«Holland spielt Anti-Fussball»

Hollands Fussball-Übervater Johan Cruyff ist entsetzt über den Stil der Oranje-Elf. Er stellt damit die Zukunft von Trainer Bert van Marwijk infrage.

Höchst unterschiedliche Philosophien: Cruyff (l.), Nationaltrainer Van Marwijk.

Höchst unterschiedliche Philosophien: Cruyff (l.), Nationaltrainer Van Marwijk. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wenn ein Trainer sein Land zum ersten Mal nach 32 Jahren wieder in einen WM-Final führt, müsste er eigentlich unbestritten sein - auch wenn er das Endspiel verliert. Beim holländischen Nationalcoach Bert van Marwijk ist dennoch das Gegenteil der Fall. Johan Cruyff, Star der grossen holländischen Mannschaft der 70er-Jahre, wirft Van Marwijk vor, er lasse «Anti-Fussball» spielen.

«Das ist hässlich, vulgär, hart, destruktiv und unansehnlich - man kann es kaum noch Fussball nennen», wettert Cruyff in der spanischen Zeitung «El Periodico» über den Finalauftritt gegen Spanien (o:1). Van Marwijks Schwiegersohn Mark van Bommel und Nigel de Jong hätten seiner Meinung nach schon vor der Halbzeit des Feldes verwiesen werden müssen. Van Bommel für ein hartes Tackling gegen Andrés Iniesta, De Jong für seinen Kung-Fu-Tritt in Xabi Alonsos Brust.

Kann man einen Vize-Weltmeister entlassen?

Dass Inter Mailand den FC Barcelona, der wie die spanische Nationalmannschaft auf das Kurzpasspiel setzt, in der Champions League mit einem harten Defensivkonzept stoppen konnte, lässt Cruyff nicht als Argument für Hollands Taktik gelten. «Es tut mir weh, dass Holland diesen Weg gewählt hat, ich hasse diese Art von Fussball», betont er.

Man muss kein Hellseher sein, um aus diesen Aussagen herauszulesen, dass Cruyff an Van Marwijks Stelle einen Trainer sehen will, der wieder auf die Offensive setzt. Und Cruyffs Wort hat in Holland ähnlich viel Gewicht wie jenes von Franz Beckenbauer in Deutschland. Dem Verband steht also ein richtungsweisender Entscheid bevor: Setzt er weiter auf den pragmatischen Van-Marwijk-Fussball oder gibt er dem schönen, aber bis auf 1988 (EM-Titel in Deutschland) fruchtlosen Spiel eine neue Chance? Und: Kann man einen Vize-Weltmeister wirklich entlassen?

Erstellt: 13.07.2010, 09:44 Uhr

Artikel zum Thema

Andrés Iniesta macht Spanien zum Weltmeister

Tagesanzeiger.ch/Newsnet stimmte Sie mit einem Countdown auf den WM-Final ein und berichtete live vom Duell Holland - Spanien. Mehr...

Spanien im WM-Delirium – Katerstimmung in Holland

Der WM-Final zog in Spanien und Holland Tausende von Fans in ihren Bann. Mehr...

Treter De Jong jammert

Sein Kung-Fu-Tritt gegen Xabi Alonso im Final gegen Spanien war das übelste Foul dieser WM. Das hindert Hollands Nigel De Jong nicht daran, den Schiedsrichter zu kritisieren. Mehr...

Johan Cruyff ist der Baumeister des spanischen Erfolgs

Johan Cruyff und Spaniens erster WM-Titel stehen in einer engen Verbindung. Der Holländer baute beim FC Barcelona die legendäre Juniorenabteilung auf und verordnete dem ganzen Klub seine Philosophie, das Kurzpassspiel bis zum finalen Schuss. Spaniens Weltmeister-Schütze Andrés Iniesta entstammt wie viele andere der Barça-Schule.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Sweet Home Willkommen im Weihnachtswunderland

Mamablog Zur Erholung ins Büro?

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...