Wie Menschen das Weltall zur Kolonie machen könnten

Vom interstellaren Flug zur Kolonisation des Weltraums. Nach der Entdeckung von Kepler-452b fragt man sich: Werden wir dereinst anderswo im Weltall leben? Drei Ziele für die Zukunft.

Bisher sind Reisen zum Mars nur Träume und Visionen: Künstlerische Darstellung einer möglichen Marskolonie.

Bisher sind Reisen zum Mars nur Träume und Visionen: Künstlerische Darstellung einer möglichen Marskolonie. Bild: Nasa

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Im letzten Artikel haben wir die Reise zu fernen Planeten- und Sternensystemen thematisiert. Doch Lebensraum für Menschen im Weltall muss nicht Hunderte oder gar Tausende von Lichtjahren von der Erde entfernt sein. Nein, auch auf Planeten in unserem Sonnensystem oder einfach dem «freien Raum» könnten Menschen versuchen, eine erste Kolonie zu gründen.

Die Kolonisation des Weltalls ist von jeher eines der grossen Themen der Science-Fiction, das nicht nur Space-Romantiker beschäftigt, sondern gar die Forschung beeinflusst. Die meisten Bestrebungen einer Kolonisierung waren bisher spekulativer Natur – besonders während dem Space-Boom mit den Apollo-Missionen erfreuten sich solche Konzepte grosser Beliebtheit. So schreiben Sachbücher nach der Mondlandung selbstbewusst davon, dass «schon in den nächsten Jahrzehnten» Flüge zum Mars oder zur Venus geplant werden sollen. Heute ist man da wesentlich weniger optimistisch. Doch: Was für Ziele gibt es denn überhaupt?

1. Die Venus

Die Venus war lange ein Primärziel für eine menschliche Kolonie – zumindest in den Köpfen vieler Fantasten. Als die tatsächlichen Lebensbedingungen auf der Venus bekannt wurden, sank die Begeisterung: Regen aus Schwefelsäure, dicke Schwefeldioxidwolken und mehr als sommerliche Temperaturen von über 450 Grad Celsius machen die Lebensbedingungen alles andere als freundlich.

Ein Konzeptbild einer Wolkenstadt in der oberen Atmosphäre der Venus. (Bild: Nasa)

Diese Schwierigkeiten, so Nasa-Forscher Geoffrey A. Landis, seien aber ganz einfach zu überwinden. Das Problem sei primär die Oberfläche der Venus. Über den Wolken würde es sich paradiesisch leben. Deshalb schlägt er vor, fliegende Städte zu bauen. Diese könnten einfach über den Wolken schweben, ähnlich wie Zeppeline. Aufgrund der Zusammensetzung der Atmosphäre der Venus bräuchten diese Ballons weder Heissluft noch ein spezielles Gas, sondern nur ganz normale Luft.

Ein wirkliches Projekt wurde aus diesem Gedankenspiel – jenseits einer Nasa-Studie – aber nie. Havoc (High Altitude Operational Concept), so der Name der Studie, rechnet mit fünf Kolonisationsphasen: Zuerst die robotische Erkundung der Atmosphäre, dann ein einmonatiges Schweben im Orbit der Venus und einer anschliessenden einmonatigen bemannten Mission in der Atmosphäre. Bei Erfolg würde eine Crew eine längere Atmosphärenmission unternehmen – nämlich ein Jahr –, um dann einer permanenten Kolonie Platz zu machen.

2. Der Mars

Auch der Mars ist nicht als lebensfreundlicher Planet zu bezeichnen. nichtsdestotrotz hat der Planet Forscher und Populärkultur immer wieder inspiriert. Zuletzt das «Mars One»-Projekt, ein privates niederländisches Unternehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, bereits 2025 eine Kolonie auf dem Mars zu begründen. Der Clou: Das Billett Richtung Roter Planet heisst Mars einfach. Ein Rückflug zur Erde ist nicht geplant.

Der Plan von «Mars One» ist, die Kolonisation des Mars zu einer Realityshow zu machen. Gemäss CEO Bas Landsdorp wäre das das «grösste Medienereignis der Menschheitsgeschichte». Dadurch soll auch die Finanzierung gesichert werden. Mit an Bord war bis Anfang Jahr sogar die Produktionsfirma Endemol, bekannt für die Realitysendung «Big Brother».

Das «Mars One»-Programm in der Eigendarstellung.

Kritiker sehen in «Mars One» ein unverantwortliches Unternehmen ohne richtige wissenschaftliche Planung. Die Stimmen gehen sogar so weit, das Projekt als Betrug zu bezeichnen. Dies unter anderem wegen intransparenter Kommunikation, fehlenden Beweisen für den Fortschritt des Projekts und einer Planung, die komplett unrealistisch sei. Nicht zuletzt aber auch, weil die Kolonisten aus Internetbewerbern ausgesucht werden, die eine Bewerbungsgebühr zahlen mussten. Die versprochenen Trainings, Gesundheitschecks und psychologischen Tests wurden bisher nicht durchgeführt. Alles, was die letzten 100 Bewerber (je nach Darstellung zwischen 7000 und 200’000 Menschen) über sich ergehen lassen mussten, sei ein 10-minütiges Skype-Gespräch, schreibt «Spektrum»-Journalist Philipp Hummel.

Die Roadmap der Unternehmung «Mars One».

Die Weltraumbehörden der Welt indes haben keine konkreten Koloniepläne für den Mars – ein bemannter Flug wäre das höchste der Gefühle und sogar dafür gibt es noch keine definitiven Missionen. Doch Vorschläge und Ideen sind reichlich vorhanden.

3. Der Mond

Ende 1972 betraten Menschen zum letzten Mal den Mond. Seither gab es kaum Unternehmungen, dorthin zurückzukehren. Pläne aber wurden immer neu aufgerollt und wieder abgebrochen. So zum Beispiel die vollmundige Ankündigung der japanischen Weltraumbehörde Jaxa, man wolle eine Basis auf dem Mond bauen – als erster Schritt für eine Mondkolonie. Primär, weil von da aus das Sonnensystem besser erforscht werden könne. Die ambitionierten Pläne von 2006 wurden 2010 von einer bemannten Basis auf eine von Robotern betriebene Basis hinuntergeschrumpft. Mittlerweile spricht Jaxa gemäss der Technologiesite Gizmodo «nur» noch von einer unbemannten Sonde.

Eugene A. Cernan im Lunar Roving Vehicle der Apollo-17-Mission, 1972.

Ähnlich sieht das Programm von Russland aus. Von einer geplanten Mondbasis zwischen 2027 und 2032 ist nicht mehr viel übrig. Die Wirtschaft lässt solche kostspieligen Unternehmen kaum zu. Auch in den USA stösst der Mond nicht mehr auf besonders viel koloniales Interesse. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.07.2015, 18:03 Uhr

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