist. Die Vereinigung der Automobil-Importeure hat bereits vor der Ankündigung des Bundes ein eigenes Vorhaben lanciert. Sie will bereits 2020 den Anteil von Elektroautos am Neuwagenmarkt auf 10 Prozent steigern. «Alleine können unsere Mitglieder das aber nicht schaffen», sagt Andreas Burgener, Direktor von Auto-Schweiz. Dafür brauche es auch private Initiativen beim Aufbau der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Bereich oder am Arbeitsplatz, genauso wie in Einstellhallen von Mietwohnungen. «Die Freischaltung und Bezahlung bei öffentlichen Ladestationen muss kinderleicht sein.»

«Öffentliche Ladestationen müssen leicht bedienbar sein.»Andreas Burgener, Direktor Auto-Schweiz

Der Aufbau dieser öffentlichen Ladeinfrastruktur in der Schweiz wird heute überwiegend durch die Privatwirtschaft gefördert. «Die Schweiz hat weltweit eine der höchsten Ladestationsdichten», erklärt Christoph Schreyer, Leiter Mobilität beim Bundesamt für Energie. Auf 24 der 59 Raststätten seien heute Schnellladestationen in Betrieb, 15 weitere sind in Planung. Zudem ist laut Schreyer ein offenes Bewerbungsverfahren für etwa 100 Schnellladestationen auf Rastplätzen in Vorbereitung.

Leicht kritisch sieht Bianchetti von der der Firma Ernst Basler die Entwicklung. «Es gibt zwar inzwischen viele öffentliche Ladestationen, die aber entweder versteckt sind, tiefe Ladeleistungen aufweisen oder über Zahlungskonzepte verfügen, die nicht jedermann anwenden kann», sagt er. Vor allem fehlten aber Mindestanforderungen, die der Bund festschreiben sollte. Dazu gehörten beispielsweise die verschiedenen Ladesteckertypen, die an öffentlichen Ladestationen zur Verfügung stehen müssen. Zudem sei auch eine Ökostrompflicht vonnöten.

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Das sieht das Bundesamt für Energie anders: «Die Marktakteure wollen mit Ladestationen letztlich Geld verdienen und kennen die Bedürfnisse der Kunden sehr gut», sagt Schreyer. Deshalb sieht der Bund keinen Bedarf, Vorgaben zu machen. Dafür gibt er Leitfäden und Empfehlungen ab für den Ausbau des Ladestationsnetzes. Die Einführung einer Ökostrompflicht ist laut Bundesamt für Energie nicht möglich, weil dafür die gesetzliche Grundlage fehlt.

Das basel-landschaftliche Energieunternehmen EBL muss dies weiter nicht kümmern. Der Strombedarf für sein Grossprojekt wird zu 100 Prozent durch erneuerbare Energie gedeckt. Die EBL geht davon aus, dass der Energiebedarf in zehn Jahren rund 20 000 Megawattstunden betragen wird. Das entspricht etwa dem durchschnittlichen Stromverbrauch von rund 5000 Haushalten. Die Energie soll ausschliesslich von Anlagen auf dem Industrieareal bezogen werden, wo die Mega-Ladestation gebaut werden soll. Den Löwenanteil liefert das Holzheizkraftwerk, dem eine Dampfturbine für die Stromproduktion eingebaut wird. Ein Solarfaltdach über dem Becken der Kläranlage Pratteln und eine grosse Fotovoltaikanlage auf dem Dach einer Schokoladenfabrik von Coop sind weitere Stromlieferanten. Auch das Wasserkraftwerk Augst am Rhein wird ins Stromnetz integriert.

Eröffnung für 2023 geplant

Die grösste Herausforderung werden die 60 Supercharger sein. Sind alle gleichzeitig in Betrieb, muss das Stromnetz rund 5,5 Megawatt Spitzenleistung zur Verfügung stellen. Das sollen lokale Batteriespeicher sicherstellen. Die Idee ist dabei, sogenannte Second-Life-Batterien zu verwenden, das heisst Batterien, die für Autos ausgedient haben, aber als Stromspeicher noch einsetzbar sind.

Für das EBL ist das Vorhaben mehr als ein Energieprojekt. Es soll ein Innovationszentrum sein, in dem führende Fahrzeughersteller ihre Elektroautos präsentieren können und wo Platz für Forschung, Dienstleister und Gewerbe geschaffen wird. Für sie und Arbeitende der bestehenden Industriebetriebe auf dem Areal sollen rund 220 Ladestationen zur Verfügung stehen. Noch ist allerdings alles erst in der Konzeptphase. Nicht einmal das Bauland dafür ist gekauft. Der Kanton hat eine Reservation zugesichert. Die EBL geht nun auf die Suche nach Investoren. Die Eröffnung ist für 2023 geplant.

Zu dem Zeitpunkt also, für den Experten eine verstärkte Nachfrage nach Elektroautos erwarten: Die Schweiz wird 2021 die schärferen Emissionsvorschriften für CO2 für Personenwagen von der EU übernehmen. Dann dürfen Neuwagen im Durchschnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Das ist ohne den Verkauf Elektrofahrzeugen nicht zu erfüllen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2018, 20:35 Uhr

Die wichtigsten Fragen

Die Zahl der Elektroautos steigt weltweit. Trotzdem weiss man immer noch wenig über die Fahrzeuge, die eine wichtige Rolle für die Energiewende spielen.

Was ist genau ein Elektroauto?

Man unterscheidet drei Typen. Das BEV (Battery Electric Vehicle) verfügt über eine Batterie, die an der Steckdose oder der Ladestation aufgeladen werden kann. Das PHEV (Plug-in Hybrid Electric Vehicle) verfügt über einen Verbrennungs- und einen Elektromotor. Diese Fahrzeuge können auch rein elektrisch fahren, und deren Batterien können extern aufgeladen werden. Dann gibt es noch das REEV (Range Extended Electric Vehicle), ein elektrisches Fahrzeug mit einem sogenannten Range Extender. Das heisst: mit einem kleinen Verbrennungsmotor, der ausschliesslich für die Stromerzeugung verwendet wird. Damit kann die Reichweite des Fahrzeuges erweitert werden. Nicht zu den E-Autos gehören Hybridfahrzeuge ohne extern aufladbare Batterie und Brennstoffzellenfahrzeuge, deren Brennstoffzellen aus Wasserstoff oder Methanol Strom herstellen und so einen Elektromotor antreiben.

Warum sind E-Autos noch teuer?

Die teuerste Komponente ist die Batterie. Derzeit kommen in Elektroautos vor allem Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz, wie das auch bei Notebooks und Smartphones der Fall ist. Dies wird laut Experten in den nächsten Jahrzehnten weiterhin der Fall sein. Die Energiedichte soll sich gemäss verschiedenen Studien bis 2030 im besten Fall verdoppeln, was sich deutlich auf das Gewicht des Elektroautos auswirken würde. Der Preis ist in den letzten sieben Jahren um zwei Drittel gesunken, der Rückgang hat sich aber in den letzten Jahren abgeschwächt. Dennoch gehen Fachleute davon aus, dass die Preise bis 2035 nochmals um 75 Prozent sinken. Aber: Die Energiedichte von Batteriespeichersystemen bleibt im Vergleich mit einer Benzintankfüllung deutlich schlechter.

Wie sauber sind E-Autos?

Studien zum gesamten Lebenszyklus zeigen: Elektroautos sind punkto Treibhausgasemissionen sauberer als Benziner oder Diesel. Zwar entstehen bei der Produktion eines batteriebetriebenen Autos bis zu 50 Prozent mehr Treibhausgase als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Das wird aber beim Betrieb mehr als wettgemacht. Wie schnell das geht, hängt stark vom Strommix (Anteil Kohlestrom) ab, der für die Ladung der Batterie verwendet wird. Hinzu kommt: Elektroautos verursachen generell weniger Luftschadstoffe und Lärm in den Städten.

Wie viel kostet ein Wagen?

Die Fachorganisation E’mobile kommt in einer Untersuchung zu folgendem Ergebnis: Die höheren Anschaffungskosten im Vergleich mit Benzin- oder Dieselautos sprechen gegen einen Kauf eines Elektroautos. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Besitzer der untersuchten Fahrzeuge jährlich im Durchschnitt 840 Franken pro Auto einsparen. Es wurde dabei im Durchschnitt von hochgerechnet 11 500 Kilometer Jahresfahrleistung ausgegangen. Die Unterhaltskosten sind zudem geringer als bei Benzinmodellen.

Wo sind die Ladestationen?

E’mobile bietet auf www.e-mobile.ch einen Überblick über die Ladestationen in der Schweiz. Zudem erhält man dort auch Informationen für die Installation einer Ladestation. (lae)

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