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Corona und SpracheZehn Sätze eines merkwürdigen Jahres

«Du hast dein Mikrofon nicht an»! «Hast du deine Maske dabei?» In diesem Seuchenjahr sagen wir Dinge, die wir zuvor nie gesagt haben.

Illustration: Stefan Dimitrov 

«Du hast dein Mikrofon nicht an!»

Der Klassiker in der Online-Konferenz. In tiefster Home-Office-Depression hat man sich soeben vor den Computer geschleppt, sagt zu diesem und jenem was – und wird wieder nicht gehört. Und so werden sie immer mitleidiger, die Blicke der Kollegen. Bis der entscheidende Hinweis kommt und man sie endlich findet, diese elendige Mikrofon-Taste, der allein man im Jahr 2020 seine berufliche Existenzberechtigung verdankt.

«Welches Buch liest du gerade?»

Lesen. Das, was man immer machen wollte, wozu man aber nie Zeit gefunden hat. Seit März zitiert der Möchtegernphilosoph jetzt Harari, die junge Literaturstudentin Rooney, der Freizeitpsychologe Stahl. Man hat die Zeit genutzt, sich analog intellektuell weiterzubilden. Und, wie hältst du es mit der Literatur? Man kann sich jetzt profilieren und etwas von einem walisischen Autor mit unaussprechlichem Namen erzählen, der noch total unbekannt ist, aber garantiert bald ein grosses Ding wird. Oder man ist ehrlich und sagt: Harry Potter.

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