Uni Cambridge würdigt Stephen Hawking mit rührender Botschaft

Mit Stephen Hawking ist einer der grössten Wissenschaftler aller Zeiten gestorben. Die Universität Cambridge veröffentlichte eine Audiobotschaft.

Sprechen konnte er nur mit Hilfe eines Computers: Hawking stirbt im Alter von 76 Jahren. Video: Tamedia/AP

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Der britische Astrophysiker Stephen Hawking ist tot. Der 76-Jährige starb am Mittwochmorgen friedlich in seinem Haus in Cambridge, wie seine PR-Agentur unter Berufung auf seine Familie mitteilte. Der Professor zählte zu den grössten Wissenschaftlern aller Zeiten.

«Wir sind tief betrübt, dass unser geliebter Vater heute gestorben ist», zitierte die britische Nachrichtenagentur Press Association eine Mitteilung seiner Kinder Lucy, Robert und Tim. «Wir werden ihn für immer vermissen.» Er sei ein grossartiger Wissenschaftler und ein aussergewöhnlicher Mann gewesen, dessen Arbeit und Vermächtnis viele Jahre weiterleben werde.

Die Universität von Cambridge, bei der Hawking einen Lehrstuhl innehatte, hat nach seinem Tod eine Audiobotschaft des Genies veröffentlicht, die 2017 an einer Feier zu seinem 75. Geburtstag aufgenommen worden war:

In der Botschaft sagt Hawking: «Können Sie mich hören? Es war eine grossartige Zeit, am Leben zu sein und Forschung in der theoretischen Physik zu betreiben.» Dann drückt er seine Freude darüber aus, dass er seinen Teil zum besseren Verständnis der Welt beitragen konnte.

Er schliesst mit einem Appell: «Also erinnern Sie sich daran, nach oben zu den Sternen zu blicken – und nicht nach unten auf Ihre Füsse. Versuchen Sie, einen Sinn zu erkennen in dem, was Sie sind, und fragen Sie sich, was das Universum existieren lässt. Seien Sie neugierig! Und wie schwierig das Leben auch scheinen mag, es gibt immer etwas, das Sie tun können. Es ist wichtig, dass Sie nicht einfach aufgeben. Danke fürs Zuhören.»

Hawking sprach nur mit Hilfe eines Computers

Hawking litt an der unheilbaren Muskel- und Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Bereits seit Jahrzehnten war er fast völlig bewegungsunfähig, er sass im Rollstuhl. Schon seit langem konnte er sich nur noch mühsam mit Hilfe eines Computers verständigen. Zuletzt nahmen seine Kräfte immer mehr ab.

Er gehört zu den grössten Wissenschaftlern aller Zeiten. Die Fachwelt schätzte Hawking wegen seiner Theorien zum Ursprung des Kosmos und zu Schwarzen Löchern. «Ich möchte das Universum ganz und gar verstehen», sagte er einmal. «Ich möchte wissen, warum es so ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert.» Sein 1988 erschienenes Buch «Eine kurze Geschichte der Zeit» machte ihn auch bei Laien populär.

Seit 1968 im Rollstuhl

Hawking, der am 8. Januar 1942 in Oxford geboren wurde, erkrankte bereits als Physikstudent an ALS – Ärzte sagten ihm nur noch wenige Jahre voraus. Seit 1968 war Hawking auf den Rollstuhl angewiesen.

Doch die Krankheit schritt bei ihm sehr langsam voran und konnte seinen Aufstieg in der Wissenschaft nicht aufhalten: 1979 wurde er Professor für Mathematik in Cambridge, über 30 Jahre lang hatte er dort den renommierten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik inne – und stand damit in der Nachfolge von Isaac Newton.

Das Privatleben kam trotz seiner Karriere nicht zu kurz. Hawking war zweimal verheiratet und hatte drei Kinder. 30 Jahre lang war er mit seiner Jugendliebe verheiratet, doch die Ehe scheiterte – später bezeichnete sie ihn als einen «Haustyrannen». 1995 heiratete Hawking seine Pflegerin, die Verbindung dauerte elf Jahre.

Schwarze Löcher und Urknall

Trotz Gesundheitsproblemen lief das Gehirn des Genies stets auf Hochtouren. Neue Theorien entwickelte Hawking zu Schwarzen Löchern und dem Urknall: Die monströsen Schwarzen Löcher im All sind demnach keine Endstationen. Zwar saugen sie durch ihre enorme Schwerkraft alles ein, was ihnen zu nahe kommt, und lassen nicht einmal das Licht entkommen. Hawking konnte aber in der Theorie zeigen, dass Schwarze Löcher langsam verdampfen – eine Folge der Quantenphysik. Das Verdampfen dauert extrem lange. Die dabei entstehende Hawking-Strahlung liess sich daher bisher nirgends nachweisen.


Zu Hawking's Leben: Das Genie, das vor dem Weltuntergang warnte

Der verstorbene Wissenschaftler Stephen Hawking hatte keine Angst vor dem Tod. Vielmehr sorgte er sich um die Zukunft der Menschheit – die sah er in einem anderen Sternsystem.


Bereits als Doktorand hatte Hawking 1965 zusammen mit dem Briten Roger Penrose zudem einen wichtigen mathematischen Beleg für die Urknalltheorie geliefert. Die Idee vom Urknall war damals noch umstritten, unter anderem weil in dieser mathematischen «Singularität» die Naturgesetze nicht mehr gelten und so eine Art Schöpfungsakt notwendig zu werden schien.

Er beschäftigte sich mit Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie und konnte zeigen, dass sie einen Anfang des Universums voraussagte – «ein Ergebnis, das die Kirche interessiert zur Kenntnis nahm», wie Hawking in seiner Autobiografie «Meine kurze Geschichte» (Rowohlt, 2013) schrieb. Später zeigte er jedoch, dass der Anfang des Universums nicht zwangsläufig in einer Singularität gelegen haben muss.

Warnung vor Robotern

Ausserdem versuchte Hawking über Jahrzehnte, die Relativitätstheorie mit der Quantenphysik zu vereinen und auf diese Weise eine Art «Weltformel» zu finden – in der Sprache der Physiker eine «Grosse Vereinheitlichte Theorie», die alle Bereiche des Universums beschreiben kann, vom Mikro- bis zum Makrokosmos. Er war eine Art Popstar der Wissenschaft und schreckte nicht davor zurück, zu populären Ideen wie Zeitreisen und Ausserirdischen Stellung zu nehmen.

In seinen letzten Jahren trat Hawking immer wieder als Mahner auf. Intelligente Roboter, Klimaerwärmung, Atomkrieg und durch Gentechnik hergestellte Viren könnten die Erde gefährden, warnte er. Seine Botschaft: Die Menschheit müsse sich Ausweichmöglichkeiten im All schaffen, falls es zu einer hausgemachten Katastrophe kommen sollte.

Gemeinsam mit dem russischen Milliardär Jurij Milner plante er, eine Armee nur etwa briefmarkengrosser Raumschiffe auf eine 20-jährige Reise zum Sternsystem Alpha Centauri zu schicken. Hawking war überzeugt: «Früher oder später müssen wir zu den Sternen schauen.» (chk/sda)

Erstellt: 14.03.2018, 04:51 Uhr

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