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Reisen trotz Quarantäne-ListeWohin Schweizer in die Sommerferien fahren

Viele wollen trotz Corona-Pandemie ins Ausland reisen – wer bereits einen Trip in ein Risikoland gebucht hat, kann auf Kulanz bei den Reiseveranstaltern hoffen.

Spanien steht dieses Jahr hoch im Kurs bei Schweizer Touristen: Strand in Magaluf auf Mallorca.
Spanien steht dieses Jahr hoch im Kurs bei Schweizer Touristen: Strand in Magaluf auf Mallorca.
Foto: Keystone

Die Hinweise verdichten sich, dass eine zweite Welle der Coronavirus-Pandemie anrollt. Die Schweiz hat deshalb ihre Sicherheitsmassnahmen angepasst und unter anderem eine Liste mit 29 Risikoländern – darunter Serbien, die USA und Schweden – veröffentlicht. Wer aus diesen Ländern einreist, muss sich zuerst in Quarantäne begeben.

Für die bereits arg gebeutelte Reisebranche bedeutet dies einen weiteren Stolperstein. Kunden, die sich Sommerferien vorzugsweise am Meer gönnen wollten, überlegen es sich nun zweimal. Diese zögerliche Haltung macht sich bei den grossen Reisebüros bemerkbar.

«Die Telefone in unseren Filialen und unsere Hotline sind heiss gelaufen.»

Bianca Gähweiler, Sprecherin von Hotelplan

«Bereits die Ankündigung der Liste hat uns stark gefordert. Die Telefone in unseren Filialen und unsere Hotline sind heiss gelaufen», sagt Bianca Gähweiler, Sprecherin von Hotelplan. «Viele unserer Kunden riefen uns an und wollten wissen, welche Länder auf der Liste stehen.»

Aus Sicht der Reisenden und der Branche beruhigend ist, dass die beliebtesten Destinationen der Schweizer am Mittelmeer nicht auf dieser Liste vermerkt sind. «Aktuell machen die meisten unserer Kunden ihre Ferien in Griechenland oder Spanien», sagt Bianca Schmidt von TUI Schweiz.

Auch Zypern ist beliebt

Kuoni stellt die stärkste Nachfrage in Zypern und Griechenland fest. Daneben seien auch Deutschland und Österreich beliebte Destinationen im Ausland. «Wir spüren deutlich, dass unsere Kunden in diesem Sommer eine Reise unternehmen wollen, nachdem dies an Ostern, in den Frühlingsferien und an Pfingsten nur beschränkt möglich gewesen ist», sagt Markus Flick, Sprecher des Kuoni-Mutterkonzerns DER Touristik Suisse.

Die befragten Tourismusfirmen bescheinigen den Reisenden aus der Schweiz, dass sie sich im Allgemeinen verantwortungsvoll verhalten. Die Mehrheit der Reisenden werde sich «gerade in Zeiten von Corona noch intensiver mit den Reisebestimmungen beschäftigen und sich frühzeitig über diese informieren», sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller.

Auch Helvetic Airways empfiehlt ihren Passagieren, ausreichend Zeit in die Vorbereitung ihrer Reise zu investieren. So könnten die Fluggäste «unangenehme Überraschungen bei der Rückkehr in die Schweiz» vermeiden, sagt Sprecher Mehdi Guenin.

Denn wer einen Flug in eines der Risikoländer bereits gebucht hat und nun von der Reise absieht, der erhält kein Geld zurück. Die Airlines stellen sich auf den Standpunkt, dass der Flug wie geplant stattfinde und damit angetreten werden könne. In der Regel können die Flugtickets aber gratis umgebucht werden.

Einzelne Reiseveranstalter melden auch, dass ihre Schweizer Kunden auf eine Reise nach Schweden verzichten. TUI Schweiz weiss von «einer Handvoll» Kunden, die eine Städtereise nach Stockholm gebucht hatten. Diese Ausflüge würden «auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, und die Sommerhausferien in Schweden werden zu Familienferien auf Mallorca», sagt Firmensprecherin Schmidt.

Hotelplan nahm nach der Bekanntgabe der Liste mit den Risikoländern Kontakt mit den Kunden auf, die sich in Schweden aufhielten. Laut Firmensprecherin Gähweiler sind diese Reisenden aus der Schweiz aber am vergangenen Sonntag wieder zurückgekehrt. Zum Glück für sie: Die Quarantäne für eine Einreise aus diesen Nationen gilt erst seit Montag.

Dafür machte die Eidgenossenschaft Hotelplan anderweitig einen Strich durch die Rechnung. Eigentlich wollte der Reiseveranstalter die Dominikanische Republik wieder ins Programm aufnehmen. Doch dieses Land ist jetzt auf der Liste mit den Risikoländern gelandet. «Dies müssen wir nun leider zurückstellen und die gebuchten Kunden über den Stopp informieren», so Gähweiler.

Reisebüros versprechen Kulanz

Kuoni und Hotelplan kündigen an, den von den Reisebeschränkungen betroffenen Kunden entgegenkommen zu wollen: Kuoni bietet Pauschalreisekunden eine kostenlose Umbuchung der Reise an.

Hotelplan erstattet bei der Annullation einer Reise die Reisekosten vollumfänglich zurück, sofern es sich um eine Pauschalreise handelt. Bei Einzelleistungen vergütet das Unternehmen den Kunden die Rückerstattung des Leistungsträgers, etwa des Hotels.

20 Kommentare
    MoZi

    Leider will der Ferienhaus Vermieter in Schweden nichts zurückzahlen. Wir könnten ja trotzdem kommen war seine Begründung...