Ein Blick in die Psyche des Fussball-Vampirs

Kein Fussballer ist in diesen Tagen so unpopulär wie Luis Suárez. Doch wer ist der Mann, der nach seiner dritten Beissattacke auf dem Platz als Tier, Vampir oder Irrer gegeisselt wird?

So biss Suárez gegen Itelien zu. Quelle: SRF.

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Einen Gegenspieler zu beissen, das tritt die die Grundsätze des Fairplay mit Füssen. Doch warum tut Luis Suárez so etwas? Nicht nur einmal, sondern ganz offensichtlich immer wieder. Er muss doch wissen, dass es nicht unentdeckt bleiben kann, wenn er seine Zähne in die Schulter des Italieners Giorgio Chiellinis drückt. Er muss doch wissen, dass er dafür zur Rechenschaft gezogen und gehasst werden wird.

Ricardo Gabito, ein Investigativjournalist aus Uruguay, erklärte das sonderbare Verhalten gegenüber einem ESPN-Reporter im Vorfeld der WM mit der rauhen Umgebung, in der das Enfant terrible des Weltfussballs aufwuchs. Er habe als Kind ebenfalls erfahren, was es heisst, arm zu sein und dieser Armut unbedingt entrinnen zu wollen, sagte Gabito. So etwas hinterlasse Spuren. «Ich verstehe Suárez' Verhalten. Ich hätte das Gleiche getan, wenn ich Fussball gespielt hätte. Um aus dem Elend herauszukommen, um nicht aufzugeben.»

Suárez' Vater liess die Familie, die in einer ärmlichen Gegend in der Hauptstadt Montevideo lebte, im Stich. Die Mutter bestritt als Putzfrau den Lebensunterhalt. Als er mit elf in ein Trainingslager in Argentinien eingeladen wurde, musste Suárez absagen. Der Familie fehlte das Geld für Fussballschuhe. Armut bedeutet in Südamerika etwas anderes als in Europa. Wer die Nöte der Menschen dort nicht mit eigenen Augen gesehen hat, macht sich keinen Begriff davon.

Er spielte schon immer mit der gleichen Wut

Suárez, so erzählen alte Weggefährten, habe schon immer mit der gleichen Wut im Bauch gespielt wie im WM-Match gegen Italien. Nur die Entschlossenheit und die Brillanz des Weltstars seien damals noch nicht zu sehen gewesen. Fokussiert sei der Stürmer erst geworden, als er sich mit 15 in ein Mädchen namens Sofia Balbi verliebte. Sofia heisst inzwischen Suárez, sie ist seit März 2009 mit ihrer Jugendliebe verheiratet, die beiden haben zwei Kinder.

Die Integration in die Familie Balbi habe dem Leben des jungen Luis Struktur gegeben. «Diese Leute haben ihn geschützt», so Mathias Cardacio, der als Junior bei Nacional Montevideo mit Suárez zusammenspielte. 2003 aber zog Sofia nach Spanien, der junge Fussballer blieb zurück in Uruguay und fasste den Plan, so hart an sich zu arbeiten, bis er einen Verein in Europa finden würde. Drei Jahre später klappte es: Der holländische Ehrendivisionär FC Groningen gab Suárez einen Vertrag. Mit 17 Treffern in 37 Spielen schoss sich der Neue in nur einer Saison zum Spitzenteam Ajax Amsterdam, wo er erstmals in Europa einen Gegner biss.

Er reagiert, als wollte man ihn zurück auf die Strasse schicken

«Meine Frau sagt, wenn ich so zu Hause wäre, wie ich spiele, dann wäre sie nicht mehr meine Frau», bemerkte Suárez einmal. Der klassische Januskopf also? Privat sei der Fussball-Vampir bescheiden, liebenswürdig und ruhig, betont der ehemalige Mitspieler Cardacio. Der unbändige Siegeswille, laut dem Journalisten Gabito eben auch ein Überlebenswille, treibe ihn aber dazu, auf dem Platz Dinge zu tun, die er nicht tun dürfte. Wenn ein Verteidiger Suárez ins Gehege komme, reagiere dieser so heftig, als wollte man ihn nicht am Abschluss hindern, sondern zurück auf die Strasse in Montevideo schicken, heisst es im ESPN-Porträt.

Und ja, auch die Geschichte, dass Suárez als 16-Jähriger einem Schiedsrichter einen so heftigen Kopfstoss verpasste, dass diesem das Blut aus der Nase schoss, stimmt. Daniel Enriquez, der frühere Jugend-Direktor des Stürmers, bestätigte dies gegenüber ESPN, nachdem zahlreiche Befragte zuvor ausweichende Antworten gegeben oder den Vorfall geleugnet hatten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.06.2014, 06:44 Uhr

Uruguays Präsident schaltet sich ein

In den Streit um die Beissattacke von Uruguays Nationalspieler Luis Suárez bei der WM in Brasilien hat sich nun auch Staatspräsident José Mujica eingeschaltet - und den Fussballer verteidigt. «Ich habe nicht gesehen, dass er irgendjemanden gebissen hat», sagte Mujica vor Journalisten.

Alle Spieler hätten sich beim Gruppenspiel Uruguay gegen Italien «viele Tritte und Stösse gegeben». Suárez sei «ein exzellenter Spieler» fügte der Präsident noch hinzu. Suárez hatte bei der Begegnung seinen italienischen Gegenspieler Giorgio Chiellini in die Schulter gebissen.

Dem Star des FC Liverpool, der bereits zweimal mit Beissattacken auf Gegenspieler auffällig wurde, droht deshalb ein Ausschluss von der WM. Suárez selbst gab sich nach dem Spiel unschuldig und erklärte: «Solche Dinge passieren im Spiel. Das sollte man nicht überbewerten.» (AFP)

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