Swissloop scheitert in Elon Musks Finale

Das Wettrennen um die schnellste Transportkapsel der Zukunft hat das Zürcher Team knapp verloren. Enttäuscht seien sie trotzdem nicht, sagt Lisa Oberosler.

Wurde vom deutschen und kanadischen Team abgehängt: Die Swissloop-Transportkapsel.

Wurde vom deutschen und kanadischen Team abgehängt: Die Swissloop-Transportkapsel. Bild: Swissloop

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Wenn es nach dem Multimilliardär und Tech-Pionier Elon Musk geht, sollen wir eines Tages wie in einem Science-Fiction-Film in Transportkapseln mit annähernd Schallgeschwindigkeit durch eine Röhre mit Teilvakuum flitzen. Für die Strecke von Zürich nach Berlin bräuchten Reisende oder auch zu befördernde Güter theoretisch nur noch 35 Minuten. Um dem Ziel eines solchen Hochgeschwindigkeitszuges näherzukommen, organisierte Musk, der Chef des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX sowie des Elektroautoherstellers Tesla, Ende August ein Wettrennen auf seinem Firmengelände in Los Angeles. Dort konnten Studierende ihre Prototypen auf der 1,6 Kilometer langen Strecke in einer Röhre testen.

Das Team Swissloop mit Vertretern von der ETH Zürich kam mit der fast vier Meter grossen Hightech-Kapsel «Escher» zwar in den Final, wurde dort aber von Teams aus Deutschland und Kanada abgehängt.

Kurz vor dem Start arbeitete das Schweizer Team Tag und Nacht an der Transportkapsel. Sind Sie und Ihre rund 30 Kollegen frustriert, dass Sie nicht gewonnen haben?

Nein, wir sind null enttäuscht. Im Gegenteil. Wir sind stolz darauf, von über 1000 Bewerbungen unter die Top 3 gekommen zu sein. Und wir freuen uns auch für die anderen, weil wir sie gut kennen und mit ihnen befreundet sind. Man darf sich das nicht als harte Konkurrenz vorstellen, sondern wir wollen alle einen emissionsfreien Hochgeschwindigkeitszug entwickeln und leihen uns gegenseitig auch Werkzeuge aus.

Die Zürcher Studentin ist bei Swissloop in der Projektleitung und vor allem für das Sponsoring zuständig: Lisa Oberosler. Bild: Swissloop

Die Münchner Kapsel raste mit 324 Stundenkilometern durch die Teströhre. Woran lag es, dass die Zürcher Kapsel nur auf 39 kam?

Wir hatten kurz vor dem Start ein Problem mit der Batterie und mussten sie auswechseln. Dadurch fehlte uns dann wertvolle Zeit, das Vakuum in der Röhre wieder richtig aufzubauen. Ansonsten wären wir wohl um einiges schneller gewesen. Doch mit unserem Antriebssystem hätten wir die Münchner auch bei idealen Bedingungen nicht eingeholt, sondern vermutlich nur 160 Kilometer pro Stunde geschafft. Die Kanadier kamen auf 104.

Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Für unseren nächsten Prototypen werden wir ein völlig anderes Antriebssystem entwickeln. Beim Wettbewerb in Los Angeles wurde unsere Kapsel durch einen Kaltgasantrieb beschleunigt, bei dem das unter Druck stehende Stickstoffgas beim Austritt aus dem Tank über ein Kugelventil entspannt und dadurch automatisch einen Rückstoss erzeugt. Durch unsere Panne hatten wir letztlich kein richtiges Vakuum in der Röhre und auch keinen Pusher beim Starten. Einfach etwas Pech. Denn das eine oder andere hilft, mehr Geschwindigkeit zu kriegen.

Umfrage

Würden Sie mit Schallgeschwindigkeit durch ein Teilvakuum reisen wollen?





Gibt es nun einen zweiten «Escher» aus Zürich?

Absolut. Es hat sonst ja alles perfekt funktioniert. Zum Beispiel die Elektronik. Und die Bremsen. Wir konnten die Kapsel rechtzeitig stoppen, sodass es keinen Crash gab. Und Elon Musk war begeistert und gab uns am Schluss allen einzeln ein High Five.

Erstellt: 11.09.2017, 18:21 Uhr

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