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Interaktive Karte der Naegeli-StadtWo in Zürich überall seine Strichfiguren tanzen

Harald Naegelis Weke polarisieren. machen Sie sich selbst ein Bild. Wir zeigen, wo in der Stadt seine Figuren zu sehen sind – oder waren.

Harald Naegeli erhielt Ende September 2020 von Stadtpräsidentin Corine Mauch den Kunstpreis der Stadt Zürich 2020 überreicht.
Harald Naegeli erhielt Ende September 2020 von Stadtpräsidentin Corine Mauch den Kunstpreis der Stadt Zürich 2020 überreicht.
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Die Stadt Zürich hat ein zwiespältiges Verhältnis zu Harald Naegeli, der international als Sprayer von Zürich bekannt ist und als Mitbegründer der Street-Art gilt. Und Naegeli ein ebensolches zu seiner Heimatstadt.

Doch während man beim 80-jährigen Künstler durchaus davon sprechen kann, dass er seine Stadt liebt und neckt, war vonseiten der Stadt Zürich lange Zeit wenig Liebe im Spiel. Und statt Necken ein Abschrecken. Oder der Versuch dazu: Naegeli musste sich mehrfach wegen Vandalismus vor Gericht verantworten, sass deswegen in Haft, bezahlte Bussen. Seine Strichfiguren wurden oft, so schnell sie über Nacht erschienen, tagsüber weggeputzt. Doch nun scheint diese schwierige Beziehung in ein Happy End zu münden.

Ende September hat die Stadt Zürich Naegeli den mit 50’000 Franken dotierten Zürcher Kunstpreis verliehen. (Hier lesen Sie mehr dazu.) Die Stadtregierung würdigt Naegeli nicht nur mit der Verleihung des Kunstpreises, die Stadtpräsidentin erklärte in ihrer Rede zudem: «Wir haben im Stadtrat diskutiert, wie wir mit dieser Einladung von Harald Naegeli zum Nachdenken umgehen wollen.»

Deswegen habe die Stadt die Sprayzeichnungen auf den städtischen Gemäuern erst einmal stehen lassen und die zuständige städtische Arbeitsgemeinschaft Kunst im öffentlichen Raum AG KiöR um eine Empfehlung für das weitere Vorgehen gebeten. Die KiöR bezog zusätzlich die sechs Naegeli-Figuren ein, die Ende der Siebzigerjahre in Parkhäusern entstanden waren und sich bis heute erhalten haben.

Dutzende von Naegelis beleben die ETH-Tiefgarage. Diese wird allerdings nun saniert. Die Figuren sollen aber erhalten bleiben.
Dutzende von Naegelis beleben die ETH-Tiefgarage. Diese wird allerdings nun saniert. Die Figuren sollen aber erhalten bleiben.
Foto: Andrea Zahler

Wer allerdings mit offenen Augen durch die Stadt geht, trifft immer wieder mal auf eine jener listigen Figuren, die natur- und menschenfeindliche Räume kritisieren und einem doch oft ein Lächeln entlocken.

Der «Tages-Anzeiger» hat deshalb vor ein paar Wochen einen Aufruf an seine Leserinnen und Leser gestartet, uns von ihnen in der Stadt Zürich entdeckte «Naegelis» zu melden. Die daraus erstellte Karte zeigt nun eindrücklich: Zürich ist ein Naegeli-Museum.

Aufgenommen haben wir nur jene Bilder, die in der Stadt Zürich zu finden sind – oder waren. Denn manche Figuren – etwa an der Ankengasse oder der Predigergasse im Niederdorf – sind mittlerweile schon wieder verschwunden. Ebenso der tanzende Tod unterhalb des Waldmann-Denkmals, der von Unbekannten entfernt wurde.

Da galt er noch als «Vandale»: Der Sprayer von Zürich im April 2017 unterwegs zu einem Termin vor dem Bezirksgericht.
Da galt er noch als «Vandale»: Der Sprayer von Zürich im April 2017 unterwegs zu einem Termin vor dem Bezirksgericht.
Foto: Reto Oeschger

Die Stadt Zürich will nun also neue Wege gehen, und sieben Figuren aus dem Totentanzzyklus 2020 schützen. Ansonsten gilt aber, wie sie in der Medienmitteilung zur Verleihung des Kunstpreises an den seit längerem gesundheitlich angegriffenen Künstler schreibt: «Die grundsätzliche städtische Praxis zum Umgang mit illegalen Graffiti bleibt bestehen.» Heisst: Wisch und weg.

Viele der uns gemeldeten Figuren sind an privaten Gebäuden vorab in den Kreisen 7 und 8 zu sehen. Dort entscheiden die jeweiligen Institutionen oder privaten Eigentümerinnen und Eigentümer über den Verbleib.

15 Kommentare
    Kurt Altorfer

    Die strahlenden Gesichter von Frau Mauch und Herr Naegeli sind wohltuend im Gegensatz von einigen Kommentaren in diesem Forum.