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Reportage aus WuhanWo alles anfing

In Wuhan, wo das Coronavirus vor einem Jahr ausbrach, ist das Leben wieder erstaunlich normal. Erkundungen in einer Stadt, in der die Regierung ihr Versagen zur Heldengeschichte umdichtet.

Eine Krankenschwester macht ein Selfie in der Corona-Ausstellung in Wuhan, in der die Partei sich selbst feiert. Man habe zentral und effizient gehandelt im Kampf gegen das Virus.
Eine Krankenschwester macht ein Selfie in der Corona-Ausstellung in Wuhan, in der die Partei sich selbst feiert. Man habe zentral und effizient gehandelt im Kampf gegen das Virus.
Foto: Getty Images

Selbst nach dem Tod bleiben die Augen des Staates auf ihn gerichtet: Li Wenliang hängt an der Wand einer Dauerausstellung in Wuhan, Überwachungskameras haben ihn im Blick. Er schaut ernst in seinem weissen Medizinerkittel.

Das Foto von Li Wenliang ist das fünfte von links, 14 Männer und Frauen hängen hier stellvertretend für all jene, die sich bei ihrer Arbeit in Krankenhäusern in Wuhan mit dem Coronavirus infiziert haben und starben. Sicherheitsleute bewachen die Bilder, sie achten penibel darauf, ob jemand zu lange davor stehen bleibt.

Unter dem Bild von Li Wenliang steht: Parteimitglied und Arzt. Was da nicht steht: Er ist der Arzt, der die Welt vor dem Virus warnte, als die Lokalbehörden noch versuchten, den Ausbruch zu vertuschen. Sie nennen ihn jetzt nicht mehr Unruhestifter, wie im Januar, als die Polizei ihn vorlud. Kein Wort über das Virus mehr, befahl man ihm damals. Er musste ein Schuldeingeständnis schreiben. Vier Wochen später starb er an den Folgen einer Corona-Infektion, mit 34. Jetzt ist er also Genosse Li. Sie haben ihn zu einem der ihren gemacht, jetzt, wo er sich nicht mehr wehren kann.

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