«Seine Anspannung ist ein gutes Zeichen»

Matthias Hitzfeld (31), Sohn von Ottmar Hitzfeld, spricht über seinen Vater, den Schweizer Nationaltrainer.

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Von den 18 Länderspielen der Schweiz unter Ottmar Hitzfeld hat Matthias Hitzfeld ein einziges im Stadion gesehen. Das 0:0 in Basel am 14. Oktober des vergangenen Jahres gegen Israel, als sich die Nationalmannschaft den letzten notwendigen Punkt holte, um sich für die WM in Südafrika zu qualifizieren.

Das heisst aber nicht, dass sich der Sohn des Schweizer Nationalcoaches nicht für die Arbeit seines Vaters interessiert. Zumal sich auch im Berufsleben von Matthias alles um Fussball dreht. Bei Adidas arbeitet er in der Marketing-Abteilung und ist zuständig für das Sponsoring im Bereich der Champions League.

«Champions League ist ein Selbstläufer»

«Alles, was mit dem Adidas-Sponsoring der Champions League zu tun hat, geht über meinen Tisch», erklärt Hitzfeld, der so mit der grossen Welt des Fussballs täglich verbunden ist. Er kennt die Millionen Euros, die in der Champions League im Marketing-Bereich umgesetzt werden, und sagt: «Die Champions League ist ein Selbstläufer.»

Klar, dass so kurz vor dem WM-Start auch im Hauptsitz von Adidas in Herzogenaurach bei Nürnberg die Weltmeisterschaft das dominierende Thema ist. «Doch über die Schweiz wird kaum gesprochen, hier geht es um die Sorgen von Jogi Löw», sagt Matthias Hitzfeld. Und im Gegensatz zu seinem Vater, den er als «halben Schweizer und als Fan von diesem Land» bezeichnet, ist für Matthias klar: «Meine Heimat ist Deutschland, und es gibt nur ein einziges Spiel, bei dem ich nicht mit Deutschland mitfiebern würde. Das wäre, wenn es zum Match Schweiz gegen Deutschland käme.»

Beobachter aus der Ferne

Wenn er nicht auf Reisen ist, arbeitet er während der Woche in Herzogenaurach. Die Wochenenden verbringt er in München, wo er seit einigen Jahren mit seiner Freundin wohnt. München ist für Matthias zur Heimat geworden, und noch immer ist er regelmässiger Besucher der Bayern-Spiele. Auf dem Marienplatz haben die Bayern zwischen 1999 und 2008 fünf Meistertitel mit Ottmar Hitzfeld gefeiert, dazu 2001 den Champions-League-Triumph. Und so überlegte er nicht lange, als er gefragt wurde, wo der Treffpunkt für das Fotosujet sein soll – und wählte Münchens berühmtesten Platz.

Matthias war vier Jahre alt, als Ottmar Hitzfeld 1983 seinen ersten Trainerjob beim SC Zug bekam. Er hat seinen Vater nie anders gekannt als in diesem rastlosen Leben als Fussballtrainer. Seit Ottmar Hitzfeld die Schweizer Nationalmannschaft betreut, ist der Sohn Beobachter aus der Ferne geworden. «Viele Spiele finden während der Woche statt. Da ist es schwierig und aufwendig, von Nürnberg anzureisen, wenn man am nächsten Tag wieder zur Arbeit muss.» Aber an der WM wird er dabei sein, mit seiner Freundin nimmt Matthias an der Südafrika-Reise teil, die der Fussballverband für die Angehörigen der Nationalmannschaft organisiert.

Praktisch täglich telefoniert er in diesen Tagen mit seinem Vater. «Für ihn ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Er hat als Trainer alles gewonnen, was man im Klubfussball gewinnen kann. Aber die WM ist etwas ganz Neues für ihn – er weiss nicht genau, was auf ihn zukommt, er weiss nicht, was ihn erwartet, aber er freut sich enorm.»

Spricht der Sohn wie der Vater?

Die Anspannung seines Vaters ist offensichtlich, aber Matthias interpretiert sie anders als viele Medienvertreter. «Er ist komplett auf diese WM fixiert, alles andere versucht er auszublenden. Seine Anspannung ist ein gutes Zeichen, dann ist er als Trainer besonders stark.»

Die Skepsis der Medien vor dem WM-Start teilt Matthias Hitzfeld nicht. «Mein Vater ist sehr zufrieden mit der Stimmung und der Solidarität innerhalb der Mannschaft, er ist sogar erstaunt, wie stark das Team zusammengewachsen ist.»

Spricht da der Sohn wie der Vater? «Nein, ich weiss, dass er sich genau überlegt, was er den Medien sagt und was nicht. Ich weiss aber auch, dass er mir alles so sagt, wie er fühlt.»

Erstellt: 09.06.2010, 12:47 Uhr

Mit dem Vater am Ort der Feiern: Matthias Hitzfeld auf dem Marienplatz. (Bild: Nicolas Pitaro)

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