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Besuch beim KräuterkönigWo die gesunden Kräuter wachsen

Das Puschlav ist nicht nur Anbaugebiet der Familie Raselli, deren Ernte die berühmtesten Hustenbonbons der Welt prägt. Das südlichste der 150 Bündner Täler bietet auch für Naturliebhaber und Geniesser einiges.

Die Kräuterfelder der Familie Raselli – ein Genuss für Auge und Nase gleichermassen.
Die Kräuterfelder der Familie Raselli – ein Genuss für Auge und Nase gleichermassen.
Foto: zVg

Daniele Raselli bückt sich und zupft ein paar Blättchen der Pfefferminzpflanzen ab, die in langen Reihen auf dem Feld in Le Prese stehen. Er zerreibt sie zwischen den Fingern und schnuppert daran: «Eine Apfelminze. Wie herrlich sie duftet!» Beim Besuch sind die Pflanzen wegen des kühlen Frühlings etwas im Rückstand. «Aber sie werden ihn schnell aufgeholt haben», ist Raselli überzeugt.

Vor mehr als 30 Jahren setzte er zusammen mit seinem Cousin Reto neben der Viehwirtschaft auf Kräuter. Heute ist die Erboristeria Biologica Raselli in der Valposchiavo das bedeutendste Bio-Kräuterunternehmen der Schweiz. Der Familienbetrieb mit je nach Saison 5 bis 10 Mitarbeitenden beliefert neben Coop und Kleinhändlern vor allem Ricola, den Kräuterbonbon-Hersteller. Daniele ist inzwischen nicht mehr im Betrieb tätig, hilft aber aus, wenn der Chef gerade unterwegs ist und eine Journalistin Einblick in die aromatische Kräuterwelt möchte. Ansonsten widmet er sich den Eseln auf der Alp Canal oberhalb von Le Prese und ist als Zertifizierer für Bio-Importprodukte unterwegs.

Hier wird Zitronenmelisse geerntet.
Hier wird Zitronenmelisse geerntet.
Foto: Silvia Schaub

Der grossgewachsene Mann mit dem markanten Schnauz und dem langen Zopf ist bereits ein Feld weiter gerückt. Immer wieder blickt er gegen den Himmel, wo sich dunkle Wolken zu einem Gewitter zusammenbrauen. Nun stehen wir vor einem Kornblumen-Feld mit rosa Blüten. Es duftet herrlich nach Sommer und Heu. «Das sind die wertvollsten Pflanzen.» Ein Kilo davon sei mehrere Hundert Franken wert. Daneben wachsen pralle Ringelblumen. Und ein Feld weiter stehen Edelweiss. Diese hier seien natürlich nicht geschützt. «Es sind aber ziemlich heikle Pflänzchen», weiss Raselli. Doch auf diesem Flecken der Erde im südlichsten der 150 Bündner Täler wachsen sie hervorragend.

Klima begünstigt den Kräuteranbau

Es scheint fast, als hätten die Rasellis hier die perfekte Lage für ihre Kräuter gefunden. Das milde, trockene Klima auf fast 1000 Metern über Meer nahe des Lago di Poschiavo lässt hier praktisch alles gedeihen, was das Herz begehrt. Natürlich holten sich die Pioniere anfangs Unterstützung bei Fachleuten und arbeiteten intensiv mit zwei wissenschaftlichen Forschungsanstalten zusammen. Gemeinsam tüftelte man aus, welche Pflanzensorten in Bio-Qualität überhaupt funktionieren. Heute werden auf 14 Hektaren rund um Le Prese 30 verschiedene Arten von Aroma- und Medizinal-Kräutern angebaut. Frauenmantel, Kamille, Brennnesseln, Salbei und Zitronenmelisse produzieren die Rasellis in grossen Mengen, aber auch Raritäten wie Goldrute oder Spitzwegerich.

Sie werden für Tees, Gewürze und Heilmittel genutzt. Und natürlich als Rohstoff für einen der berühmtesten Exportschlager der Schweiz: die Kräuterbonbons von Ricola. Seit 1985 schon beliefern die Rasellis die Firma im basellandschaftlichen Laufen. «Noch heute ist sie ein wichtiger Kunde für uns», sagt Daniele Raselli. Bis 15 Prozent stammen immer noch aus der Valposchiavo. Den Rest liefern mittlerweile auch Kräuterbauern aus dem Emmental, dem Tessin oder dem Wallis.

Kosten mehrere hundert Franken das Kilo: Kornblumen mit rosa Blüten.
Kosten mehrere hundert Franken das Kilo: Kornblumen mit rosa Blüten.
Foto: Silvia Schaub

Gerade noch rechtzeitig vor dem nächsten Regenguss bringt Trockenmeister Arthur eine Ladung Zitronenmelisse in die Anlage, wo sie innerhalb von 48 Stunden bei 35-40 Grad getrocknet werden. Nach einem Gewitter zu ernten, wäre gar nicht gut, «weil dann die Konzentration der ätherischen Öle in den Pflanzen ganz tief ist», erklärt er. Der beste Zeitpunkt für die Ernte sei, wenn die Sonne am Mittag kurz über dem Höchststand stehe.

In der Anlage schaufeln die Mitarbeiter emsig die bereits getrocknete Zitronenmelisse von einer Trocknungszelle in die andere. Es riecht so intensiv, als wäre man in einer Duftwolke gelandet. Daniele Raselli macht die Probe und nimmt eine Handvoll der getrockneten Blätter. «Sie müssen leicht zu brechen sein, dann ist die Trocknung perfekt.» Zufrieden nickt er. In der Halle daneben werden die getrockneten Blätter für den Tee geschnitten – je nach Qualität grob oder auch ganz fein – und in Säcke abgefüllt, bevor sie dann in der Verarbeitungsstätte in die Beutel kommen.

Die farbenfrohe Ernte.
Die farbenfrohe Ernte.
Foto: zVg

Alle Produkte sind rein biologisch, betont Raselli. «Unser Grundgebot im Tal ist, dass die Natur erhalten bleibt. Also sind Chemikalien tabu.» Die Puschlaver haben sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Sie möchten zum ersten Bio-Tal der Schweiz werden. Bereits gut 95 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Puschlav wird nach biologischen Grundsätzen bebaut. Darauf sind die Südbündner besonders stolz.

4 Kommentare
    isaac reber

    die familie raselli betreibt in le prese, puschlav auch ein schönes sporthotel, das man empfehlen kann!