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Armut wegen CoronaWo es in der Schweiz bei einem finanziellen Engpass Unterstützung gibt

Wenn das Geld knapp wird, helfen verschiedene Behörden und Hilfswerke mit Rat oder mit Geld.

Caritas bietet in speziellen Märkten günstige Produkte wie Secondhand-Kleider an.
Caritas bietet in speziellen Märkten günstige Produkte wie Secondhand-Kleider an.
Foto: Urs Jaudas

«Die Zahl der Menschen, die bei uns Rat und Unterstützung suchen, hat aufgrund der Corona-Krise seit Herbst deutlich zugenommen», sagt Andreas Reinhart, Sprecher des Hilfswerks Caritas in Zürich. Und der Schweizerische Gewerkschaftsbund warnte kürzlich vor der düsteren Arbeitsmarktsituation als Folge der Pandemie. Diese treffe Menschen mit niedrigen Einkommen viel härter. Gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft stieg die Arbeitslosenquote 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent.

«Wer eine unerwartete Rechnung von 2500 Franken nicht bezahlen kann, sollte sich an eine Fachstelle wenden», erläutert Reinhart. Es gebe in der Schweiz leider viele Haushalte, die bei einem solchen Betrag schon finanziell am Anschlag seien.

Eine naheliegende Anlaufstelle sind Beratungs- und Sozialhilfestellen in der Wohngemeinde. Sie helfen, wenn zum Beispiel eine Familie mit geringem Einkommen nicht mehr über die Runden kommt. In Zürich finden Betroffene im Internet mit den Stichworten «Stadt Zürich Hilfsangebote» eine Reihe von Kontaktangaben. In Bern führen die Stichworte «Bern Sozialwegweiser» zum Ziel, und in Basel-Stadt werden Interessierte über die Adresse sozialesbasel.ch fündig. Auch in kleineren Ortschaften ist die Gemeindeverwaltung nicht die falsche Anlaufstelle – zumindest erhalten Menschen in finanzieller Not dort weiterführende Informationen.

Manche meiden aus Scham Gemeindebehörden

Doch besonders in kleineren Ortschaften «meiden Leute bei finanziellen Problemen häufig einen Kontakt mit der Gemeindeverwaltung», wie Claudia Hänzi, Leiterin des Sozialamts der Stadt Bern, feststellt. Dabei spielt Scham eine Rolle – man kennt sich im Dorf und befürchtet, dass die angespannte Finanzlage zum Gesprächsthema werden könnte. Viele wenden sich stattdessen an Hilfswerke. «Manche fragen im vertraulichen Gespräch sogar ihren Hausarzt um Rat», erläutert Hänzi. Laut Andreas Reinhart meiden manche wegen ausländerrechtlicher Fragen staatliche Behörden: «Ausländische Familien befürchten zu Recht, mit einem Gang zum Sozialamt ihr Aufenthaltsrecht aufs Spiel zu setzen.» Allein aus diesem Grund beziehe jede vierte anspruchsberechtigte Person keine Sozialhilfe.

Es gibt eine Reihe von Hilfswerken, die mit Fokus auf bestimmte Themen Menschen unterstützen. Geht es um Armut, zählen Caritas und die Winterhilfe zu den wichtigsten Organisationen. Bei der Winterhilfe erhalten Bedürftige oft Einkaufsgutscheine oder finanzielle Unterstützung, um einen Engpass zu überbrücken. Das Hilfswerk hat eigens einen «Covid-19-Familienfonds» eingerichtet. Anspruch auf Beiträge haben Familien mit minderjährigen Kindern, die trotz Einkommen sowie allenfalls anderen staatlichen Leistungen am Existenzminimum leben und nicht alle Rechnungen bezahlen können.

Caritas Schweiz leistet vor allem Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei geht es beispielsweise um Beratung oder Verhandlungen mit Gläubigern. In Caritas-Märkten können Menschen mit knappem Budget vergünstigte Waren kaufen. Im Einzelfall gibt es auch finanzielle Unterstützung wie beispielsweise für eine Monatsmiete oder Krankenkassenprämien. Über die Internetseiten von Caritas Schweiz und der Winterhilfe finden Betroffene die Kontaktdaten.

Oft fehlt die Übersicht über die Finanzen

Wer von Armut betroffen ist, hat häufig auch Probleme mit Schulden. «In solchen Fällen ist es wichtig, zuerst einmal ein ehrliches Budget zu erstellen», sagt Gregor Mägerle, Leiter der Schuldenprävention der Stadt Zürich. Er stellt immer wieder fest, dass vielen die Übersicht über ihre Finanzen fehlt und dass sie im Budget die Prioritäten falsch setzen. So liegt beispielsweise das Shoppen erst drin, wenn Geld für Miete, Krankenkasse, Steuern und Essen beiseitegelegt ist. Bei solchen Problemen helfen unter anderem in Bern die Schuldenberatung, in Basel die Fachstelle Plusminus und in Zürich die kantonale Schuldenberatung weiter.

11 Kommentare
    Karini

    Ja, bei uns wird Armut leider immer noch dem eigenen subjektiven Versagen zugeschrieben. Die strukturellen Gegebenheiten werden dabei völlig ausgeblendet. Dass die sozialen Sicherungssysteme zugunsten einer immer kleineren Minderheit ausgehöhlt werden, wird dabei leider völlig ausser Acht gelassen. Wenn immer mehr Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen arbeiten müssen, wo der Lohn nahe am Existenzminimum liegt ist es kein Wunder dass solche Menschen kein Polster für Notsituationen haben. Aber das ist ja politisch so gewollt. Bin mal gespannt wie lange das noch so weiterläuft, die Altersarmut und Kinderarmut wie auch prekäre Arbeitsstellen sind in den letzten Jahren zumindest stark angestiegen, das lässt mich mit einem unguten Gefühl an die USA denken.