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«Wir werden die Politik bewegen»

Bertrand Piccard steht zusammen mit seinem Team kurz vor der Weltumrundung mit dem Solarflugzeug Solar Impulse 2. In Monaco hat er gestern die Einsatzzentrale präsentiert.

Wieso Monaco?: Der Kleinstaat hat die Räumlichkeiten für die Mission «Solar Impulse 2» zur Verfügung gestellt. (Video: Anja Metzger)

Sie und Co-Pilot André Borschberg werden oft im gleichen Atemzug genannt mit den grossen Pionieren der Aviatik, die während ihrer Abenteuer ihr Leben liessen. Inwiefern sind Sie als Pilot eines Flugzeugs, das durch etliche Simulationen getestet und von Ingenieuren entwickelt wurde, ein Pionier?

Ein Pionier zu sein, bedeutet nicht, bei seinem Wagnis sein Leben zu lassen. Es bedeutet, etwas zu bewerkstelligen, was noch niemand zuvor geschafft hat. Solar Impulse ist ein völlig neuartiges Flugzeug. Es ist die Fortsetzung der Geschichte dieser Pioniere.

Was bringt Solar Impulse der Aviatik und der Gesellschaft?

Unser Projekt wird die politischen Entscheide enorm bewegen. Die Technologien, um den Energieverbrauch und den CO2-Verbrauch weltweit zu halbieren, existieren nämlich bereits. Sie müssen nur noch angewendet werden.

Wozu braucht es dann noch Solar Impulse?

Die Regierungen fördern diese Technologien bis heute nicht genügend. Soll sich die Welt hinsichtlich des Umweltschutzes ändern, müssen die Behörden gewillt sein, die alten, schädlichen Technologien durch die umweltschonenden zu ersetzen.

Und weshalb sollen ausgerechnet Sie die Politik zum Umlenken bewegen?

Das werden nicht wir tun, sondern die Millionen Menschen, die unser Abenteuer mittragen. Politiker handeln nur, wenn sie die Unterstützung der Bevölkerung haben.

Dafür müssen Sie nicht nur Sponsoren und Majestäten an Bord holen, sondern das gemeine Volk.

Ja. Wir wollen es für den Umweltschutz begeistern. Seit über fünfzig Jahren hat die Ökologie den Ruf, für unseren Lebensstil teuer und bedrohlich zu sein. Die Ökos forderten weniger Komfort, weniger Mobilität, weniger Wachstum, weniger Konsum – das will doch niemand! Der Umweltschutz hat deshalb viele Feinde. Wir wollen nun zeigen, dass er sowohl rentabel als auch faszinierend sein kann und gleichzeitig Arbeits­plätze schafft.

Und damit wollen Sie begeistern?

Das ist jedenfalls die Wette, die wir mit uns selbst abgeschlossen haben.

Was, wenn Sie scheitern?

Für mich ist scheitern keineswegs das Schlimmste. Wenn ich alt bin, will ich lieber sagen können, dass ich es versucht habe und daran gescheitert bin, als mir einzugestehen, dass ich Angst hatte, es zu versuchen.

Wovor haben Sie Angst?

Vor dem Moment, wenn die Batterien des Flugzeugs leer sind, bevor die Sonne wieder aufgeht und sie wieder auflädt.

Dann fliegt jede Nacht die Angst mit.

Ich habe mich, so gut es geht, auf diese Situation vorbereitet. Wir haben beispielsweise mit der deutschen Marine trainiert. Dort lernten wir, im Meer und im kalten Wasser zu überleben.

Haben Sie die Möglichkeit, das Flugzeug am Boden an eine Steckdose anzuschliessen?

Nein, denn so würde die Premiere nicht zählen. Unser Ziel ist es, mit derselben Batterieladung zu starten, mit welcher das Flugzeug zuvor gelandet ist.

Und sollte der Strom für einen Start nicht ausreichen?

Dann stellen wir das Flugzeug an die Sonne, bevor wir wieder abheben.

Das Rekordflugzeug wurde in der Schweiz gebaut. Weshalb steht die Einsatzzentrale nun in Monaco?

Aus Marketinggründen. Niemand macht im Innern seines Geschäfts für den ­eigenen Laden Werbung. Will man ein Land wie die Schweiz promoten, muss man das also jenseits seiner Grenzen tun. Die Schweizer kennen unser Projekt bereits.

Sie und André Borschberg sind als Persönlichkeiten grundverschieden. Wie funktioniert das Team?

Es gibt André, es gibt mich, und es gibt uns zwei. Er ist Ingenieur und Militär­pilot, ich bin Psychiater und Ballonfahrer. Er funktioniert und denkt daher anders als ich. Wir ergänzen uns. Er arbeitet eher im Innern des Projekts, ich ausserhalb. Ich kümmere mich um die Partner und um die Finanzierung. Das bedeutet unter dem Strich: Ich bringe das Geld, und er gibt es aus. (lacht)

Wie werden Sie die Etappen untereinander aufteilen?

Das wissen wir noch nicht. Fest steht: Wer die erste Etappe macht, wird nicht die letzte übernehmen, und derjenige, der über den Pazifik fliegt, wird nicht auch den Atlantik überqueren. Vielleicht werden wir eine Münze werfen.

Die Weltumrundung dauert fünf Monate. Unter dem Strich planen Sie nur 25 Flugtage. Warum umfliegen Sie die Erde nicht in einem Stück?

Erstens müssen André Borschberg und ich uns im Cockpit abwechseln, weil wir zu zweit zu schwer wären. Zweitens werden wir auf geeignete Wetterbedingungen warten müssen, und drittens soll ­unser Flugzeug nicht nur Rekorde brechen, sondern ein Botschafter sein. Damit unsere Message die Öffentlichkeit erreicht, muss sie sich mit unserem Vor­haben identifizieren können.

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