Was hinter dem «Alien-Signal» steckt

Ein mögliches Alien-Signal fasziniert die Welt. Ist es soweit? War das der Kontakt mit E.T.?

Sie haben vermutlich keine Aliens entdeckt: Das Ratan-600-Radioteleskop in Russland. (13. Juni 2013)

Sie haben vermutlich keine Aliens entdeckt: Das Ratan-600-Radioteleskop in Russland. (13. Juni 2013) Bild: Wikimedia Commons

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Riesenwirbel unter Alien-Fans: Vor mehreren Tagen flatterte eine E-Mail mit dem Betreff «Candidate SETI SIGNAL DETECTED» in den virtuellen Briefkasten mehrerer Forscher. Diese haben alle eines gemeinsam: Sie suchen nach ausserirdischem Leben. Seti, das heisst «search for extraterrestrial intelligence».

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Russische Astronomen haben mit dem Ratan-600-Radioteleskop nämlich ein Signal empfangen, das von wiederum anderen Astronomen als «möglicherweise interessant» eingestuft wurde. Das Signal kommt aus der Gegend der Konstellation Hercules, vom Stern HD164595, einer Sonne, die zwar ein paar Milliarden Jahre älter ist als die Erde, aber immerhin einen Neptun ähnlichen Exoplaneten besitzt.

Skepsis

Woher kommt das Signal? Sind das Aliens? Die Frage beflügelt das Internet und diverse Medien – liegt da eine Sensation in der Luft? Kaum. Die Wissenschaftsgemeinde ist äusserst skeptisch.

Seti-Forscher Eric Korpela schreibt zum Beispiel: «Seti@home hat Millionen potenzieller Signale mit ähnlichen Charakteristiken gesehen.» Weil es sich dabei ausserdem um ein Breitbandsignal handelt, könnte es auch einen anderen Ursprung haben: «Es gibt nichts, was das Signal von einer natürlichen Radioquelle oder einem Satelliten unterscheiden würde.»

Das mysteriöse Signal aus dem Weltall. (Quelle: Reuters)

Um «ein guter Kandidat» zu sein, müsse ein Signal noch mehrere Kriterien erfüllen, zum Beispiel eine Mehrfachdetektion. Das ist den russischen Forschern schon einmal nicht gelungen. Das Signal wurde nur einmal entdeckt – in 39 Untersuchungen. «Alles in allem ist es von einem Seti-Standpunkt aus gesehen relativ uninteressant.» Mit dem «Wow!»-Signal, das bis heute Wissenschaftler fasziniert, will er es nicht gleichsetzen.

«Nicht wahnsinnig vielversprechend»

Auch Astronomin Yvette Cendes von der Universität Amsterdam ist äusserst skeptisch. Gegenüber dem Smithsonian sagt sie, man sei nicht im entferntesten am Punkt angelangt, an dem man behaupten könnte, dass das Signal von ausserirdischen Lebewesen stammen könnte.

Nicht zuletzt meldet sich auch Seth Shostak – eine der wohl gewichtigsten Stimmen in Sachen Seti-Forschung: «Die Chance, dass das wirklich ein Signal von Ausserirdischen ist, ist nicht wahnsinnig vielversprechend», trotzdem solle man das Signal aber im Auge behalten, alleine darum, weil die Suche nach ausserirdischem Leben wichtig sei. Interessant sei das Signal – aber nicht mehr. Es gebe genug andere plausible Erklärungen für das Signal, die nichts mit Aliens zu tun hätten.

Shostak ist weiterhin nicht zufrieden damit, dass die russischen Forscher ihre Ergebnisse erst ein Jahr nach der Entdeckung preisgegeben haben. Das entspreche nicht den gängigen Seti-Richtlinien. Wenn wirklich ein Signal entdeckt würde, dann sollten als Allererstes andere Forscher informiert werden, damit auch sie die Befunde bestätigen könnten.

Die Medien sind schuld

Warum sorgt ein derart durchschnittliches Radiosignal also für einen derartigen Wirbel? «Es wurde natürlich den Medien angekündigt. Journalisten werden nicht die Hintergrundinfos haben, um zu wissen, dass das Signal nicht interessant ist», schreibt Eric Korpela im Seti-Forum.

Die russische staatliche Nachrichtenagentur Tass meldet, es handle sich beim entdeckten Signal nicht um ein Alien-Signal, sondern um dasjenige eines sowjetischen Militärsatelliten, der bisher noch nicht katalogisiert worden sei. Andere Quellen stehen noch aus.

Wie würde eine Entdeckung eines Alien-Signals tatsächlich ablaufen? Lesen Sie unsere Was-wäre-wenn-Geschichte hier. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.08.2016, 17:22 Uhr

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