Wie das Unmögliche gelang

Von den psychologischen Erfolgsfaktoren der Apollo-Mission über eine Mond-Biografie bis zu den schönsten Grafiken: Fünf Bücher zum Jahrhundertereignis.

Astronaut Dave Scott blickt aus der Apollo 9: Ein Bild aus «Das Nasa-Archiv. 60 Jahre im All». Taschen, 468 Seiten, circa 140 Fr. Foto: Courtesy of Nasa

Astronaut Dave Scott blickt aus der Apollo 9: Ein Bild aus «Das Nasa-Archiv. 60 Jahre im All». Taschen, 468 Seiten, circa 140 Fr. Foto: Courtesy of Nasa

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Packende Erzählungen

Kein & Aber, 320 Seiten, circa 32 Fr.

Ben Moore, Professor für Astrophysik an der Universität Zürich, hat schon mehrfach bewiesen, dass er ein guter Erzähler ist. In seinem neusten Werk gelingt es ihm, Wissenswertes zum Mond in unterhaltsame Geschichten zu verpacken. Dabei spannt er einen grossen Bogen von den ältesten, rund 40'000 Jahre alten Darstellungen des Mondes über die ersten Astronomen und den Wettlauf zum Mond bis zur Zukunft der Raumfahrt.

Ein Kapitel handelt sogar vom «Leben im Mondlicht», in dem Moore über den Einfluss des Mondes auf das irdische Leben berichtet. «Dass der Mond das Leben und die Bedingungen auf unserer Erde beeinflusst, findet sich in vielen alten Mythen. Aber ist das tatsächlich so?», schreibt Moore. Aus seiner Sicht ist die Realität «noch bemerkenswerter als alle Legenden». Das belegt er mit Geschichten, etwa über einen marinen Borstenwurm, der sich am Mondzyklus orientiert und sich immer um dieselbe Zeit im Mondmonat fortpflanzt.

Moore selbst ist mittlerweile «Mondwissenschaftler». In den vergangenen 15 Jahren hat sich sein Forschungsschwerpunkt von der Kosmologie zur Ent­stehung von Planeten verlagert. «Es frustrierte mich, dass es noch immer keine überzeugende Theorie zur Entstehung des Mondes gab», schreibt er. Nun versucht er, mithilfe eines der leistungsfähigsten Supercomputer der Welt zu verstehen, wie der Mond entstanden ist.

Von den vielen Büchern, die zum Apollo-11-Jubiläum erschienen sind, ist «Mond, eine Biografie» eines der lesenswertesten und unterhaltsamsten.

Psychologische Techniken

S. Fischer, 224 Seiten, circa 29 Fr.

Natürlich war die Apollo-Mission eine technologische Meisterleistung. Darüber wurde viel geschrieben. Weniger ist über die psychologischen Voraussetzungen bekannt, die bei diesem Ereignis von zentraler Bedeutung waren. Viele Beteiligte mussten zum Gelingen der Mission über sich hinauswachsen. Schliesslich galt es auch äusserst brenzlige Situationen zu meistern, etwa als es bei Apollo 13 eine Explosion gab und im Kommandomodul Sauerstoff, Wasser und Strom knapp wurden.

In «Sprung auf den Mond» geht der Psychologe Richard Wise­man von der University of Hertfordshire der Frage nach, wie es möglich war, das eigentlich Unmögliche zu schaffen. Dazu hat er mit vielen Beteiligten des Apollo-Programms gesprochen und Archive durchforstet. Sehr lebendig und anschaulich beschreibt der Autor die unterschiedlichen psychologischen und kognitiven Faktoren, die zum Erfolg der Mondmission beigetragen haben, von der Macht der Leidenschaft über die Rolle der Fantasie bis zur Bedeutung der Improvisation.

Die wahren Helden des Apollo-Programms sind für Wise-man allerdings nicht die Astronauten, sondern die Mitarbeiter im Kontrollzentrum der Nasa. Das sind die Leute, die für die Apollo-Astronauten das Eisen aus dem Feuer geholt haben und die es dabei noch geschafft haben, bescheiden zu bleiben. Deren erfolg­reiche, psychologische «Apollo-Prinzipien» kann jeder durch Übungen und Überlegungen anhand des Buchs erlernen, um, wie Wiseman schreibt, den eigenen Mond zu erreichen.

Inspirierende Grafiken

Droemer, 168 Seiten, circa 43 Fr.

Manchmal sagt eine Grafik mehr als tausend Worte. Wenn man bedenkt, dass Zack Scott gefühlt tausend Grafiken zum Mond präsentiert, steckt eine ganze Menge Inhalt in diesem Buch. Neben Grafiken zur «Maschinerie», etwa zu den Raketen und Mondlandefähren, illustriert Scott auch viele Zahlen und Vergleiche rund um die Apollo-Mission. So zeigt er, dass ein Kommandomodul so schwer ist wie drei Personenwagen, die Saturn-V-Rakete so viel wog wie sieben voll beladene Boeing 747 und grösser war als die Freiheitsstatue. Die verwirrende Menge an Schaltern an einem Instrumentenpult veranschaulicht er, indem er auf einer Seite 566 Schalter zeichnet – einerseits stupide, andererseits sehr eindrücklich.

Die Grafiken sind schlicht gehalten und geben dem Buch etwas Filigranes. Natürlich gibt es auch einige einführende und erklärende Worte im Buch, auch zu jedem Apollo-Astronauten und zu allen Apollo-Flügen. Am stärksten ist das Buch aber dort, wo die schönen Grafiken für sich allein sprechen, ganz ohne Text.

Scott weiss, wovon er zeichnet. Mit 20 Jahren ging er zur Royal Air Force und diente mehrere Jahre als Flugzeugtechniker, bevor er Grafikdesigner wurde. Er liebe es, heisst es im Buch, mithilfe von Grafiken komplexe Zusammenhänge anschaulich und leicht begreifbar darzustellen. Das ist ihm gelungen.

Lebendige Geschichte

DVA, 544 Seiten, circa 35 Fr.

Beim Lesen dieses Buchs fühlt man sich, als schaute man den Astronauten bei der Vorbereitung ihrer Mond-Mission direkt über die Schulter und als sässe man mit ihnen in der Raum­kapsel. Hautnah an der Seite der Protagonisten erzählt James Donovan die Geschichte, die letztlich in der erfolgreichen Landung von Apollo 11 auf dem Mond mündete. Man erfährt, wie Neil Armstrong und Edwin Aldrin sich in die Haare kriegten, sich dann aber doch zusammenrauften, um das Unmögliche möglich zu machen.

Dabei begleitet der Autor nicht nur die Stars. Donovan macht klar, dass Armstrong, Aldrin und Michael Collins nur die sichtbaren Helden waren. Auch vor vielen Beteiligten im Hintergrund zieht er den Hut, vor den Menschen im Kontrollraum, den Programmierern und vor jenen, die für den Bau der Raketen zuständig waren.

Einer von ihnen ist der deutsche Wernher von Braun, der zunächst für Hitler arbeitete, dem es aber am Ende des 2. Weltkriegs gelang, Teile der legendären V2-Rakete und viele Baupläne erst zu verstecken und dann den Amerikanern zukommen zu lassen. Darauf baut die Raketentechnik der Apollo-Mission auf.

Donovan erfindet die Geschichte der Apollo-Missionen zwar nicht neu. Aber er macht den Leser gefühlt zu einem Zeitzeugen.

Schweizer Blickwinkel

Weltbild, 144 Seiten, circa 42 Fr.

Die Generation 50+ konnte die Mondlandung live miterleben. Viele wurden davon geprägt, andere liess das Ereignis eher kalt. In dem von Roland Jeanneret herausgegebenen Buch «Ein grosser Sprung für die Menschheit?» erzählen verschiedene Persönlichkeiten mit Bezug zur Schweiz, wie sie den 21. Juli 1969 erlebt haben – und welche Bedeutung die Raumfahrt für sie hat.

Der ehemalige Schweizer Astronaut Claude Nicollier tut das im Vorwort («Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen»), der Raumfahrtexperte Men Jon Schmidt in einem der zwölf Kapitel («Noch sehr genau erinnere ich mich daran»). Kathrin Altwegg, ehemalige Direktorin des Center for Space and Habitability der Universität Bern war gerade zu Besuch bei Verwandten in den USA, hatte aber als 17-Jährige anderes im Kopf («In meiner Erinnerung waren die Bilder recht unscharf, und ich kann nicht behaupten, dass ich nachher die Welt mit anderen Augen gesehen hätte»). Sie sieht die Antwort auf die im Buchtitel genannte Frage eher negativ («Nein, die Apollo-Missionen waren nicht das Sprungbrett ins All für den Menschen, wenigstens nicht in nächster Zeit»).

Neben Wissenschaftlern und Raumfahrtexperten schildern auch ein Fotograf, ein Theologe sowie ein Theatermacher ihre Sicht der Dinge.

Erstellt: 18.07.2019, 19:33 Uhr

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