Der weisse Fels in der Brandung

Noch immer gilt in Südafrika Fussball als Sport der Schwarzen. Matthew Booth ist der einzige Weisse im Nationalteam – und wird verehrt wie kaum ein anderer Spieler.

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Bei den Fussballspielen der südafrikanischen Nationalmannschaft hat man im ersten Moment das Gefühl, dass der einzige Weisse im Team das schwarze Schaf ist. Bei jedem Ballkontakt wird der Spieler ausgebuht. Sofort tauchen Fragen auf: Ist dies dem Aussehen des Verteidigers zuzuschreiben, weil er mit seinem kahlen Haupt ein wenig wie ein Skinhead anmutet? Wird er nur wegen seiner Hautfarbe dermassen von den Zuschauern geschmäht?

Doch der erste Eindruck täuscht wie so oft: Mit den vermeintlichen Buhrufen feiern die Fans ihren Liebling Matthew Booth. Mit einem langgezogenen «Boooooth» wird jede seiner Aktivitäten auf dem Rasen quittiert.

Der David Beckham Südafrikas

Auf Mannschaftsfotos ist Matthew Booth stets unschwer zu erkennen: Nicht nur weil er das einzige hellhäutige Gruppenmitglied ist, nein, er sticht auch noch mit einer stattlichen Grösse von 1,98 Metern aus seinen Kollegen heraus. Der Fussballerhüne gab sein Debüt in der Nationalmannschaft bereits 1999 gegen Botswana. Schon damals war er eine einzigartige Erscheinung in der Fussballwelt Afrikas. Weisse Profifussballer waren und sind dort etwa so selten wie Schnee.

Sein leidenschaftlicher Einsatz und sein unglaublicher Kampfgeist zeichnen Booth aus. Spätestens im Jahr 2000, als er bei den Olympischen Spielen massgeblich am Sieg der Südafrikaner gegen Brasilien beteiligt war, mauserte er sich zum absoluten Publikumsliebling. Nur Legenden wie Lucas Radebe, Mark Fish und John Moshoeu erlangten einen ähnlichen Kultstatus wie Booth. Er gilt heute als tragende Säule bei «Bafana, Bafana» – als weisser Felsen in der Brandung eben.

Auch bei den Boulevardmedien ist Booth heiss begehrt: Er ist sozusagen der David Beckham Südafrikas. Dies wohl auch, weil er mit einer der schönsten schwarzen Frauen verheiratet ist, die dieses Land hervorgebracht hat. Seine Gattin Sonia ist Model und, gleich wie ihr Gatte, schon seit der Kindheit fussballbegeistert. Das glamouröse Paar wird als Vorbild für den bisher unerfüllten Traum Südafrikas einer Regenbogennation betrachtet.

Im Kampf für die Menschenrechte

Grosse Popularität erlangte Booth ausserdem durch eine spektakuläre Aktion kurz vor der Jahrtausendwende: Als er unfreiwillig den Verein wechseln sollte, engagierte er kurzerhand einen bekannten Menschenrechtsanwalt und wehrte sich gegen den ungewollten Transfer. Er gewann den Fall und appellierte damit an das Recht auf Freiheit eines jeden Einzelnen.

Booth wagte im Laufe seiner Karriere etliche Abstecher in andere Teams, unter anderem auch nach Russland und zum FC Wimbledon. In der Zeit seiner Europaaufenthalte legte er seine Nationalmannschaftskarriere erst mal auf Eis. Booth hatte längere Zeit grosse Schwierigkeiten damit, sich im südafrikanischen Team zu etablieren. Seit Anfang 2009 spielt er jedoch wieder bei seinem ursprünglichen Klub in der Hauptstadt Pretoria, den Mamelodi Sundowns. Der Erstligaverein hat in Südafrika einen ähnlichen Status wie der FC Chelsea in England. Auch aus dem Nationalteam ist der 2-Meter-Mann heute nicht mehr wegzudenken.

Erstellt: 07.06.2010, 13:22 Uhr

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